17.04.2012

"WOZ"

Besuchte Jungen des "Weltwoche"-Cover

Carlos Hanimann im Kurzinterview.

Die "Weltwoche" musste wegen der Verwendung des "Roma-Bilds" als Zeitungscover viel Kritik einstecken. "WOZ"-Redaktor Carlos Hanimann und Fotograf Fabian Biasio nahmen das Bild zum Anlass einer Reise in den Kosovo. Die beiden besuchten den mittlerweile bekannten Roma-Jungen Mentor M. in seiner Heimat Gjakova. Sie wollten herausfinden, was hinter dem Bild steckt und wie sich die Situation der Roma in Gjakova gestaltet. Die ungekürzte Reportage mit dem Titel "Die Wahrheit hinter der Schlagzeile" wird am 19. April in der "WOZ" erscheinen. Persoenlich.com fragte Carlos Hanimann, inwiefern seine Reportage zur Diskussion beiträgt, und sprach mit ihm über die Bedenken, dass die Reportage den Rummel um Mentor M. weiter befördern wird und die Entstehung eines zweiten Bildes, das den nunmehr achtjährigen Jungen nicht mehr mit einer Spielzeugpistole, sondern mit der umstrittenen "Weltwoche"-Ausgabe in den Händen darstellt. Das Interview:

Herr Hanimann, was haben Sie bei der Familie von Mentor M. in der Roma-Siedlung vor Gjakova herausgefunden, das zur Diskussion um die Verwendung des Bilds in der "Weltwoche" beiträgt?

Der Fotograf Fabian Biasio hatte die Idee, weil er Kontakt zu Livio Mancini hatte, dem italienischen Fotografen, der das Bild mit der Spielzeugpistole gemacht hat. Fabian Biasio beschäftigt sich schon seit über zehn Jahren mit dem Kosovo und hat immer wieder herausragende Fotoreportagen gemacht. Er hat die WOZ kontaktiert. Dann sind wir letzten Freitag nach Gjakova gereist, um das Leben der Familie M. zu beschreiben. Wir waren zwei Tage lang bei ihnen. Sie führten uns durch die Siedlung und stellten uns ihre Verwandten vor. Wir wollten wissen: Wie leben sie? Wovon leben sie? Was halten sie vom Titelbild der "Weltwoche"? Wir wollten nicht über Roma diskutieren, sondern mit ihnen. Damit zeigen wir eine Wahrheit, die in der gängigen Roma-Diskussion kaum beleuchtet wird.

Mit Ihrem Artikel steigern Sie den Rummel um ein Kind, dessen Instrumentalisierung durch die Weltwoche Sie kritisieren. Haben Sie dieses Faktum beim Entscheid für die Reportage berücksichtigt?

Eines vorweg: Den Rummel losgetreten hat die "Weltwoche". Sie hat den Jungen mit der Spielzeugpistole gezeigt, den umstrittenen Titel gesetzt und verschiedene Polizeimeldungen abgeschrieben. Wir haben bloss journalistisch darauf reagiert. Die Familie kann sich in unserer Reportage wehren. Das mag den Rummel vergrössern, das haben wir auch den lokalen Caritas-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern gesagt. Deshalb haben sie die Familie vor unserem Besuch informiert und gefragt, ob sie damit einverstanden sei, dass wir sie besuchen. Wir haben Mentors Vater erklärt, worum es uns geht. Er fand das gut. Und er dankte uns sogar dafür.

Wie kam es zu Ihrem Bild von Mentor M.?

Am Freitag haben wir Mentors Familie die Weltwoche gegeben. Danach haben wir ihn gebeten, für ein Foto zu posieren.

Denken Sie, Ihre Zeitung wird sich mit diesem Artikel nun besonders gut verkaufen?

Unser Ziel ist guter Journalismus. Offenbar honorieren das unsere Leserinnen und Leser: Die WOZ verkauft sich seit Jahren immer besser.

Interview: Benedict Neff, Bild: Fabian Biasio (WOZ).


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