23.11.2007

Leuenberger

An Verantwortung der Medien appelliert

Ethik auch bei Nachrichten im Minutentakt wichtig.

Eine Flut von Nachrichten garantiert nach Ansicht von Bundesrat Moritz Leuenberger noch keine Objektivität und Qualität. Die ethische Verantwortung und die Suche nach der Wahrheit seien für die Glaubwürdigkeit eines Mediums entscheidend.

Aus der Fülle vieler Nachrichten ergebe sich noch keine Objektivität, sagte Leuenberger am Donnerstag an einem Festakt zur Lancierung des Nachrichtkanals DRS 4 News. In grossen Teilen der Welt gebe es weder Mikrophone noch Kameras. Auch sei es unmöglich, alle Nachrichten dieser Welt einzufangen.

Es müsse eine Auswahl getroffen werden, auch bei einem Nachrichtenkanal wie DRS 4 News. Schon die Auswahl der Nachrichten schaffe eine gesellschaftliche Relevanz. Und mit deren Verbreitung werde gesellschaftlicher Einfluss ausgeübt.

Wo liegt die Wahrheit?

Die reine Objektivität könne es gar nicht geben. Das gelte erst recht für die Kommentierung. Als Beispiel erwähnte Leuenberger die Schlagzeilen in den Medien nach dem Wahlerfolg der SVP. Die SVP habe einen professionellen Wahlkampf geführt, habe es geheissen.

Das stehe ausser Zweifel, sei aber nur die halbe Wahrheit. Der andere Teil der Wahrheit seien die Millionen, die für Propaganda ausgegeben worden seien. Und der Inhalt des Wahlkampfes - die Schafe, der Personenkult, die Verknüpfung von Parlaments- und Bundesratswahlen - sei ein weitere Teil der Wahrheit.

Wer als Journalist etwas als professionell lobe, müsse den Anspruch der Professionalität auch an sich selber stellen und ihm gerecht werden. Professionelle Wahlkampf-Kommentare dürften sich nicht auf die formalen Aspekte des SVP-Wahlkampfes beschränken. Sie müssten auch den Inhalt unter die journalistische Lupe nehmen.

Vielfalt wichtig

Leuenberger brach ferner eine Lanze für TV- und Radiosender, die die politische und kulturelle Vielfalt der Schweiz widerspiegeln. Die Tendenz gehe eher in Richtung Zielgruppen-Programme. Das sei nicht unproblematisch, könnte es doch zur weiteren Segmentierung der Gesellschaft und zur selektiven Informationsaufnahme führen. (sda)


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