08.04.2004

"Daniel Dunkel, wie lebt es sich mit der Unscheinbarkeit?"

Die Schweizer Familie erscheint Mitte Mai mit überarbeiteter Optik. Chefredaktor Daniel Dunkel (Bild) erklärt gegenüber "persoenlich.com", warum er trotz einer Imageschwäche bei den Werbern auf die Leser fokussiert, weshalb seine Zeitschrift keine Konkurrenz hat, und ob er so bodenständig ist wie sein Publikum. Das Interview:
"Daniel Dunkel, wie lebt es sich mit der Unscheinbarkeit?"

Über die Schweizer Familie hört man vergleichsweise wenig. Wie lebt es sich mit der Unscheinbarkeit?

Ausgezeichnet -- wir werden unterschätzt und können aus dem Windschatten überholen. Ernsthaft: Im Lesermarkt sind wir mit 672'000 Lesern sehr präsent. Das Echo aus der Leserschaft ist hervorragend und die Leser- wie auch die Abozahlen sind steigend. Es stimmt aber, dass wir im Werbemarkt zu wenig wahrgenommen werden. Das hat viel mit dem Namen Schweizer Familie zu tun, der falsche Vorstellungen provoziert. Speziell bei den jüngeren Leuten in den Agenturen.

Erklären Sie uns dieses Blatt!

Die Schweizer Familie ist eine Zeitschrift mit einem einzigartigen Themenvielfalt -- für die ganze Familie eben. Zielpublikum ist die breite Bevölkerung ab 35, die gerne gut geschriebene Geschichten liest und gleichzeitig Tipps, Anregungen und frische Ideen für den vielseitigen Alltag und die erfüllte Freizeit sucht.

Damit treten Sie gegen Schweizer Illustrierte, Glückspost und Beobachter an.

Das stimmt so nicht. Der Beobachter ist ein Beratungsmagazin, das mit dem Finger auf das Böse und Schlechte zeigt. Wir hingegen zeigen die schönen und positiven Seiten des Lebens. Die SI wiederum ist ein People-Magazin, das über die Welt der Anderen berichtet. Wir hingegen sind mit unseren Themen ganz nahe bei unseren Lesern, wir sind ein Teil ihrer Welt. Unsere Leser wollen nicht so genau wissen, wie es den Reichen und Schönen geht. Die Leser der Schweizer Familie haben einen gesunden Sinn für Realitäten und erwarten von einer Familienzeitschrift Ideen und Anregungen für das reale Leben. Das mag ja für manche Agenturen langweilig tönen, für die Redaktion und die Leser ist es das nicht.

Sind Sie selber auch so bodenständig wie Ihre LeserInnen?

Ich habe einen intakten Sinn für die Realität. Bodenständig im kulturellen Sinn bin ich nicht. Ich bin ein Städter, der gerne über die Stadtmauern hinaus schaut und die vielseitige Kultur der Schweiz schätzt.

Wozu braucht es angesichts von so viel Beständigkeit überhaupt einen Relaunch?

Der letzte Relaunch wurde im Jahr 2000 durchgeführt, nachdem die Abo- und Leserkurve über Jahre hinweg immer steiler nach unten gezeigt hat. Wir nahmen Abschied von erfolglosen Verjüngungskuren und besannen uns auf das Stammpublikum zurück -- Leute, für die der Begriff "Familie" eine gewisse Werte- und Lebenshaltung darstellt. Inzwischen ist unsere Leserschaft wieder gewachsen und gemäss Marktforschung weiblicher geworden. Diesen Veränderungen möchten wir mit eine Redesign Rechnung tragen, wobei das Inhaltskonzept des Hefts unangetastet bleibt. Die Schweizer Familie soll leichter und etwas moderner werden, frischer in den Farben. Das Bild erhält mehr Raum und die Leserführung wird optimiert. Der neue Auftritt soll die Positionierung des Titels besser verkaufen: Eine unterhaltende und optimistische Zeitschrift mit einem einzigartigen Themenmix von Gesundheit bis Reisen, von Wellness bis Kochen, von Konsumtipps bis Reportagen. Tatsächlich gibt es ja auch jenseits der Landesgrenzen kaum ein vergleichbares Produkt. Diese Eigenständigkeit gilt es zu kommunizieren.

Sie fokussieren demnach trotz Imageschwäche und Anzeigenmangel auf den Lesermarkt?

Wir werden sicher für beide Märkte geeignete Kampagnen starten. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass die Leser unser grösstes Kapital sind. Zudem bin ich überzeugt, dass das Redesign auch im Anzeigenmarkt positiv aufgenommen wird, weil es optisch ein noch attraktiveres Umfeld für Anzeigen schafft. Gleichzeitig können wir die Schweizer Familie über das Redesign im Anzeigenmarkt klarer positionieren. So gesehen hoffe ich auf positive Nebeneffekte. Ein Redesign, das sich auschschliesslich am Anzeigenmarkt ausrichtet, ist hingegen der Tod für eine Zeitschrift.

Wo kann die Schweizer Familie expandieren?

In den vergangenen Jahren bestand unsere Hauptaufgabe in einer klareren Positionierung des Titels, damit wir im Lesermarkt zulegen können. Heute sehen wir in der Schweiz ein Potential von deutlich über 700'000 Lesern, und wir arbeiten daran, dieses auszuschöpfen. Zudem spiegeln die Umsätze im Anzeigenmarkt unseren Erfolg im Lesermarkt noch nicht. Auch da sind wir dran. Potential sehe ich drittens im Beilagengeschäft, wo wir dank unserer Themenvielfalt interessante Möglichkeiten haben.

Sie haben vor anderthalb Jahren die 35'000 Adressen von Meyer's übernommen. Wie gross war die Haltbarkeit der Abos?

Rund fünfzig Prozent der Meyer's-Leserinnen sind auf die Schweizer Familie umgestiegen. Das werten wir als grossen Erfolg.

Annabelle wurde restrukturiert, Du abgestossen, Facts und SF erneuert. Was halten Sie von der These, die Tamedia bereite ihren Zeitschriftenbereich für einen Verkauf vor?

Pure Spekulation. Ich habe keine Signale in diese Richtung erhalten.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen