06.09.2020

Medienförderung

Andreas Häuptli fordert Staatshilfe für Medien

Der VSM-Geschäftsführer setzt sich in einem Plädoyer in der NZZ für den bundesrätlichen Vorschlag ein. Er rät dem Parlament eine schnelle Lösung zu finden, ansonsten drohe für die Schweizer Medienindustrie der «Kahlschlag».
Medienförderung: Andreas Häuptli fordert Staatshilfe für Medien
Der VSM-Geschäftsführer rät dem Parlament eine schnelle Lösung zu finden: Zeitungen in einem Kiosk in Zürich Oerlikon. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Unter dem Titel «Staatliche Förderung ist für Zeitungen überlebenswichtig» greift Andreas Häuptli, Geschäftsführer des Verbandes Schweizer Medien, in der Samstagsausgabe der Neuen Zürcher Zeitung in die Diskussion über staatliche Unterstützungsmassnahmen für Medien ein.

In dieser Woche will der Nationalrat über das umstrittene und kontroverse Thema debattieren. Häuptli legt in seinem Kommentar nochmals den Standpunkt der Verlegerseite dar, wobei es hier unterschiedliche Standpunkte gibt, wie der Artikel von Peter Wanner, AZ-Verleger und Vizepräsident des Verbandes Schweizer Medien, in der Schweiz am Wochenende vor vierzehn Tagen zeigte (persoenlich.com berichtete).

Ohne gedruckte Zeitungen kein digitales Angebot

Häuptli betont in seinem Beitrag, dass Medien für die direkte Demokratie äusserst wichtig seien. Für 89 Prozent der Urnengänger seien redaktionelle Beiträge in Zeitungen die wichtigste Quelle für politische Meinungsbildung. Dieses gälte auch für die lokale Berichterstattung.

Durch den massiven Rückgang der Werbeeinnahmen sei die Zeitungsvielfalt in der Schweiz aber bedroht. In den letzten zehn Jahren sei mehr als eine Milliarde an Werbeeinnahmen und damit auch mehr als die Hälfte der Inserateeinnahmen pro Jahr verschwunden, so der Geschäftsführer des Verlegerverbandes. Damit habe man früher die journalistische Arbeit finanziert.

Obwohl gemäss Häuptli noch nie soviel Zeitung gelesen worden seien wie jetzt, seien diese durch den Strukturwandel bedroht. Deswegen habe die Stabilisierung der Zeitungslandschaft höchste Dringlichkeit und es müsse das primäre Ziel sein, um die Medienvielfalt langfristig zu sichern.

«Für die Verlage hat deshalb die geplante Erweiterung der indirekten Presseförderung für die gedruckten Zeitungen erste Priorität. Sie ist die breitenwirksamste Fördermassnahme, von der heute rund 140 und künftig gut 170 Publikationen profitieren.» 

Würde die Printförderung nicht ausgebaut, so Häuptlis Erkenntnis, habe das auch Auswirkungen auf das digitale Angebot. Der Journalismus werde noch immer grösstenteils über Print-Erträge finanziert. Verschwinden gedruckte Zeitungen, verschwinde auch das digitale Angebot, so der Geschäftsführer des Verbandes Schweizer Medien. Zwar boome die Online-Werbung jährlich in zweistelligen Prozentsätzen, aber nur ein geringer Teil gehe an die Verlagshäuser. Ungefähr 80 Prozent jedes neuen digitalen Werbefrankens fliesse zu den amerikanischen Technologieriesen wie Google, gibt der Verlegervetreter zu bedenken.

Unternehmerische Komponente hervorgehoben

Bei der Medienförderung sei eine Verhinderung von Marktverzerrungen wichtig, so der Autor. Es dürften nur Bundesgelder fliessen, wo professioneller Journalismus gewährleistet, die Medienvielfalt bereichert und ein nachhaltiges Geschäftsmodell mit Substanz vorhanden sei.

Sein Fazit: «Die Verleger stützen die klare Linie des Bundesrates. Bei der Print- und Online-Förderung sollen nur Publikationen förderberechtigt sein, die eine gewisse Mindestauflage und einen Mindestumsatz nachweisen können. Damit bauen die Fördermodelle auf dem unternehmerischen Erfolg auf.» Der Autor rät dem Parlament eine schnelle Lösung zu finden, ansonsten drohe für die Schweizer Medienindustrie der «Kahlschlag». (ma) 



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Kommentare

  • Victor Brunner, 07.09.2020 09:49 Uhr
    Häuptli: "Bei der Print- und Online-Förderung sollen nur Publikationen förderberechtigt sein, die eine gewisse Mindestauflage und einen Mindestumsatz nachweisen können". Häuptli soll verbindliche Zahlen nennen und nicht die heisse Kartoffel den Parlamenten überlassen, vorher soll er aber im VSM genaue Richtlinien zu versteckter Werbung, Publireportagen, etc., umsetzen. Grundsätzlich ist Presseförderung zutiefst undemokratisch, gerade bei der Meinungsbildung soll jeder selber entscheiden welches, oder welche Medien er da zu Hilfe nimmt und dafür bezahlen will. Steuergelder sind da fehl am Platz. Es kann auch nicht sein dass eine Zweiklassen-Gesellschaft unterstützt wird zwischen Bezahlmedien und Gratismedien, zwischen Leuten die gewillt sind für Leistung zu bezahlen und Trittbrettfahrern.
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