Der Abgang Andrea Bleichers als Chefredaktorin des "Blicks" ist auf die Unzufriedenheit von Ringier-Chef Marc Walder mit der publizistischen Leistung der Zeitung zurückzuführen. "In Wirtschaft und Politik und bei gesellschaftspolitischen Fragen hat mich das Blatt unter der Führung von Frau Bleicher nicht überzeugt", sagt Walder in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag".
Das habe er Bleicher so mitgeteilt. Die Stimme des "Blicks" sei in der Schweiz zu wenig zu hören gewesen. Das müsse sich ändern. Die Belegschaft des "Blicks" hatte sich mit einer Unterschriftensammlung für den Verbleib Bleichers im Amt eingesetzt. Der Aktion war kein Erfolg beschieden. Walder ernannte diese Woche René Lüchinger zum neuen Chefredaktor der Boulevardzeitung (persoenlich.com berichtete).
"Es liegt uns am Herzen, dass die Zeitung an Relevanz gewinnt, in Politik und Wirtschaft die grossen Themen besetzt, sie durchdringt, sie erklärt, sie kommentiert", sagte Walter weiter. Lüchinger habe grosse Erfahrung in diesem Bereich, und er bringe mit Andreas Dietrich einen Vizechef mit, für den dies genauso zutreffe.
Des Weiteren versuchte der Ringier-CEO die Gerüchte aus der Welt zu schaffen, nach denen Publizist Frank A. Meyer von Berlin aus als graue Eminenz die Oberherrschaft über den Newsroom innehabe und Bleicher nur deshalb gescheitert sei, weil sie wenig oder gar nicht mit ihm kommuniziert habe: "Ringier ist ein in 14 Ländern tätiger Milliardenkonzern mit 8000 Mitarbeitern. Wir haben präzis definierte Prozesse, wie Entscheide gefällt werden müssen, bis hinauf zum Verwaltungsrat."
Dass René Lüchinger Chefredaktor des "Blick" werde, hätten schlussendlich er und Verleger Michael Ringier entschieden. Frank A. Meyer sei nicht involviert gewesen. Seines Wissens kenne dieser Lüchinger nicht mal persönlich. (NZZaSo)
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