Das Winterthurer "Stadtblatt" wird fast zwanzig Jahren nach der Gründung eingestellt. Dies hat der Verwaltungsrat des Verlags beschlossen, wie Verleger Guido Blumer am Montag in einem Communiqué bekannt gab. Die Einstellung erfolgt, nachdem sämtliche Versuche, mit anderen Unternehmen Partnerschaften einzugehen, im Sand verlaufen waren. Vergangenen Samstag schliesslich habe eine letzte mögliche tragfähige Kooperation im Nichts geendet.
Eine Rückkehr zum alten Modell mache deshalb keinen Sinn, weil es sich in den vergangenen Jahren als Sterben in Raten gezeigt habe, so Blumer. "Es ist keine Hoffnung geblieben, das Warten auf einen symbolischen Sechser im Lotto wäre leichtfertig und verantwortungslos."
Von der Schliessung des Verlags sind 12 fest angestellte Mitarbeiter betroffen, vier davon in der Redaktion. "Ich werde nun versuchen, für möglichst viele Mitarbeiter eine Stelle bei anderen Verlagsunternehmen zu finden", so Blumer auf Anfrage von "persoenlich.com". Zugleich verlieren die rund 50 freien Autoren mit der Einstellung des "Stadtblatts" ein Forum.
Das "Stadtblatt" entstand ursprünglich aus der Arbeiterbewegung und kämpfte früher gegen das freisinnige "Neue Winterthurer Tagblatt" und den demokratischen "Landboten". Seit Anfang 2007 erschien es als Gratiszeitung am Sonntag. Seither sei leider nur "fast alles" gut gelaufen, erklärt Blumer. Seinen Angaben zufolge hatte das Modell zwar durchaus Erfolg: Die textlastige Wochenzeitung habe in kurzer Zeit über 1'000 Abonennten gefunden, obwohl alle 48'000 Winterthurer Briefkästen gratis bedient worden seien.
Anzeigenseitig habe habe man das Budgetziel fast erreicht. Allerdings seien die Zugewinne im nationalen Werbemarkt bloss ein Bruchteil dessen, was Spezialisten an möglichem Umsatz diagnostiziert hatten. "Diese Diskrepanz ist durch nichts aufzufangen", so Blumer weiter. Zuletzt ging dem Verlag das Geld aus. Trotz der Einstellung der Zeitung bleibt Blumer von seinem Modell überzeugt: "Wir glauben noch immer daran, dass sich der Erfolg innert zweier Jahre eingestellt hätte."

