31.03.2020

Fehlende Werbeeinnahmen

CH Media beantragt Kurzarbeit

Per 1. April gilt für fast alle der rund 2000 Mitarbeitenden von CH Media Kurzarbeit. Das sei nötig, weil wegen der Pandemie ein Umsatzeinbruch von über 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet wird.
Fehlende Werbeeinnahmen: CH Media beantragt Kurzarbeit
Dünnere Zeitungen, weil die Werbung fehlt: Die aktuelle Krise trifft Verlage wie CH Media hart. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Wie bei anderen Medienunternehmen verursacht die gegenwärtige Krise eine starke Unterauslastung der meisten Geschäftsbereiche, daher sei «eine sofortige Ausgabenbremse notwendig», schreibt CH Media in einer Mitteilung vom Dienstag. Sie beantragt deshalb per 1. April Kurzarbeit, zunächst für drei Monate. «Die Einreichung von Kurzarbeit ist die wichtigste Massnahme, um mit der temporären Krise so sozial verantwortlich wie möglich umzugehen. Sie hilft CH Media, die Personalkosten rasch der eingebrochenen Nachfrage aus dem Werbemarkt und unserem reduzierten Angebot anzupassen», heisst es in der Mitteilung weiter.

CH Media wird die Löhne von Mitarbeitenden in Kurzarbeit für die obige Frist vollständig auszahlen. «Mitarbeitende in Kurzarbeit erfahren also keine Lohneinbusse», heisst es.

Dividende wird zum Darlehen

Zur Umsetzung werden in sämtlichen Unternehmensbereichen die Produkte und Dienstleistungen auf ihr Sparpotenzial überprüft. Dazu gehören auch temporäre Produktveränderungen. Strategische Projekte laufen weiter und in Bereichen und Abteilungen mit starker Auslastung sei aktuell keine Kurzarbeit geplant. Als weitere Massnahme verzichten die Aktionäre – NZZ-Gruppe und AZ Medien – nach Abstimmung mit der Unternehmensleitung von CH Media auf eine Auszahlung der Dividende im Frühling 2020 und wandeln diese in ein Darlehen um.

Dank der getroffenen Massnahmen hofft CH Media trotz Krise weiterhin ein hochstehendes Angebot gewährleisten zu können.

Zur Hälfte aus Werbung finanziert

CH Media ist mit ihren Zeitungen, Anzeigern, Radiostationen, TV-Sendern, Events, Zeitschriften, Onlineangeboten und dem Filmverleih stark vom Werbemarkt abhängig: knapp die Hälfte der Erlöse erzielte das Unternehmen bis anhin im Werbemarkt. «Im April allein rechnen wir mit einem Umsatzrückgang zum Vorjahr von über 30 Prozent für CH Media und mit über 50 Prozent im Werbemarkt. Das entspricht mehr als 10 Millionen Franken. Die folgenden Monate werden voraussichtlich mindestens so stark betroffen sein. Wir erwarten – je nach Verlauf der Pandemie im zweiten Halbjahr – Umsatzverluste im mittleren zweistelligen Millionenbereich», so CH Media in der Mitteilung. 

«Eine paradoxe Situation»

Gleichzeitig sei die Nachfrage nach verlässlichen Nachrichten, aber auch nach Abwechslung durch Entertainmentangebote, so hoch wie nie zuvor. «Die Online-Zugriffe auf unsere Newsportale erreichen Rekordstände und die Zuschauer- wie die Hörerzahlen bei unseren TV- und Radiostationen sind so hoch wie nie zuvor», heisst es weiter. Dies führe zu einer paradoxen Situation: Hohe Nachfrage auf der Zuschauerseite trifft auf massive Rückgänge bei der Werbung. (pd/eh)

Lesen Sie die Hintergründe dazu im persoenlich.com-Interview mit Axel Wüstmann, CEO von CH Media. 



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