10.06.2012

"Auf einen Walliser wartet niemand."

Der 43-jährige Sportmoderator Rainer Maria Salzgeber gilt als einer der besten seines Fachs. Im Vorfeld der Fussballeuropameisterschaft äusserte er sich gegenüber "persoenlich" über die Weltmacht Fussball, aber auch über seine persönliche Beziehung zu Fifa-Präsident Sepp Blatter und die Frage, warum er nie zum neuen Pascal Zuberbühler wurde. Zum Interview:
"Auf einen Walliser wartet niemand."

Herr Salzgeber, Fussballmeisterschaft und Champions League sind vorbei. Aber auf die Fussballeuropameisterschaft scheint sich niemand so richtig zu freuen. Stimmt dieser Eindruck?

Da bin ich nicht ganz einverstanden. Ich auf jeden Fall freue mich riesig auf die EM. Es ist aber verständlich, dass nicht die gleiche Begeisterung aufkommen mag wie bei den letzten vier grossen Turnieren, als die Schweiz immer dabei gewesen ist. Ich gebe allerdings zu bedenken, dass vor grossen Turnieren die Skepsis mindestens so gross ist wie die Begeisterung. Das war in Portugal 2004 so, wie auch vor zwei Jahren in Südafrika. Das gehört irgendwie einfach dazu. Aber in der Schweiz herrschte vor

Inwiefern spielt es eine Rolle, dass die Schweiz dieses Jahr nicht an der EM vertreten ist?

Eine sehr grosse, ist es doch seit zehn Jahren zum ersten Mal, dass die Schweiz an einem grossen Turnier nicht mehr vertreten ist. Auch der Aufwand, welchen das Schweizer Fernsehen betreibt, ist deutlich kleiner als in anderen Jahren mit Schweizer Beteiligung. Die Sendungen werden trotzdem genau gleich professionell vorbereitet und über die Bühne gehen. Aber die Schweizer Nationalmannschaft als Lokomotive, die fehlt definitiv.

Verschiedentlich gab es Vorschläge, die Spiele wegen des Falles Timoschenko zu boykottieren oder kurzfristig in ein anderes Land zu verlegen.

Nur schon logistisch gesehen, ist eine solche Verlegung so kurzfristig wohl nicht mehr zu organisieren. Es ist allerdings nicht meine Aufgabe als Sportjournalist, darüber zu urteilen. Ich war noch nie in der Ukraine und kann deshalb kein fundiertes Urteil über die Situation abgeben. Das überlasse ich den Spezialisten. Was nicht heissen soll, dass ich die Augen vor der Situation verschliesse. Aber meine Hauptaufgabe besteht darin, die sportliche Seite der Euro zu kommentieren.

Welches war das beste Spiel, das Sie gesehen haben?

vor wenigen Wochen mit meiner Familie in Manchester beim Spiel zwischen City und United. Ein unvergessliches Erlebnis. Wenige Tage später habe ich meinen Sohn mit den Junioren E des FC Bassersdorf an ein Spiel begleitet, welches ich ebenfalls genossen habe. Die Freude am Spiel habe ich sowohl im grossen englischen Stadion als auch bei den Junioren gespürt, und das ist das Schöne am Spiel. Ein Lionel Messi, der Millionen verdient, freut sich auch heute noch wie einer meiner Junioren über ein Tor, über einen Sieg. Und das ist bei allen negativen Nebengeräuschen das Schöne am Fussball. Fussball ist und bleibt ein Spiel. Das ist die Essenz von diesem wunderbaren Sport, und deshalb muss man die negativen Begleiterscheinungen wie Doping, Wettskandale, Betrug usw. mit allen Mitteln bekämpfen.

Sie haben die Millionengehälter angesprochen. Zerstört sich der Fussball durch die horrende Verschuldung der Clubs schlussendlich nicht selbst?

Allenfalls kann man die Richtung bestimmen. Und da wünsche ich mir schon eine gewisse Rückbesinnung auf die Vernunft. Das Problem sind nicht die Millionen, die Messi verdient. Er ist sie allemal wert. Problematisch wird es, wenn mehr Geld ausgegeben als eingenommen wird, und das ist leider bei ganz vielen Clubs der Fall. Auch wird man immer wieder Leute finden, die mit ihrem Geld an der Spirale weiterdrehen. In England gibt es viele solcher Fälle.

Sie hatten im Wallis als Torhüter beim FC Raron selbst erste und zweite Liga gespielt. Hat Sie die grosse Fussballkarriere nie gereizt?

Doch, dies wäre mein Traum gewesen. Ehrlich gesagt, wäre ich lieber Nationaltorwart statt Fernsehreporter. Doch irgendwann musste ich einsehen, dass mein Talent für den ganz grossen Sprung nicht reicht.

Wie sind Sie dann zum Schweizer Fernsehen gekommen?

Auf einen Walliser wartet niemand. Dies war eine ganz wichtige Grunderkenntnis. Ich bin in einem wunderschönen, aber engen Tal aufgewachsen, in welchem die Berufsmöglichkeiten doch sehr beschränkt sind. Will man Karriere machen, muss man das Tal verlassen und vielleicht auch besser und hartnäckiger sein als die anderen. Das war bei Armin Walpen, bei Sepp Blatter, Sina oder auch bei Altbundesrat Pascal Couchepin der Fall. Auch Erich Burgener musste nach Lausanne, um sich schlussendlich durchzusetzen. Vielleicht ist dies unser Erfolgsprinzip. Als ich gesehen habe, dass das Schweizer Fernsehen Mitte der Neunzigerjahre ein Volontariat in der Sportredaktion ausgeschrieben hatte, liess ich mich nicht abwimmeln und habe x-mal angerufen, ob die Stelle noch frei sei. Wie Sie sehen, hat es geklappt (lacht).

Sie gelten als der bestverdienende Moderator des Schweizer Fernsehens. Wecken Sie damit nicht auch ein bisschen die Neider?

Völliger Blödsinn. Eine Zeitung hat dies vor einigen Jahren geschrieben und mit völlig falschen Zahlen operiert. Damals spürte ich zum ersten Mal, was es heisst, in einen Pressestrudel hineinzugeraten, gegen welchen man sich nicht wehren kann. Da ich verschiedentlich Grossanlässe wie die FIFA-Gala oder den Sportler des Jahres moderiere, entsteht gerne der Eindruck, dass ich jeden Abend auf der Bühne stehe. Doch dies ist definitiv falsch. Ich sage weitaus mehr Veranstaltungen ab, als ich zusage.

Anders gefragt: Haben Sie einen Manager?

(Lacht.) Nein. Wozu auch?

Das vollständige Interview von Matthias Ackeret lesen Sie in der aktuellen "persönlich"-Printausgabe.


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