Sie versprechen eine "echte Exklusivität auf dem Schweizer Medienmarkt", obschon es bereits zahlreiche Männermagazine gibt. Wie verträgt sich das?
Es gibt zur Zeit kein Schweizer Männermagazin, das auf Style spezialisiert ist. Ausländische Hefte wie GQ oder Men?s Health wiederum vermitteln ein zu klischiertes Männerbild: Rammelwütige, golfspielende Zigarrenraucher. Das ist zu eindimensional, Männer sind mehr als das. Unsere Abklärungen haben gezeigt, dass viele Leser mehr Intellektuelles wünschen. Deshalb soll beispielsweise Erotik bei uns nicht als Striptease auf Hochglanz stattfinden, sondern als Lesegeschichte. Unser Zielpublikum sind junge Gentlemen, die über gewisse Möglichkeiten verfügen. Wir wollen eine neue Sichtweise auf den Wohlstand vermitteln, jenseits von beruflichem Hintergrund oder sexueller Orientierung. Denn wir stellen hier ganz eindeutig ein Verblassen der Trennlinien fest.
Welche Inhalte sind sonst noch zu erwarten?
Unsere Themen drehen sich um die Welt von Mode, Style und Design -- für Männer oft ein Buch mit sieben Siegeln. Mein persönlicher Anspruch ist es, die Angst vor Kleidung und Stil zu nehmen, indem wir Trends aufzeigen und Anleitungen zur praktischen Umsetzung geben. Jede Ausgabe wird einen inhaltlichen Schwerpunkt haben, der Kernfragen von Männern umfasst und zu dem freie Journalisten Beiträge verfassen. In der ersten Ausgabe wird dies das Thema "Helden" sein: kanonisierte Helden, Alltagshelden etc. Hinzu kommen selbstverständlich verschiedene Modestrecken. Im Gegensatz zu all den Lifestyleheftchen für Berufsjugendliche nehmen wir da nicht einfach, was gerade kostenlos angeboten wird. Vielmehr wollen wir die volle redaktionelle Kontrolle auch über diese Heftteile behalten und für gute Arbeit auch Honorare bezahlen.
Bolero ist im Schweizer Markt gut verankert. Wird es auch bei BO einen solchen Zugang geben?
BO entsteht im hiesigen Kontext, das wird das Magazin prägen. Der Schweizer Markt ist jedoch zu heterogen, als dass wir ihm eine eigene Rubrik einrichten wollten. Vielmehr werden wir das lokale Geschehen in die internationale Berichterstattung integrieren. Überhaupt wird sich der Bezug zu Bolero in Grenzen halten: "BO. Bolero für Männer". Format, Papier und Gestaltung werden sich vom Stammtitel unterscheiden. Aber auch inhaltlich stellen wir fest, dass sich der Lesermarkt in einer anderen Situation befindet: Während es bei den Frauentiteln eine Sättigung gibt, klafft bei den Männern eine Brache. Männermode ist eine Art Ghetto, das nirgends richtig abgedeckt wird.
Wer arbeitet ausser Ihnen am Magazin mit?
Es gibt keine festen Anstellungen, nur Mandate: Bolero-Verlagsleiterin Nicole Schweizer ist Produktmanagerin, Ulrike Beling und Nina Thoenen sind für das Layout verantwortlich. Die Chefredaktion hat das Bolero inne. BO wird mit Bolero aber in intensivem redaktionellen Kontakt stehen.
Auf dem Anzeigenmarkt wird es enger. Befürchten Sie nicht, dass BO Bolero kannibalisiert?
Nein. Unsere Abklärungen haben ergeben, dass BO vielmehr eine Ergänzung zu Bolero darstellt. Die Anzeigenkunden haben jedenfalls sehr positiv reagiert. Im Segment der Männermagazine besteht ganz klar eine Lücke. Da macht es Sinn, wenn der Bolero Zeitschriftenverlag von der Kernkompetenz seines Titels profitiert und eine weitere Türe aufstösst.
Der Bolero Zeitschriftenverlag plant für 2003 neben BO weitere Sonderheft. Der Zeitpunkt erstaunt...
Natürlich spürt auch der Bolero-Verlag die Konjunkturflaute etwas. Es macht jetzt besonders Sinn offensiv aufzutreten. Zumal das für Januar geplante Heft zu Ästhetik/Beauty sowie die Designausgabe im Herbst -- eine Kooperation mit Das Ideale Heim -- eindeutig ein grosses Potential aufweisen.

