06.07.2001

Radio Grischa

Bündner Landeskirchen unzufrieden mit Privatradio

Kirchenmagazin gekippt - Programmchef posiert als Beichtvater.

Die Bündner Landeskirchen sind unzufrieden mit der Privatstation Radio Grischa in Chur. Der Sender kippt das Kirchenmagazin "Campanile" aus dem Programm, was den Chefredaktor nicht hindert, zu Werbezwecken als Beichtvater zu posieren. Es sei "eher ein Zufall", dass die Plakataktion mit ihm als Priester im Beichtstuhl zeitlich zusammen falle mit der Absetzung des sonntäglichen Kirchenmagazins "Campanile", sagte Programmleiter Marcel Melcher am Freitag auf Anfrage. Die Werbung soll laut Definition des Programmchefs vermitteln, dass der Sender in allen Lebenslagen unterhält. Das Kirchenmagazin, das sonntags zwischen 8.40 und 8.50 Uhr gesendet wird, will er aber Ende August definitiv einstellen.

Hörerschwund stoppen

Als Grund gibt Melcher eine "weitere Professionalisierung des Programms" an. Vergleiche hätten gezeigt, dass Radio Grischa am Sonntagmorgen mehr Hörerinnen und Hörer verliere als andere Privatstationen. Die Abwärtsbewegung stoppen und Marktanteile gewinnen will der Radiochef mit einer Fokussierung auf das Kernpublikum der 18- bis 49-Jährigen auch am Sonntagmorgen. Die Kundschaft soll die vertraute Kost der Wochentage zu hören bekommen: "Hits aus den achtziger und neunziger Jahren", so Melcher.

'Total auf Kommerz'

Reinhard Kramm, Chefredaktor des Bündner Kirchenboten, bedauert diese Ausrichtung "total auf Kommerz", wie er der Nachrichtenagentur sda erklärte. Es gebe ja nicht nur 18- bis 19-jährige Bündnerinnen und Bündner, die dauernd Hits hören wollten. Radio Grischa hat nach Einschätzung Kramms wegen seiner Monopolstellung als Bündner Privatsender eine Art Service public zu erfüllen. Programmchef Melcher sieht das völlig anders und ein Kirchenmagazin beim Gebührensender Radio DRS am richtigen Platz.

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