05.07.2018

Streik bei Tamedia Romandie

Chefredaktion führt Anwesenheitsprotokolle

Per Mail-Drohung und durch Kontrollen sollten die Redaktionen vom Streiken abgehalten werden. Am Mittwochabend kam dann Christian Constantin als möglicher Kaufinteressent für «Le Matin» ins Spiel.
Streik bei Tamedia Romandie: Chefredaktion führt Anwesenheitsprotokolle
Es sei genau kontrolliert worden, wer arbeitet und wer nicht in den Redaktionsräumen von «Le Matin». (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Seit Dienstagnachmittag befinden sich grosse Teile der Redaktionen von «24heures», «Le Matin», «Le Matin Dimanche» und «Tribune de Genève» im Streik, um gegen die geplante Einstellung der gedruckten «Le Matin» und den damit verbundenen Stellenabbau zu demonstrieren (persoenlich.com berichtete).

Die Tamedia-Unternehmensleitung goutiert den Protest in keiner Weise und versucht die Angestellten mit allen Mitteln dazu zu bewegen, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Am Mittwochmorgen wurden die Redaktoren per Mail dazu aufgefordert, den Streik unverzüglich zu beenden. Im Schreiben heisst es, dass sich Tamedia im Recht sehe, den Streikenden ohne Einhaltung von vertraglichen Verpflichtungen zu kündigen. Ausserdem hätten sie keinerlei Anspruch auf Leistungen aus einem allfälligen Sozialplan, wenn sie weiter streiken.


«Unsere Linie ist hart»

Zudem gebe es in den Redaktionen Anwesenheitskontrollen durch die Chefs, wie ein Angestellter von «20minutes» – der einzigen Tamedia-Tageszeitung in der Romandie, deren Redaktion sich in der Mehrzahl gegen einen Streik ausgesprochen hat – gegenüber der «TagesWoche» sagt. Dies bestätigt auch Tamedia-Sprecher Patrick Matthey gegenüber der Onlinezeitung. Tamedia sei bei den Verhandlungen weit gegangen und habe alle Vorschläge der Redaktionen genau geprüft. «Unsere Linie ist hart, aber der Streik ist brutal», so Matthey zur TaWo.

Der Tamedia-Sprecher fordert die Streikenden auf, weiter zu verhandeln. Die Fronten scheinen verhärtet – aus Sicht der Streikenden war es der Verlag, der das Gespräch verweigerte und den Verhandlungstisch verliess. Am Mittwochabend kam dann die Nachricht, dass die Unternehmensleitung vor der Schlichtungsstelle des Kantons Waadt weiterverhandeln will (persoenlich.com berichtete).

Christian Constantin an «Le Matin» interessiert

Derweil wurde bekannt, dass möglicherweise Christian «CC» Constantin «Le Matin» retten will. Der Präsident des FC Sion soll sich am Mittwochabend mit Tamedia-VR-Präsident Pietro Supino in Montreux getroffen und über einen möglichen Kauf der Zeitung gesprochen haben, wie das Westschweizer Fernsehen RTS berichtet. Offenbar haben sich welsche Journalisten direkt an den Walliser Bauunternehmer gewendet und ihn gefragt, ob er an einer Übernahme der Zeitung interessiert sei.

Gemäss RTS findet «CC», dass «Le Matin» eine Referenz in der Sportberichterstattung sei. Er könne sich daher vorstellen, die Zeitung zu übernehmen und daraus ein Sport-Medium zu machen. (maw)



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