In den letzten Wochen sind in einem Teil der Medien gegenüber der SRG SSR und auch gegenüber Ihrer Person schwere Vorwürfe formuliert worden. Hat Sie das auch persönlich getroffen?
Ja, das hat mich getroffen und verletzt.
Und wie gehen Sie damit um?
Auf der persönlichen Ebene mit Gesprächen, vor allem mit meiner Frau, mit vielen Spaziergängen. Ich habe versucht, die persönlichen Verletzungen für mich zu verarbeiten. Ich habe mich immer wieder gefragt, habe ich etwas falsch gemacht. Aber ich muss gestehen: In dieser Form war das für mich eine neue, schlimme Erfahrung.
Ihr stellvertretender Generaldirektor, Herr Eckmann, hat das als Kampagne bezeichnet. Würden Sie das auch so formulieren?
Absolut. Die Gründe indessen sind mannigfaltig. Es hat sicher mit Personen zu tun, mit welchen ich in früheren Zeiten Auseinandersetzungen gehabt habe, welche mir gegenüber sehr kritisch eingestellt sind, die die Medien mit wenn auch falschen Details versorgt haben und sich selbstverständlich auch nicht geoutet haben, dirty communication eben. Es hat sicher auch mit der anstehenden Beratung des RTVG zu tun. Und was diese widerliche Blick-Kampagne angeht, hat das sicher auch damit zu tun, dass der Blick mit seiner sinkenden Auflage unter Druck steht.
Auffallend ist doch auch der Zeitpunkt, in welchem das Departement Leuenberger diese Finanzkontrolle angekündigt hat. Und dass Leuenberger betont, die habe nichts mit der Spesenpraxis in der SRG zu tun, sein Sprecher Oswald Sigg dann aber genau das Gegenteil sagt. Ob und warum Oswald Sigg das gesagt hat, müssen Sie beim Departement nachfragen. Sicher ist: bei den Gesprächen, die wir mit dem Departement vor der Bekanntgabe dieser Abklärung übrigens mit Einverständnis der SRG geführt haben, haben meine Spesen nie eine Rolle gespielt.
In Ihrem Brief an die MitarbeiterInnen der SRG SSR kommentieren Sie die Medienberichte und folgern: «Warum das Ganze? Was steht dahinter? Ich kann diese Frage nicht beantworten». Haben Sie keine Analyse gemacht?
Es war der letzte Moment, um noch auf das RTVG Einfluss zu nehmen, deshalb kurz vor der Ständeratsdebatte. Man versucht den CEO zu desavouieren, um damit auch das Unternehmen zu schwächen. Mit dem Vorwurf des «aggressiven Lobbyisten» ist versucht worden, meine Wirksamkeit zu neutralisieren. Allgemein aufgefallen ist mir, dass ein Journalist dem anderen abschreibt und sich kaum jemand die Mühe nimmt zu recherchieren, wie ich die Interessen der SRG SSR vertreten habe, mit welchen Ständeräten ich gesprochen habe, ob die Ständeräte diese Lobbyarbeit als ungebührlich empfunden haben. Es wurde nicht gefragt, wie die anderen Kreise lobbyiert haben beispielsweise Telesuisse mit ihrem Ständerat Lombardi, der nicht nur Präsident von Telesuisse ist, sondern auch Inhaber von Tele Ticino. Und auch die Einflussnahme anderer Organisationen und Einzelpersonen wurde kaum thematisiert. Für mich der Gipfel der Absurdität: Wenn uns die NZZ am Sonntag als Frechheit vorwirft, dass wir den Ständeräten auf fünf Seiten die Position der SRG zum RTVG mitgeteilt haben!
Als Generaldirektor des Medienunternehmens SRG müssen Sie doch die Medien- und Kontrollfunktion der Medien anerkennen? Finden Sie die Kritik denn sachlich falsch?
Natürlich muss ich diese Funktion anerkennen, das ist keine Frage. Nicht alles war unsachlich und falsch. Probleme hatte und habe ich mit den Angriffen auf der persönlichen Ebene, dort wo es um meine Integrität ging, wo man mit Unwahrheiten, Halbwahrheiten, Auslassungen und Ungenauigkeiten gearbeitet hat. Aber zurück zu Ihrer Frage: Selbstverständlich muss die Rolle der SRG diskutiert werden, muss diskutiert werden können, ob das Gebührensplitting für die SRG gut oder schlecht ist, was die SRG darf und was nicht, selbstverständlich muss gefragt werden können, ob die SRG ihr Geld wirtschaftlich ausgibt. Da habe ich keine Probleme.
Sie sind offensichtlich aufgebracht. Wäre es nicht möglich, gelassener zu reagieren auf einige Artikel in einem Teil der deutschschweizer Medien? Oder befürchten Sie einen Flurschaden im politischen Bereich?
Ich glaube unterscheiden zu können, was kritischer, sauberer Journalismus ist und wo die Gürtellinie beginnt. Ein Beispiel für sauberen Journalismus: Ich hatte ein langes Gespräch mit Rainer Stadler von der NZZ, er hat sich dann äusserst kritisch zu unseren Internetaktivitäten geäussert. Aber es war auf der Sachebene und korrekt. Aber zu Ihrer Frage: Ich weiss nicht, ob wir heftig reagiert haben. Ich glaube aber schon, dass die SRG SSR in den letzten Tagen in Mitleidenschaft gezogen worden ist, und wir dürfen das nicht unterschätzen. Kurzfristig können Sie gegenüber solchen Kampagnen kaum etwas ausrichten, aber mittel- und langfristig müssen wir analysieren und darauf reagieren.
Haben Sie denn vom Bundesrat genügend Rückendeckung erhalten?
Es geht nicht um mich persönlich. Entscheidend ist, wie die SRG von Leuenberger beurteilt wird. Und ich bin absolut sicher, dass er überzeugt ist, dass es ein Unternehmen wie die SRG SSR für dieses Land braucht. In diesem Sinne würde ich Ihre Frage mit Ja beantworten.

