20.03.2012

Regula Stämpfli

Belgienartikel empört

Entzug der Journalisten-Akkreditierung gefordert.

Die Politologin Regula Stämpfli hat in der Schweiz schon manchen Gegner verärgert. Nun sorgt die Bernerin, die ihren Zweitwohnsitz in Brüssel hat, auch im Gastgeberland für Aufruhr. Wenige Stunden nach dem Walliser Busunglück postete sie letzte Woche unter dem Titel "Belgisation: weshalb Unglücke auch politisch sind" einen Artikel auf der Website news.ch. Eigentlich wollte sie sich vor allem dagegen wehren, dass Verkehrsunglücke wie dasjenige in Sierre einfach "menschlichem Versagen" zugeordnet werden. Für sie ist nicht in erster Linie der Fahrer schuld, sondern das System. Ein System, das "Busfahrer nicht bezahlt, deren Ruhezeiten nicht kontrolliert und deren Gefährt je nach korrupten Beziehungen, nie auf verkehrstechnisch gutem Stand hält". Für besondere Empörung sorgen jedoch andere Textstellen, die mit dem belgischen System der Busfahrer herzlich wenig zu tun haben.

Stämpfli fragt sich, wie es möglich sei, dass Belgien seit anderthalb Jahre keine gewählte Regierung gehabt hat. "Jeder normale Menschenverstand schreit hier: Aua. Wie geht das?" In Brüssel mache die Stadtplanung alles falsch, was man falsch machen könne. Damit nicht genug. Belgien sei ein Land "in welchem alles möglich ist und nie auch nur ein einziger Verantwortlicher seine Strafe absitzen muss". Ein Land, aus dem nichts wirklich Gutes kommen könne "ausser der Schokolade, Moules et Frites sowie ein gewisser surrealer Humor." Auch einen Seitenhieb auf die Affäre des Kinderschänders Dutroux fehlt nicht.

Die Internet-Website des französischsprachigen belgischen Radios und Fernsehens, rtbr.be, hat für solche Aussagen kein Verständnis: "Einen tragischen Unfall dafür zu benutzen, all seinen Hass auf ein Land abzuladen, ist schändlich, grotesk und unmoralisch."

Auf Facebook gibt es laut 20min.ch bereits eine rasant wachsende Anti-Stämpfli-Seite mit mehr als 300 Mitgliedern - auch aus der Schweiz. Und es zirkuliert eine Online-Petition, die fordert, Stämpfli die Akkreditierung als Journalistin zu entziehen. Wer über Google versucht, auf ihre Homepage zu gelangen, stösst auf eine Fehlermeldung. Stämpfli war für "20 Minuten Online" und auch für persoenlich.com nicht zu erreichen. Wie Stämpfli auf Facebook schreibt, quillt ihre Mailbox derzeit jedoch über von Reaktionen. (cb)