17.07.2023

Hinter den Kulissen

Aus der Schaltzentrale vom «Club»

Sofiya Miroshnyk arbeitet seit eineinhalb Jahren in der Redaktion der SRF-Sendung «Club». Als Produzentin laufen bei ihr vor der Aufzeichnung alle Fäden zusammen. Den Ansprüchen gerecht zu werden, sei nicht immer leicht, sagt die 32-jährige Senkrechtstarterin.
Hinter den Kulissen: Aus der Schaltzentrale vom «Club»
Kurz vor der Sendungsaufzeichnung vom «Club»: Produzentin Sofiya Miroshnyk. (Bild: zVg)
von Michèle Widmer

Die «Club»-Aufzeichnung läuft, Moderatorin Barbara Lüthi begrüsst die Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Bildschirmen. Es ist die zweite Sendung im Juni, die sich dem Krieg in der Ukraine widmet. Diesmal lautet der Titel «Ukraine-Hilfe: Feige Schweiz?». Als Produzentin hauptverantwortlich für diese Ausgabe ist Sofiya Miroshnyk. Bei ihr liefen in den Tagen vor der Aufzeichnung alle Fäden zusammen. «Alles, was Barbara während einer Club-Sendung sagt, ist nachrecherchiert», sagt Miroshnyk wenige Tage nach der Ausstrahlung beim Gespräch in einem Café in Zürich.

Die Journalistin, die seit rund eineinhalb Jahren in einem 70-Prozent-Pensum in der «Club»-Redaktion arbeitet, hat eine strenge Woche hinter sich. Wer als «P» eingeteilt ist, wie sie den Produzentendienst nennt, «arbeitet eine Sechstagewoche in fünf Tagen». Der «R» (für Redaktion) ist für die Recherche sowie die Gespräche mit möglichen Diskussionspartnerinnen und -partnern verantwortlich. Im Zentrum steht ein Script, das alle Verantwortlichen im Laufe der Woche ergänzen. Im fünfköpfigen «Club»-Team von Moderatorin und Redaktionsleiterin Barbara Lüthi machen alle alles. Miroshnyk schätzt dies, weil es das Verständnis füreinander fördert, wie sie erklärt. Für ihre Kolleginnen und Kollegen hat die 32-Jährige viel Lob parat («wirklich ein A-Team»), genauso für die Chefin («Barbara hat wirklich ein Händchen für Menschen»).

«Wrap-up» zur Sendung

Immer am Mittwoch, am Tag nach der Ausstrahlung der Sendung auf SRF 1, findet die grosse Wochensitzung statt. Gestartet wird mit einem «Wrap-up», wie es Miroshnyk nennt. Die Crew blickt kurz zurück auf die Ausgabe vom Vortag. Der Fokus: Was lief gut? Was hätte man besser machen können? Die Einschaltquoten der aktuellen, aber auch bei anderen Ausgaben, zeigen ein eher tiefes Interesse beim jungen Publikum oder Menschen mittleren Alters. Nur 29’000 Menschen (Marktanteil 15,8 Prozent) zwischen 15 und 59 Jahren sahen die Ukraine-Ausgabe. Die Auswertung des Gesamtpublikums bringt etwas bessere Zahlen hervor: 102’000 Zuschauende mit einem Marktanteil von fast 25 Prozent.

«Ich möchte eine interessante und bereichernde Sendung produzieren. Egal ob für einen 65-Jährigen, der jede Woche einschaltet, oder eine 18-jährige Person, die noch nie etwas vom ‹Club› gehört hat», sagt Miroshnyk dazu. SRF versucht, wie alle anderen Medienhäuser auch, die junge Zielgruppe verstärkt auf Social Media abzuholen. Diese Sendungsausschnitte stellt die Redaktion nach der «Club»-Ausstrahlung bereit, zudem muss ein Artikel für den Onlineauftritt verfasst werden.

