Als erster Deutschschweizer hat Peter Rothenbühler am 1. März die Chefredaktion der Westschweizer Boulevard-Zeitung Le Matin übernommen. Seine persönliche Bilanz nach dreieinhalb Monaten fällt sehr positiv aus. "Ich wurde sehr gut aufgenommen und konnte sofort in die Arbeit einsteigen", sagt Peter Rothenbühler im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Der bilingue Bieler, 1948 in Porrentruy JU geboren, findet sein Team "anspruchsvoll und intelligent". Er ist Chef von 130 Leuten, die für Le Matin und dessen Sonntagsausgabe Le Matin Dimanche arbeiten.
Rothenbühler kam zum Matin, als die Zeitung bereits auf Tabloid-Format umgestellt hatte. Er sei nicht frustriert, dass er die Reform nicht selbst habe lancieren können, sagt er und erinnert daran, dass die Umstellung in der Redaktion viel Staub aufgewirbelt hat. "Meine Rolle ist es, Dramaturgie und 'Ton' der Zeitung zu erneuern."
"Wir wollen eine Zeitung machen, die von vorne bis hinten gelesen wird. In der traditionellen Presse gibt es so viele Artikel und zu viel Stoff, so dass der Leser sich ans Durchblättern macht." Rothenbühler nennt zwei nordische Zeitungen als Vorbilder: VG in Norwegen und Aftonbladet in Schweden - "die grössten nordischen Qualitätsblätter im Tabloidformat".
Seine Vorstellungen unterscheiden sich vom Boulevard Deutscher oder Deutschschweizer Prägung. "Paparazzi"-Journalismus steht für Peter Rothenbühler ausser Diskussion. Konkret: Die Affäre Borer hätte er nicht lanciert. Er will "die Regeln der Berufsethik respektieren und zu den Lesern ein Vertrauensverhältnis aufbauen."
Er habe die Aufschlagsseiten des Matin aktueller gemacht, rühmt sich der Chefredaktor. "Wir sind ständig daran, uns zu erneuern." Akzente setzte Rothenbühler, der elf Jahre Chefredaktor der Schweizer Illustrierte war, auch im People-Bereich und in den Themen Gesellschaft und Sport.

