Frau Triebl, vor 6 Jahren haben Sie das Business-Magazin für Frauen „Ladies Drive“ gegründet. Jetzt folgt „Girls Drive“. Was hat zu diesem Entscheid geführt?
Sandra-Stella Triebl: Vor gut einem Jahr kam eine Gruppe von HSG-Studentinnen auf mich zu, die eine eigene Rubrik innerhalb des Magazins „Ladies Drive“ wünschten, welche auf ihre Bedürfnisse und Fragestellungen ausgerichtet ist. Ich habe die Girls gebeten, mir einige Themenvorschäge hierfür zu unterbreiten und es kamen derart viele Ideen und Inputs, das ich sagte: Das reicht für ein komplett neues, eigenständiges Magazin. Und sie meinten: „Super, dann machen wir ‚Girls Drive’!“
Als Zielgruppe des neuen Magazins nennen Sie Frauen zwischen 18 bis 30 Jahren. Werden „Girls Drive“-Leserinnen später zu „Ladies Drive“-Leserinnen?
Ja, das wäre schön, denn die Beiträge unserer Gastautoren im „Ladies Drive“ sind auf Themen fokussiert, die einem nach den ersten Karriereschritten „on the job“ begegnen. Entsprechend ist die Leserschaft von „Ladies Drive“ mindestens schon im mittleren Kader anzutreffen.
Wie grenzen sich die zwei Publikationen voneinander ab?
Aufgrund oben angesprochener Thematik und Autorenschaft. Für „Girls Drive“ schreiben 9 Studentinnen, 2 Businessfrauen (Carolina Müller-Möhl und Helena Trachsel) sowie meine Wenigkeit – bei „Ladies Drive“ sind wir bei 25 Gastautoren (von Executive Coach Christina Künzle über Trendforscherin Joan Billing bis zu Unternehmensberater Christian Ott oder Designkolumnistin Tamara Krieger und Unternehmerin des Jahres Bea Petri). Das Verbindende zwischen den Publikationen ist: Die Businessfrauen von heute reichen der nachrückenden Generation die Hand und versuchen somit ihnen den Berufseinstieg zu erleichtern. Etwas, das bisher in der Medienlandschaft definitiv fehlte.




Was sind spezifische „Girls Drive“-Themen, die bei „Ladies Drive“ nicht stattfinden könnten?
Nun, Finanzthemen oder Vorsorgethemen, Wertpapier-Alternativen oder Reisen an Destinationen, die etwas Budget benötigen, sind im „Ladies Drive“ zu Hause. Bei „Girls Drive“ sind es ganz authentische Fragestellungen wie eben: Was bin ich als junger Mensch bereit für meine Karriere zu tun? Oder: Wie gehe ich mit Misserfolgen um, wenn ich eine Prüfung nicht bestehe, mein Praktikum nicht erfolgreich beenden kann oder ähnliches. Bei uns bestimmen die Autoren aus der jeweiligen Zielgruppe die Themen.
Wann kommt „Mens Drive“?
„Gentlemens Drive“? Ist in Planung. Wir suchen derzeit jemanden im Sales-Bereich. Für die Modestrecke haben wir bereits die Zusage eines angesagten Bloggers und auch einige CEOs und Unternehmer haben uns ihre Unterstützung als Gastautor bereits zugesagt. Aber man darf unternehmerisch gesehen nicht „too many eggs in the fire“ haben. Daran versuche ich mich zu halten. Wir haben als Familienunternehmen ohne Investor und Grossverlag im Rücken mit „Girls Drive“, „Ladies Drive“ und der „League of Leading Ladies“ gut zu tun derzeit.
Das Magazin wird vom Gleichstellungsbüro des Kantons Zürich unterstützt. Mit welchem Argument erhielten Sie diesen Zuschlag und wie gross ist der finanzielle Zustupf?
Es geht hier primär nicht um Geld, sondern um die grossartige Unterstützung einer ganz wunderbaren Frau: Helena Trachsel. Als ehemalige Swiss Re Diversity Lady hat sie unglaublich viel bewegt. Sie hat Drive und ich bin stolz mit solchen Frauen arbeiten zu dürfen – und auch für junge Frauen etwas zu bewegen.
Wie „Ladies Drive“ soll auch „Girls Drive“ ein Karrieremagazin sein. Was für ein Frauenbild wollen Sie damit vermitteln?
Eines, welches gemäss Global Media Monitoring Projekt derzeit eben nicht stattfindet: Aktuell sind Frauen gemäss dieser Studie in den Medien als Beigemüse, Stars, Sternchen oder die Frau hinter einem grossen Mann repräsentiert. Wir zeigen Frauen, die etwas bewegen wollen – für sich, für ihr Unternehmen und für die Gesellschaft. Sie sind schön, gut gebildet und haben mehr im Sinn als nur die eigenen Taschen zu füllen.
