05.12.2010

wikileaks.ch

Bis zu 2'000 Anfragen pro Sekunde

US-Botschafter warnt Schweiz, Wikileaks-Chef Julian Assange aufzunehmen.

Die neu in die Schweiz angesiedelte Enthüllungsplattform Wikileaks hat enorme Zugriffszahlen, wie die Zeitung "Sonntag" berichtet. Pro Sekunde gibt es auf allen 10 Nameservern bis zu 2'000 Anfragen, wie der Präsident der Piratenpartei Schweiz (PPS), Denis Simonet, bestätigt. Die Server würden underdessen bei 5 Providern stehen. Konkrete Hacker-Attacken seien bisher nicht festgestellt worden. Auf den Inhalt der Seite habe die Piratenpartei keinen Einfluss, so Simonet weiter. Man biete Wikileaks-Gründer Julian Assange lediglich eine Hilfeleistung bei der Weiterleitung. Die Domain wikileaks.ch gehört jedoch der Piratenpartei.

Erstmals äussert sich zudem der amerikanische Botschafter in Bern zur Wikileaks-Affäre. Donald Beyer betont, dass das gute Verhältnis zwischen den USA und der Schweiz sei nicht gefährdet sei. "Es kam in der Schweiz praktisch nichts zum Vorschein, das peinlich wäre. In anderen Ländern der Welt ist das schwieriger", sagt er. Beyer distanziert sich auch von den Aussagen seines Vorgängers Peter Coneway, der gemäss den von Wikileaks veröffentlichten Depeschen die Schweiz als "frustrierende Alpendemokratie" bezeichnete.

Heftige Kritik übt Beyer an Wikileaks-Gründer Julian Assange. "Seine Lecks sind ein Risiko für viele, viele Menschen." Assange hatte Anfang November angekündigt, die Schweiz möglicherweise um Asyl zu ersuchen. Er sei nur in der Schweiz, in Kuba und Island sicher. Politiker sind bereit, ihn aufzunehmen. "Assange soll Asyl bekommen", fordert Juso-Präsident Cédric Wermuth gegenüber dem "Sonntag". "Die Schweiz soll ihm Schutz bieten", sagt auch der grüne Nationalrat Bastien Girod. US-Botschafter Beyer mahnt die Schweiz indes zu Vorsicht. "Die Schweiz wird sehr sorgfältig überlegen müssen, ob sie jemanden, der vor der Justiz flüchtet, Unterschlupf gewähren möchte". Beyer verweist darauf, dass gegen Assange in Schweden ein Haftbefehl erlassen worden sei und er auf der Interpol-Liste stehe - wegen des Verdachts auf Vergewaltigung.

Der frühere Schweizer Geheimdienstchef Peter Regli sieht aber WikiLeaks-Gründer Julian Assange in ernsthafter Gefahr: "Ich wäre nicht überrascht, wenn er plötzlich Opfer eines Autounfalls, von einem U-Bahnsteig auf die Geleise stürzen oder an einem 'Herzinfarkt' sterben würde", so Regli. Und weiter: "Im heutigen Russland würde er durch Unbekannte ganz einfach beim Verlassen des Hauses umgebracht." Assange sei "permanent auf der Flucht".

Regli, der von 1991 bis 1999 Direktor des Schweizer Nachrichtendienstes war, bezeichnet Assange zudem als "verantwortungslosen, mediensüchtigen, in sich selbstverliebten Egomanen, der einen sehr tiefen Hass gegen die USA haben muss". Assanges Enthüllungsplattform WikiLeaks werde die Arbeit der Nachrichtendienste insofern verändern, als man sich "über die Sicherheit von Netzwerken, über den Zugang und die Verschlüsselung sowie über die verschiedenen Stufen der Geheimhaltung unterhalten müsse".


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