Grosse Hoffnungen ruhen auf ihm: Filippo Leutenegger soll die BaZ wieder in die Gewinnzone führen. Kein leichtes Unterfangen, bei 100 Millionen Franken Schulden. Im Interview mit persoenlich.com erklärt der erprobte Sanierer, warum er zuerst bei der Pensionskasse ansetzen will. Und er verspricht, dass er sogar selber zum Telefonhörer greifen wird, um unzufriedene Leser zurückgewinnen zu können.
Die BaZ hat in den letzten Tagen über 1000 Abonnenten verloren (persoenlich.com berichtete). Das ist dramatisch.
In turbulenten Zeiten gibt es immer Abbestellungen. Natürlich ist das schmerzhaft. Offenbar haben in diesen Tagen, in denen nochmals heftig über die Eigentümerschaft spekuliert wurde, einige, bereits verunsicherte Leser ihr BaZ-Abonnement gekündigt. Dieser Schwund hat sich in dieser Woche nun aber stabilisiert.
Ergreifen Sie Massnahmen, um weitere Kündigungen zu verhindern?
Ja, ich werde persönlich im Abodienst mithelfen, wenn dies gewünscht sein sollte. Momentan ist dies noch nicht nötig. Da nun mehr Transparenz herrscht, ist die Lage stabiler geworden.
Sie greifen eigenhändig zum Telefon und rufen abgesprungene BaZ-Leser an?
Ja, ich werde mit den Leuten reden. Ich habe dem Abodienst meine Mithilfe angeboten. Wenn ein Leser oder eine Leserin das Abo abbestellt, möchte ich wissen warum, und vielleicht kann man dabei etwas klären.
Wann genau starten Sie?
Ich habe meine Arbeit in Basel bereits aufgenommen. Wenn es brennt, muss man sofort beginnen.
Sie haben im Redaktionsgebäude an der Hochbergerstrasse bereits ein Büro bezogen.
Selbstverständlich, ja.
Ziehen Sie nun von Zürich nach Basel um?
Nein. Sonst müsste ich ja auch noch nach Bern umziehen (lacht).
Wie bringen Sie Ihr Nationalratsmandat, den eigenen Verlag ("Haus Club Magazin"), Ihre Familie und den Sanierer-Job bei der BaZ unter einen Hut?
Dies ist eine Frage der Priorisierung. Schon beim Engagement beim Jean-Frey Verlag hatte ich das Nationalratsmandat inne und musste Prioritäten setzen. Aber selbstverständlich ist die Aufgabe bei der BaZ eine nicht unbedeutende Zusatzbelastung.
Wo machen Sie Abstriche?
Bei meinem eigenen Verlag habe ich einen guten Stellvertreter. Er übernimmt nun viel mehr Verantwortung als Verlagsdirektor.
Sie besuchten vor einer Woche die BaZ-Redaktion in Basel zum ersten Mal. Welchen Eindruck haben Sie?
Einen guten. Ich habe das Gefühl, dass es einen Willen gibt, gute Geschichten zu machen. Und ich hatte vor allem den Eindruck, dass es absolut keine Denkverbote gibt. Die Redaktoren äusserten sich spontan, stellten viele kritische Fragen. Die Atmosphäre war sehr konzentriert und angstfrei. Das überraschte mich sehr positiv.
Die Redaktoren sind froh, dass Transparenz herrscht und Sie sich klar zu einer pluralistischen, unabhängigen Zeitung bekennen. Doch man fragt sich, warum die Zusammensetzung des Verwaltungsrats so homogen ist.
Gut, das kann man so betrachten. Jetzt sind wir in einer Reorganisations- und Sanierungszeit. Da liegt die Verantwortung sowieso bei mir. Selbstverständlich ist der Verwaltungsrat so wie er jetzt zusammengesetzt ist noch nicht in seiner Schlusszusammensetzung.
Am Dienstag wurde bekannt, dass auch die AZ Medien AG eine Zeitung für Basel herausgeben wird. Inwiefern ist die BaZ dadurch zusätzlich gefährdet?
Wettbewerb ist eine notwendige Voraussetzung für Medienvielfalt. Daher ist der Markteintritt dieser neuen Zeitung positiv. Der Markt wird schliesslich entscheiden. Ich finde zusätzliche Konkurrenz positiv, denn die BaZ wird sicherlich besser sein.
Wie genau geht es der BaZ? Man spricht von 100 Millionen Schulden. Christoph Blocher sagte am Montag bei Schawinski, man habe im ersten halben Jahr knapp schwarze Zahlen geschrieben. Wie ist der Stand?
Nach einer Woche kann ich noch nicht genau Auskunft geben. Klar ist aber: Es wird einen Verlust geben.
Wie hoch wird er ausfallen?
Wir sind noch nicht am Ende des Jahres, das kann ich daher nicht sagen.
Welches sind Ihre ersten Schritte als Sanierer?
Die Pensionskasse ist ein wichtiges Thema. Da wurden die Sanierungsschritte schon eingeleitet, denn diese Problematik betrifft jeden einzelnen BaZ-Mitarbeiter. Anschliessend machen wir eine Analyse und formulieren eine Gesamt-Strategie, die dann vom Verwaltungsrat und von weiteren Gremien abgesegnet werden muss. Dabei wird Tito Tettamanti ein wichtiges Wort mitreden.
Was passiert mit der Druckerei?
Das wissen wir noch nicht. Wir sind jedoch im Gespräch mit anderen Playern über die Frage, wie wir mit den grossen Überkapazitäten umgehen sollen.
Ist Ihr Sanierer-Mandat befristet?
Nein, meine Anstellung ist unbefristet. Aber für die Sanierungsaufgabe habe ich mir natürlich eine Frist gesetzt.
Wie lange geben Sie sich dafür?
Ich sagte mir: Drei bis vier Jahre nimmt dies sicher in Anspruch. Anschliessend sollte die BaZ wieder in geordneten Bahnen laufen. Dann werden wir weiter sehen.
Interview: Edith Hollenstein