Müssen die Frauen von heute vermehrt zur Karriere ermutigt werden oder was für Trends beobachten Sie?
Die Y Generation hat mit Sicherheit andere Werte vermittelt bekommen. Wir hören vermehrt, dass junge Menschen generell nicht mehr bereit sind alles für die Karriere zu tun, sich 24/7 nur dem Job zu widmen. Sie versuchen ihre Werte, ihre persönlichen Wünschen und Lebensentwürfe in Einklang mit ihrer Karriere zu bringen. Das ist keine schlechte Entwicklung grundsätzlich. Aber der Fakt ist: Frauen beteiligen sich bis Mitte 30 kaum am politischen Leben – ebenso netzwerken sie nur marginal und dies primär unter Frauen, die sie mögen. Auch möchten wir eine Atmosphäre kreieren, sei es über unsere Magazine oder unsere zahlreichen Events, wo Frauen sich mit sehr viel Goodwill begegnen können. Unser Erfolg zeigt dass man dies heute sucht.
Brauchen Girls und Ladies mehr Unterstützung als Männer, um sich in der Businesswelt zurechtzufinden?
Nun, die Fragestellungen sind bei Frauen häufig anders. Nicht, was die unternehmerischen Herausforderungen anbelangt. Die sind an der Spitze eines Unternehmens dieselben – auch wenn man beobachtet, das Frauen anders führen und eine Firma mit weniger Hierarchien aufbauen beispielsweise. Aber die Kinderfrage muss sich jede Frau selbst beantworten. Und die stellt Frauen heutzutage vor gewisse Fragen und Entscheidungen. Habe ich den Mann an meiner Seite, der mich mit Kind und Karriere mitträgt? Will ich wirklich Karriere um jeden Preis? Viele Frauen weichen Mitte 30 in die Selbstständigkeit aus, weil sie beispielsweise die politischen Querelen in der Corporate World nicht bereit sind durchzustehen. All dies sind Themen zu denen Frauen sich selbstverständlich gerne austauschen – so wie Männer dies in ihren Netzwerken schon seit Jahrhunderten tun.
Eine wiederkehrende Rubrik heisst „Baby you can drive my car. Auto-Tests“, eine andere „Beauty-Highlights mit Stylist Dario Scala“. Was haben diese Themen in einem Karrieremagazin zu suchen?
Sprechen Sie nun vom „Ladies Drive“? Dario Scala ist ein junger Unternehmer in Biel, der uns auch bei den Fotoshootings im „Ladies Drive“ unterstützt. Doch seit einem halben Jahr, seit Bea Petri zur Unternehmerin des Jahres gekürt wurde, haben wir ihr den Platz bei uns eingeräumt, uns mit ihrem Know-How zu bereichern. Sehen Sie, Beautythemen in Frauenzeitschriften drehen sich häufig um aktuelle Trends. Smokey Eyes können Sie im Businessalltag indes schlecht brauchen. Aber es gibt eine Menge Produkte im Bereich Beauty & Hair, die für eine vielreisende, beschäftigte Businesslady praktisch sind. Genau jene picken wir uns in diesen Rubriken raus. Und die Autotests, nun es wird Zeit, dass Frauen auch diese gemäss „Spiegel“ letzte Männerbastion erobern.
Wie haben Sie Ihr Team zusammengestellt?
Wie gesagt, wir arbeiten nur mit Gastautoren. Zielgruppe und Autorenschaft ist identisch – wir begegnen unseren Leserinnen also auf Augenhöhe. Für mich als Unternehmerin, Kommunikationsberater und Journalistin der einzige Weg wirklich authentisch und glaubwürdig zu sein. Unsere Autoren wissen was die Zielgruppe bewegt.
Was spornt Sie persönlich dazu an, erfolgreiche Frauen und Frauen mit Potenzial zu porträtieren und zu unterhalten?
Nun auch ich möchte etwas bewegen. Ich habe mittlerweile drei Firmen und viele, viele Ideen, die darauf warten umgesetzt zu werden. Mich macht es glücklich das Feedback und die Dankbarkeit unserer Leser zu spüren, die sie seit sechs Jahren regelmässig bei uns melden. Vom Schweizer Fernsehen kannte ich nur den Spruch: Wenn sich keiner meldet, wird’s schon gut sein. Sonst erfährst du das schon. Und tatsächlich: Man fand meine Bluse nicht gut, den Lippenstift zu knallig, die Haare zu wild, mein Aussehen zu persisch (obwohl ich Schweizerin bin). Bei „Ladies Drive“ ist das genau umgekehrt. Nach jedem Event, nach jeder Ausgabe erreichen uns bis zu 50 Emails und Dankesbriefe. Das tut gut.
Interview: Corinne Bauer/Porträt: Adriana Tripa

