Der Druck war zu gross: Keine 48 Stunden nach Bekanntwerden seines Anrufs beim Zweiten Deutsche Fernsehen (ZDF) hat der Sprecher der deutschen Christsozialen, Hans Michael Strepp, seinen Posten aufgegeben. Strepp soll versucht haben, die Berichterstattung zu beeinflussen. Der 44-Jährige habe darum gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden, und er habe dieser Bitte entsprochen, sagte CSU-Parteichef Horst Seehofer am Donnerstag in München. Der bayerische Ministerpräsident bezeichnete Strepps Rückzug als "unvermeidlich" sowie "richtig und notwendig".
Beitrag über bayrische SPD verhindern
Strepp soll mit einem Anruf in der "heute"-Nachrichtenredaktion des öffentlich- rechtlichen Senders am Sonntag versucht haben, einen Fernsehbericht über den bayerischen SPD-Parteitag mit der Kür des Spitzenkandidaten der Opposition, Christian Ude, zu verhindern. Die CSU ist die bayerische Schwesterpartei der CDU der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie stellt in Bayern seit Jahrzehnten den Ministerpräsidenten und ist in der Bundesregierung derzeit mit drei Ministern vertreten. Im nächsten Jahr muss sie sich Landtagswahlen stellen. Die Partei stand wegen Strepps Anruf zunehmend in der Kritik.
Es gebe, was den umstrittenen Anruf Strepps in der "heute"-Redaktion des ZDF betrifft, unterschiedliche Bewertungen vom Sender auf der einen und von Strepp auf der anderen Seite, sagte Seehofer. Da man diesen Widerspruch nicht habe auflösen können, sei Strepps Rückzug unvermeidlich. Strepp sei als Pressesprecher die Schnittstelle zu den Medien und hätte seine Aufgaben unter diesen Umständen nicht mehr fortführen können, sagte der CSU- Chef.
Strepp als Bauernopfer
Die Opposition wertete Strepps Rücktritt dagegen als Bauernopfer - und nahm vor allem CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt ins Visier. "Das Bauernopfer ist gefallen", erklärte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. "Doch wir wollen wissen, wer die Verantwortung für den Anruf des Pressesprechers trägt. Es ist schwer vorstellbar, dass der Pressesprecher völlig eigenmächtig handelte", fügte sie an. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, erinnerte daran, dass es in Deutschland kein "Staatsfernsehen" gebe. "Und wenn die CSU das anders sieht, dann ist sie hier falsch. Dann sollte sie sich eine Bananenrepublik zum Regieren suchen", sagte Beck.
Nach Darstellung von ZDF-Intendant Thomas Bellut belegen mehrere Vorgänge, dass Strepp die Berichterstattung habe beeinflussen wollen. "Die Intention des Anrufs war eindeutig", erklärte er am Donnerstag. Auch ZDF-Chefredaktor Peter Frey sagte, Strepp habe am Sonntag auf verschiedenen Wegen versucht, die Berichterstattung des ZDF über die bayerische SPD zu beeinflussen. (sda)

