Der britische Premierminister David Cameron hat eine Untersuchung des Abhörskandals bei der Boulevard-Zeitung "News of the World" gefordert. Zunächst müsse die Polizei aber ihre Ermittlungen zu den "abscheulichen" Vorwürfen abschliessen, sagte Cameron am Mittwoch. Es gehe bei dem Abhörskandal "nicht mehr nur um Politiker und Prominente", sagte Cameron bei einer Sondersitzung des britischen Unterhauses weiter. Möglicherweise seien auch die Handys von Mord- und Terroropfern geknackt und abgehört worden.
Im Mittelpunkt des Abhörskandals steht die zum Murdoch-Konzern News International gehörende "News of the World". Das Blatt soll die Telefone von Prominenten wie beispielsweise Sienna Miller und Mitgliedern des Königshauses angezapft haben, um so an Storys über ihr Privatleben zu kommen. Die Affäre beschäftigt Grossbritannien seit Jahren, wegen der illegalen Aktionen wurden 2007 bereits ein Journalist und ein Privatermittler verurteilt. In den vergangenen Tagen kamen neue Einzelheiten ans Tageslicht. Journalisten der Zeitung könnten demnach auch Telefongespräche von Angehörigen der Opfer der Terroranschläge auf die Londoner U-Bahn 2005 abgehört haben. Graham Foulkes, dessen Sohn David bei den Anschlägen ums Leben kam, sagte der BBC, die Vorstellung, dass seine Anrufe mitgehört worden seien, sei "einfach entsetzlich". Nach Polizeiangaben könnten auch die Handys der Eltern von zwei im Jahr 2002 in Ostengland ermordeten zehnjährigen Mädchen geknackt worden sein.
Mailbox von 13-Jähriger abgehört
Zuvor war bereits bekannt geworden, dass im Auftrag der Zeitung 2002 auch das Handy eines verschwundenen und später ermordeten Mädchens geknackt wurde. Journalisten des Blattes hörten die Mailbox der 13-jährigen Milly ab, auf der Eltern und Verwandte immer verzweifeltere Nachrichten hinterliessen. Als die Mailbox voll war, sollen die Journalisten sogar einige Nachrichten gelöscht haben, um Platz für neue zu schaffen. Die Eltern und die Polizei hatten dies damals als Zeichen gewertet, dass das verschwundene Mädchen noch am Leben sei. Die Leiche der 13-Jährigen wurde sechs Monate später in einem Wald gefunden.
Murdoch verspricht Zusammenarbeit
In einer ersten Reaktion auf den Abhörskandal bezeichnete Medienmogul Rupert Murdoch die Vorwürfe als "bedauerlich und nicht akzeptabel". Seine Firma werde bei den Ermittlungen "vollständig und proaktiv" mit der Polizei zusammenarbeiten. Die oppositionelle Labour-Partei forderte inzwischen den Rücktritt der Chefin von News International, Rebekah Brooks. Sie war zur Zeit der Abhöraktionen Chefredakteurin bei "News of the World".

