01.04.2011

"Frankfurter Rundschau"

Berliner Mantel und Kündigungen

Journalistenverband spricht von "schwarzem Freitag".

Die traditionsreiche linksliberale Tageszeitung "Frankfurter Rundschau" wird künftig in wesentlichen Teilen in Berlin gemacht. Von den rund 190 Stellen in der Frankfurter Redaktion entfallen 44. Zunächst soll sogar 88 Mitarbeiter gekündigt werden. Über diese dramatische Reaktion auf das andauernde Millionendefizit des Blattes informierte das Medienhaus M. DuMont Schauberg (MDS) die Mitarbeiter am Freitag. Verleger Alfred Neven DuMont äusserte sich bedauernd über die schmerzhaften Einschnitte, betonte aber: "Anders ist die Existenz der Zeitung nicht zu sichern."

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sprach von einem "schwarzen Freitag", die schlimmsten Befürchtungen seien bestätigt worden. "Die "Frankfurter Rundschau" wird zur Lokalausgabe der "Berliner Zeitung" degradiert", kritisierte DJV-Chef Michael Konken. Nach Angaben von Franz Sommerfeld aus der MDS-Geschäftsleitung hat die Zeitung 2010 rund 19 Millionen Euro Defizit gemacht. "Mit diesen Massnahmen wollen wir bis 2013 aus den roten Zahlen sein." Der Verlag hält seit rund fünf Jahren die knappe Mehrheit an der Zeitung, die SPD-Medienholding DDVG 40 Prozent.

Sommerfeld unterstrich: "Es ist keine Übernahme durch Berlin. Wir werden die "FR" als eigenständige Zeitung im Markt erhalten." In Frankfurt sollen vor allem noch die Lokalredaktionen bleiben. Zugleich werden dort alle überregionalen digitalen Inhalte für die "Berliner Zeitung" und die "Frankfurter Rundschau" hergestellt. Voraussichtlich von Sommer an werden die überregionalen Mantelseiten in Berlin produziert. Zu den rund 120 Redaktoren in der Hauptstadt werden 20 Kollegen aus Frankfurt hinzukommen und gemeinsam zwei unterschiedliche Mantelteile erstellen.

Gemeinsame Chefredaktion

Die Ressortleitungen würden doppelt besetzt mit Vertretern aus beiden Häusern. Neven DuMont betont: "Das, was die "Frankfurter Rundschau" in Ton und Meinung auszeichnet, bleibt auch unter diesen Bedingungen erhalten." Ausserdem ist eine gemeinsame Chefredaktion beider Titel geplant mit Uwe Vorkötter an der Spitze. Die "Frankfurter Rundschau" befindet sich seit rund zehn Jahren in der Krise. Die verkaufte Auflage sank auf knapp 130'000 Exemplare - vor zehn Jahren waren es noch mehr als 190'000. Seit Jahren verzichten die Mitarbeiter auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld. 2007 wurde auf das kleine Tabloid-Format umgestellt. (sda)


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