Vor rund einem Jahr wurde bekannt, dass der "Weltwoche"-Redaktor Urs Paul Engeler in absehbarer Zeit in den Ruhestand treten würde. Dies konnte Engeler, der als gnadenloser Journalist gilt, jedoch nicht in die Tat umsetzen – sein Nachfolger nahm den Hut, bevor er die neue Stelle überhaupt richtig angetreten hatte (persoenlich.com berichtete).
Spätestens seit Donnerstag ist nun gewiss, dass der Bundeshaus-Korrespondent seinen Job bei der umstrittenen Wochenzeitung definitiv aufgibt.
Chefredaktor und Verleger Roger Köppel widmet dem "unersetzbaren" Urs Paul Engeler in der aktuellen Ausgabe der "Weltwoche" das gesamte Editorial und lässt auf den beiden Folgeseiten Persönlichkeiten aus Politik und Medien zur Person Engeler zu Wort kommen.
Köppel ist voll des Lobes für seinen scheidenden Kollegen. Er bezeichnet dessen Sprache als "präzis, geschliffen, aber federnd humorvoll, ironisch, von geradezu dürrenmattschem Witz“. Weiter tituliert Köppel Engeler als genialen, ja gar als "bedeutendsten Journalisten der Schweizer Nachkriegsära." Zu den Eigenschaften des Thurgauers gehöre der Wille "unabhängig zu bleiben, den Mehrheiten zu misstrauen" sowie sein "torgefährlicher Mittelstürmerjournalismus". Köppel zeigt sich dankbar für das Engagement des 62-Jährigen und hofft auf den einen oder anderen weiteren journalistischen Beitrag in der "Weltwoche".
Meister, Trüffelhund und wandelndes politisches Lexikon
Auch das politische Lager findet nur lobende Worte für Urs Paul Engeler. Altbundesrat und SVP-Nationalrat Christoph Blocher etwa sieht Engeler als "Meister im Beleuchten von Hintergründen und Abgründen der Politik". Hans-Rudolf Merz, ebenfalls ehemaliger Bundesrat, vergleicht den abtretenden Redaktoren mit einem "Trüffelhund", der "schlummernde Themen voller Brisanz meisselhart in seinen Texten modelliere." Trotzdem sieht er Engeler als "unverzichtbare Kraft im gesellschaftlichen und politischen Journalismus".
Nationalrat Filippo Leutenegger nennt Engeler ein "wandelndes politisches Lexikon". Des Weiteren könne er "schweigen und genau zuhören".
Auch aus dem linken Lager erhält Engeler Lob. Daniel Vischer, Nationalrat der Grünen, würdigt Engeler als einen der "letzten überlebenden Elefanten der Bundeshausjournalisten", ergänzt allerdings, dass ihn der Rechtsdrall der letzten Phase ärgere.
Mit keinem einzigen Parlamentarier per du
Auch verschiedene Journalistenkollegen, die kommen zu Wort. "Tagi"-Reporter Jean-Martin Büttner hat laut eigener Aussage "keinen Journalisten kennengelernt, der so konsequent kritisch über Politikerinnen und Politiker schrieb, denen er immer wieder begegnete". Mit der Zeit habe er allerdings gemerkt, dass Engeler "alles Scheisse fand und dass manche seiner Artikel zu Exekutionen gerieten.“ Aber Engeler könne durchaus auch differenzieren, er "erhole sich nur jeweils schnell davon".
"Persönlich"-Chefredaktor Matthias Ackeret sieht in Engeler die "personifizierte Unbestechlichkeit". Dies weil er unter anderem nach langjähriger Tätigkeit in Bundesbern noch immer mit keinem einzigen Parlamentarier per du sei. (ww/lf)

