Die Medienkonferenz von Armeechef André Blattmann vom letzten Montag gibt noch immer zu reden: Vor den versammelten Bundeshausjournalisten warf Blattmann der "Sonntags-Zeitung" vor, ein Zitat eines Armeesprechers verfälscht zu haben. Nun hat sich Blattmann schriftlich bei Martin Spieler, dem Chefredaktor der "Sonntagszeitung" entschuldigt.
In einem Artikel vom letzten Sonntag hatte die SoZ Blattmanns Sprecher mit der Aussage zitiert, die Armee habe die Datensätze von 27'000 ausgemusterten Soldaten "verloren"; daher könne sie nicht rekonstruieren, welche dieser Soldaten ihre Dienstwaffe abgegeben hätten und welche nicht. Blattmann warf der SoZ vor, das Schlüsselzitat seines Sprechers sei "so als Zitat nicht gegengelesen worden"; vielmehr handle es sich dabei um einen "Zusammenschnitt" mehrerer Aussagen. Wie sich jetzt herausstellte und NZZ-Online am Mittwoch berichtete, ist dieser Vorwurf falsch: Die SoZ gab das Zitat exakt so wieder, wie der Armeesprecher es autorisiert hatte.

In seinem Entschuldigungsbrief an Chefredaktor Spieler schreibt Blattmann, seine Aussage sei "so nicht richtig" gewesen, das entsprechende Zitat sei korrekt wiedergegeben worden. Seine Aussage habe sich auf eine verkürzte Fassung des Zitates auf der Frontseite der Zeitung bezogen, das so nicht autorisiert worden sei, so Blattmann. "Für diese Verwechslung und das daraus entstandene Missverständnis bitte ich Sie in aller Form um Entschuldigung." Tatsächlich hatte die Zeitung das fragliche Zitat in ihrem Artikel auf der Frontseite leicht gestrafft zu sinnentstellenden Änderungen kam es dadurch aber nicht.
Bei der Sonntagszeitung war man erleichtert: "Wir waren sehr überrascht über die Aussagen von Herrn Blattmann an der Pressekonferenz vom Montag, weil das Zitat von seiner Kommunikationsstelle so abgesegnet worden war. Die Entschuldigung haben wir gerne entgegen genommen. Denn es ist immer begrüssenswert und zeigt Stil, wenn sich Leute für Fehler entschuldigen", erklärt Spieler gegenüber persoenlich.com. Dies gelte für Pressestellen ebenso wie für Medien: "Wir entschuldigen uns auch, wenn wir Fehler machen." Mit dem Brief von Herrn Blattmann sei für ihn diese Angelegenheit nun erledigt. Dass es Beanstandungen aufgrund von verkürzten oder ungenau kontextualisierten Zitaten gebe, komme selten vor. "Üblicherweise werden sie ja vor Publikation per Mail abgesegnet", so Spieler. (nzz.ch/eh)

