25.07.2013

Zeitschriften

Bei provokativen Titelseiten klingeln die Kassen

Pontifex-Cover des "Time-Magazins" löst gleichzeitig Schmunzeln und Empörung aus.
Zeitschriften: Bei provokativen Titelseiten klingeln die Kassen

In der vergangenen Woche sorgte das US-amerikanische "Rolling Stone"-Magazin mit seinem Titebild, auf dem der Boston-Bomber Zarnajev wie ein Rockstar anmutet (persoenlich.com berichtete), für Aufsehen.

Wie "Ad Age" schreibt, lohnen sich solche Covers. Die Zeitschriften profitierten aus finanzieller Sicht vom Spiel mit provokativen Titelseiten. So habe auch "Bloomberg Businessweek" aus dem Cover mit den phallusartigen Pfeilen in Bezug auf den Verlauf von Hedge Fonds (vgl. unten), Profit geschlagen. Eine weitere Titelgeschichte über die Fusion zweier Fluggesellschaften, die symbolisch mit zwei Flugzeugen, die vermeintlich miteinander Sex haben, illustriert war, konnte die Kioskverkäufe um 35 Prozent steigern. 30 Prozent mehr Verkäufe konnte ausserdem eine Ausgabe des "Bloomberg Businessweek" generieren, auf deren Umschlag ein dürftig bekleidetes Model abgebildet war.


Alec Casey von "Bloomberg Businessweek" bestätigt, dass die etwas "lebhafteren Titelseiten" der letzten zwei Jahre für durchschnittlich 70 Prozent mehr Kioskverkäufe gesorgt hatten.

Auch "Newsweek" erntete im vergangen Jahr sowohl Kritik, als auch höhere Einnahmen mit der Titelgeschichte zu US-Präsident Barack Obama und der zum Rücktritt auffordernden Überschrift "Hit the road, Barack".

Anders erging es dem "Rolling Stone": Einige der relevanten Absatzkanäle in New England weigerten sich, die Ausgabe des Magazins mit dem Abbild des Massenmörders zu verkaufen und forderten zudem weitere Geschäfte des Landes wie Walmart oder Seven Eleven auf, ihrem Beispiel zu folgen.

Doch insgesamt zeigen diese Beispiele, dass die Magazine mit "fragwürdigen" Titelbildern auch trotz Verkaufs-Verweigerung auf reges Interesse stossen und in finanzieller Hinsicht profitieren. Dies war auch der Fall beim "Time-Magazine", welches auf der Vorderseite eine Frau abbildete, die ihren fünf Jahre alten Sohn fütterte und aufgrund der doch sehr provokativen Illustration von Wallmart wieder aus den Verkaufsregalen zurückgezogen wurde.

Doch mit dieser Aktion der Supermarktkette wurde der Traffic auf der Online-Ausgabe der Zeitschrift angekurbelt – ein Nutzen, den nun auch das "Rolling Stone"-Magazine aus der umstrittenen Ausgabe ziehen wird, wie "Ad Age" prognostiziert.

Ein weiterer Titel des "Time-Magazins", der Schmunzeln und Empörung gleichzeitig auslöste, ist jener der vorletzten Ausgabe: Darauf ist Papst Franziskus mit Teufelshörnern abgebildet. Das Foto des Pontifex ist so platziert worden, dass die Spitzen des Buchstaben M des "Time"-Namenszugs über den Kopf des Papstes prangen - ob Absicht oder Zufall bleibt dahingestellt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" vom Mittwoch berichtet, schweigt "Time" bisher dazu.

Der Herausgeber des "Time-Magazins", Richard Stengel, sagte zu "Ad Age", dass es bei dieser Art der Titelgestaltung, nicht um das Lechzen nach Aufmerksamkeit gehe, sondern vielmehr darum, den Zeitgeist zu treffen. (lf)

 


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