02.07.2013

BaZ

Christoph Blocher erstmals Mitbesitzer der "Basler Zeitung"

20-Prozent Beteiligung an BaZ-Holding und Verwaltungsrat.
BaZ: Christoph Blocher erstmals Mitbesitzer der "Basler Zeitung"

Über Jahre hat er bei der in Schieflage geratenen "Basler Zeitung" mehr oder weniger im Hintergrund die Fäden gezogen. Jetzt wird SVP-Nationalrat Christoph Blocher offiziell Mitbesitzer der BaZ-Holding. Blocher übernimmt via seine Robinvest Holding AG von Tito Tettamantis Medienvielfalt Holding (MVH) 20 Prozent des Aktienkapitals der BaZ-Holding. Blocher soll zudem im Verwaltungsrat der BaZ-Holding Einsitz nehmen, wie die MVH am Dienstag mitteilte.

Blocher muss der MVH für seinen 20-Prozent-Anteil 306'000 Franken bezahlen, wie MVH-Mehrheitsaktionär Tettamanti in einem Interview mit der "Basler Zeitung" sagte. Im Gegenzug übernimmt die Robinvest AG Darlehen in der Höhe von 40 Millionen Franken, welche die MVH der BaZ Holding gewährt hatte.

Wichtige Rolle Blochers
Blocher habe bei der bisherigen Sanierung der BaZ-Gruppe eine wichtige Rolle innegehabt, sagte Tettamanti im Interview. Nun solle er sich am Gewinn beteiligen können, den das Unternehmen hoffentlich mache. Die Idee für die Beteiligung Blochers sei von der MVH ausgegangen.

Die Sanierung der BaZ soll bis Ende Jahr abgeschlossen sein. Der neue Mitbesitzer Christoph Blocher rechnet bereits für das laufende Jahr mit schwarzen Zahlen. Nächstes Jahr soll die BaZ wieder einen Gewinn abwerfen, sagte er am Dienstag auf Anfrage der sda. Nach Angaben Blochers steht die BaZ wieder gut da: Die Liquidität sei wieder in Ordnung. Das Unternehmen habe keine Bankschulden mehr und auch die Pensionskasse sei saniert.

Christoph Blocher will Unabhängigkeit sichern
Auf den publizistischen Kurs der "Basler Zeitung" werde er keinen Einfluss nehmen, versicherte Blocher. Sein Ziel sei es, die Unabhängigkeit der "Basler Zeitung" von einem der grossen Verlage zu bewahren und damit zur Medienvielfalt beizutragen. Dass die BaZ zum Kopfblatt einer andern Zeitung wird, komme für ihn nicht in Frage. Mit der heutigen BaZ mit seinem Biographen Markus Somm als Chefredaktor ist Blocher überaus zufrieden. Gerade der Inlandteil sei landesweit führend. Ein SVP-Blatt wolle er aus der BaZ nicht machen, hält der alt Bundesrat fest - er sei doch kein Dummkopf.

Vorher im Hintergrund
Mit seinem 20-Prozent-Anteil ist Christoph Blocher erstmals offizieller Mitbesitzer der "Basler Zeitung". Allerdings gilt er seit über drei Jahren als umstrittene Person im Hintergrund, weil seine Robinvest einen Beraterauftrag erhielt, als die Familie Hagemann die BaZ-Gruppe 2010 an Tito Tettamanti und Martin Wagner verkaufte. Nachdem Tettamanti und Wagner im November 2010 die BaZ-Gruppe an den früheren Crossair-Patron Moritz Suter verkauft hatten und sich dieser nach einem Jahr wieder zurückzog, gehörte die BaZ für kurze Zeit Blochers Tochter Rahel. Im November 2011 stieg schliesslich erneut Tito Tettamanti mit seiner neu gegründeten MVH ein.

Blocher leistete damals eine Defizitgarantie für mögliche Verluste bei der Restrukturierung der defizitären Druckerei. Diese wurde per Ende März stillgelegt. Die Druckereischliessung war die einschneidenste Massnahme bei der Sanierung der BaZ-Holding. Blocher strebte dabei eine "Basler Zeitung nackt" an. Dieses Ziel unterstützte der neue Mitbesitzer unter anderem damit, dass er dem Unternehmen nicht mehr benötigte Immobilien abkaufte. (sda)


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