U1 TV habe nicht darlegen können, dass das Programm die geforderten Leistungen erbringe. Für eine Aufschaltverpflichtung hätten sowohl beim neu lancierten Sportfernsehen, wie auch im übrigen Programm zu viele Unbekannte bestanden, so das Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Was die Behörden ebenfalls gestört hat: U1 TV strahlt zahlreiche Sendungen aus, die durch kostenpflichtige Mehrwertdienste-Nummern finanziert werden. Damit würde teilweise gar dem verfassungsrechtlichen Leistungsauftrag widersprochen.
Laut Bakom kann Cablecom nur dann verpflicht werden, ein Programm unentgeltlich zu verbreiten, wenn es "in besonderem Mass zur Erfüllung des verfassungsrechtlichen Auftrags" beiträgt, also zur Meinungsbildung, Information und Bildung, Förderung des Kulturschaffens sowie der Berücksichtigung der föderalistischen Vielfalt. Diesen besonderen publizistischen Anforderungen müsse das Programm in seiner Gesamtheit und nicht nur in einzelnen Sendungen genügen.
Enttäuschung über Entscheid
Pascal Jenny, Gschäftsführer des Sportfernsehens, zeigt sich in einer ersten Stellungnahme gegenüber "persoenlich.com" enttäuscht vom Entscheid des Bakoms: "Ich kann die Begründung des Bakoms nicht nachvollziehen." Der Sender habe zuletzt mit seinen Übertragungen bewiesen, dass das Angebot des Sportfernsehens beim Publikum ein Bedürfnis abdecke. So erreichte die Live-Ausstrahlung eines Bob-Rennens laut Jenny über 100'000 Zuschauern.
Auch für U1 TV-Sprecher Peter Heeb spricht die Entwicklung der Zuschauerzahlen für einen Verbleib des Senders im analogen Kabelnetz der Cablecom, wie er auf Anfrage von "persoenlich.com" erklärt. Die Kabelnetzbetreiberin habe ja auch unlängst mitgeteilt, dass keine weiteren Sender abgeschaltet würden. Man suche nun das Gespräch mit der Cablecom.
Ans Aufgeben denkt man beim Sportfernsehen und bei U1 TV nicht. "Wir haben den Beschluss des Bakom zur Kenntnis genommen und werden diesen jetzt intern analysieren", erklärt Pascal Jenny, "wahrscheinlich werden wir den Entscheid ans Bundesverwaltungsgericht weiterziehen." Peter Heeb lässt keinen Zweifel daran offen, dass man den Entscheid anfechten wird.
Cablecom hat bereits entschieden
Bei Cablecom hat man sich nach dem heutigen Entscheid des Bakom bereits dazu entschieden, U1 TV am kommenden Freitag, 21. Dezember, aus dem analogen Programm zu nehmen. Cablecom zeige sich nach wie vor bereit, den Sender weiterhin digital zu verbreiten, heisst es in einem Communiqué. Dieser Entscheid der Cablecom könnte für U1 TV einschneidende Konsequenzen haben.
"Wir haben im Hinblick auf das Sportfernsehen personell ausgebaut und haben heute 40 Vollzeitstellen. Wenn U1 TV nicht schnell wieder über das analoge Netz verbreitet wird, werden wir massiv Stellen abbauen müssen", sagt Peter Heeb zu "persoenlich.com". Es stelle sich dann auch die Frage, ob der Sender überhaupt überleben könne. "Bundesrat Leuenberger muss sich überlegen, ob er es verantworten will, dass 40 Leute auf der Strasse stehen." Zunächst werde das Programm einmal normal weiterlaufen.
Die Cablecom hatte ursprünglich geplant, U1 TV per Ende August 2007 nicht mehr analog zu verbreiten. U1 TV stellte daraufhin beim BAKOM ein Gesuch um Aufschaltung. Die Kabelnetzbertreiberin wurde daraufhin verpflichtet, U1 TV bis zum definitiven Entscheid im analogen Programmangebot zu belassen. Der Entscheid kann innerhalb von 30 Tagen beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden.

