11.02.2011

cash.ch

Chef dementiert Gerüchte

"Wir stehen nicht in Verkaufsverhandlungen!"

"Ringier will aus cash.ch Plattform für Börsenhandel machen", titelte die "SonntagsZeitung" am 23. Januar 2011. Aus zuverlässiger Quelle wollte sie erfahren haben, dass das Ringier das Online-Portal cash.ch bei Banken zum Verkauf angeboten hatte. Damals hatte Ringier-Sprecher Edi Estermann Verkaufsabsichten energisch dementiert. In der Zwischenzeit wurden die Abgänge von Marc Fischer und Anton Ladner - beides langjährige cash.ch-Mitarbeiter - publik („persoenlich berichtete“), was ebenfalls auf Schwierigkeiten bei cash.ch schliessen lässt.

Nun geht cash.ch-Geschäftsführer André Michel in die Offensive. Im Interview mit "persoenlich.com" legt er Argumente dar, warum cash.ch, das ehemalige Ringier-Vorzeigeprodukt, keineswegs vor einer ausweglosen Zukunft steht.

Herr Michel, die "SonntagsZeitung" schrieb, cash.ch verhandle mit Banken und stehe kurz vor dem Verkauf. Stimmt das?

Nein, cash.ch hat zu keinem Zeitpunkt mit Banken über einen Verkauf verhandelt. Aktuell diskutieren wir hingegen mit einigen Banken darüber, in welcher Form wir unser Angebot im Bereich Trading – also Wertschriftenhandel – verbessern könnten. Möglicherweise haben diese Gespräche zur unkorrekten Aussage in der "SonntagZeitung" geführt.

Momentan sind rund 15 Mitarbeiter (Redaktion und Administration) auf Ihrer Lohnliste. Sie hatten in den letzten Monaten einschneidende Abgänge langjähriger Mitarbeiter zu verzeichnen. Warum haben Sie Schwierigkeiten die Leute zu halten?

Die Abgänge betreffen vor allem die Redaktion. Mit der Einstellung der Tageszeitung im Frühjahr 2009 hat sich das Job-Profil für die Redaktoren verändert: Wir sind ein rein digitaler Anbieter und fokussieren klar auf den Bereich Finanzen. Nachdem die Finanzkrise überwunden ist und wir uns wieder in einem attraktiven wirtschaftlichen Umfeld befinden, haben vier Redaktoren die Chance gepackt, sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Zwei bleiben bei Ringier, zwei weitere werden sich selbstständig machen. Ich bedaure die Austritte sehr, betrachte dies letztlich aber als natürlichen Prozess.

Werden Sie diese Abgänge ersetzen?

Ja wir stellen neue Mitarbeiter an. Soeben hat in der Redaktion eine neue Kollegin angefangen, mit weiteren Kandidaten sind wir im Gespräch.

Wie schwierig ist es, neue passende Mitarbeiter zu finden?

Es ist nicht einfach gute Wirtschafts- und Finanzjournalisten zu finden. Aber das ist eigentlich seit Jahren schon so. Immer wenn die Wirtschaft gut läuft, kommt es zu Engpässen. Wir konkurrieren auf dem Arbeitsmarkt ja nicht nur mit anderen Medien, sondern auch mit der PR- und Kommunikationsbranche sowie mit Banken.

Hinzu kommt die grosse Konkurrenz im Markt. Wie beurteilen Sie die Position von cash.ch?

cash.ch ist die mit Abstand führende von Banken unabhängige Plattform für Wirtschafts- und Finanzinformationen. Das zeigen Studien der Universität Zürich und die Statistiken der Wemf, also Net Metrix. Nach der Einstellung der Tageszeitung im Frühling 2009 hatten wir natürlich zuerst eine Durststrecke zu überwinden. Seit bald einem Jahr zeigt aber der Trend klar nach oben, die Nutzerzahlen steigen deutlich, der Buchungsstand in der Werbung ist heute massiv höher als zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr. Vor wenigen Tagen haben wir zusammen mit Morningstar die Fund-Awards 2011 - das heisst die Prämierung der besten Anlagefonds - durchgeführt. Das machen wir seit Jahren. Das Interesse war gewaltig: Unsere Kunden haben sich fast um die 250 zur Verfügung stehenden Plätze geprügelt, am Schluss hatten wir über 300 Gäste, das Park Hyatt platze aus allen Nähten. Wir haben klar bestätigt bekommen: Die Finanzindustrie nimmt cash als kompetenten Geschäftspartner wahr. Big Player kommen mit Ihren Anliegen und Vorschlägen auf uns zu. Auch ehemalige Inserenten der Zeitung, die wir verloren hatten.

Nochmals zurück zu Ihrer Strategie. Von übergeordneter Ebene gibt es ja diese von CEO Christian Unger ausgearbeitete Strategie, welche Einnahmen an drei Stellen vorsehen: Erstens über Werbung, zweitens über Abonnemente und drittens über sogenannt "transaktionsgebundene Einnahmequellen". Wie konkret setzen Sie bei cash.ch diesen dritten Punkt um?

Es ist naheliegend, dass wir jenen Anlegern, welche sich auf cash informieren, die Möglichkeit bieten wollen, anschliessend auch gleich eine Transaktion zu machen, also ein Wertpapier zu kaufen oder zu verkaufen. Dasselbe gilt aus der Sicht der Werbekunden. Wenn eine grosse ausländische Investmentbank ohne eigenes Filialnetz in der Schweiz bei uns für ein neues Produkt wirbt, möchte diese Bank natürlich, dass interessierte Anleger gleich kaufen können. Wir bieten zwar schon seit rund zehn Jahren Trading-Möglichkeiten an. Das funktioniert auch einwandfrei. Doch was vor zehn Jahren innovativ war, ist heute Standard. Cash will neue Wege gehen, den Kunden noch attraktivere Trading-Möglichkeiten anbieten. Daran arbeiten wir und darüber diskutieren wir, wie eingangs erwähnt, mit verschiedenen Partnern.

Wenn Sie heute nach vorne schauen: Wo steht Cash im Jahr 2013?

Selbstverständlich bin ich überzeugt davon, dass wir auch 2013 unangefochten die führende Finanzplattform sein werden. Das Informationsangebot wird noch vielfältiger sein – soeben haben wir dafür ein innovatives Projekt gestartet. Der Nutzer wird sich auf cash aber nicht bloss informieren, sondern auf einfache Weise auch Transaktionen auslösen können. Die Einnahmen werden also aus Werbung und – in welcher Form auch immer - aus Transaktionen kommen. An Paid-Content in grösserem Umfang glaube ich dagegen nicht. Die Strategie, die wir verfolgen, muss nicht zwingend dazu führen, dass cash dann wesentlich mehr Mitarbeiter beschäftigten wird. Bereits heute haben wir viele Aufgaben ausgelagert. Dadurch sind wir flexibler und können auf ein grösseres Netz von Spezialisten zugreifen. Ich glaube, dass dies auch in Zukunft der richtige Weg sein wird.

Interview: Edith Hollenstein


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