Die ersten Lebensjahre verbrachte Sofiya Miroshnyk in der Ukraine. Mit elf Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Bern. «Ich bin ein bisschen überall aufgewachsen», sagt die Journalistin zu ihren Wurzeln. Die längste Zeit habe sie im Kanton Bern, konkret in Steffisburg, gewohnt. Früh zog es sie für eine Lehre als Chemielaborantin (Fachrichtung Synthese) nach Zürich. Sie absolvierte nach kurzer Zeit im Job die Passerelle, um danach an der Universität Luzern Philosophie, Politik und Wirtschaft zu studieren. «Ich wollte etwas studieren, wodurch ich mehr von der Welt – das grosse Ganze – verstehe», sagt sie. Heute lebt Miroshnyk mit ihrem Partner mitten in Zürich. Das Wochenende verbringt sie häufig in Murten, wo ihre Mutter und ein noch kleines Geschwister leben.

Ihre ersten journalistischen Schritte machte Miroshnyk während des Studiums beim früheren Jugend-Onlinemagazin Tink.ch. Danach folgte ein Senkrechtstart. Sie bewarb sich bei der damaligen SRF-Sendung «Schawinski» für ein Praktikum. Das klappte zuerst nicht, wenig später schaffte sie aber über eine Mutterschaftsvertretung als Produzentin den Einstieg und erhielt später eine Festanstellung bei der «Arena». Hier blieb sie dreieinhalb Jahre und schloss berufsbegleitend ihr Bachelorstudium ab. Danach folgte ihr «Springerjahr», wie sie es selbst nennt: Der Wechsel zum damals neuen Blick TV, dann der Wechsel zur NZZ am Sonntag, wo sie das Forum aufbaute. Schliesslich kehrte sie zurück zu SRF – diesmal zum «Club».

Wie die Sendung entsteht

In der grossen «Club»-Redaktionssitzung steht hier die neue Woche und ein neues Thema an. Der P-Dienst hat ein sogenanntes Inputblatt mit möglichen Themen vorbereitet. Es gibt erste Diskussionen über die Besetzung der jeweils vier bis sechs Plätze in der Sendung. «Je nach Thema telefonieren wir im Laufe der Woche im Schnitt mit drei bis acht Leuten pro Position», sagt Miroshnyk, und ergänzt: Bei Leuten, die schon häufiger in der Sendung waren, würde zum Teil auch ein Anruf reichen. So entstünden langsam die Themenblöcke und die Sendung nehme Formen an.

Den «Club» mit diversen Stimmen zu besetzen, sei der Redaktion ein Anliegen, sagt sie. Doch den Ansprüchen gerecht zu werden, sei nicht immer leicht. «Wenn man sich die Kritik der Leute anhört, könnte man meinen, wir setzen uns am Tag der Sendung hin und würfeln», sagt Miroshnyk dazu. Im Gespräch ist spürbar: Sie nimmt die Kritik ernst, und sie trifft sie zum Teil persönlich. Sie sagt: «Wir sind offen für Kritik und fragen uns immer wieder, was wir besser hätten machen können». Aber die Tonalität habe sich verändert. Am meisten davon betroffen sei Barbara. «Es tut mir weh, zu sehen, was sie sich teils auf Social Media anhören muss», sagt Miroshnyk über ihre Chefin.

Als Moderatorin erhält Barbara Lüthi die Kritik, aber handkehrum auch die Lorbeeren, wenn etwas gut läuft. Für Miroshnyk stimmt diese Rolle. «Sobald man das Gesicht raushält, muss man auch alles nehmen können, was einem entgegenkommt», sagt sie. Sie schätze ihre Privatsphäre. Ob sie sich dennoch vorstellen kann, einmal vor der Kamera zu stehen? Vielleicht mit 50 Jahren. Dann sähe sie sich als Moderatorin der Sendung «Sternstunde Philosophie».



In der Serie «Hinter den Kulissen» stellt persoenlich.com Personen aus den Bereichen Medien, Werbung und Marketing ins Rampenlicht, deren Arbeit für die Öffentlichkeit ansonsten wenig sichtbar ist.
Dies ist der erste Teil der Serie.



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