24.02.2011

"Woz"

Daniel Ryser beklagt Gegenlesen

Schreibt von Gesprächsverfälschern.

"Alles, was einem Interview Farbe verleiht, wird rausgestrichen." Dieser Satz steht zu Beginn eines Artikels von Daniel Ryser. Ryser ist der "Woz"-Journalist, welcher ab April für das "Magazin" schreiben wird ("persoenlich.com" berichtete). Der 31-Jährige blickt zurück auf seine Zeit als Politreporter. Dabei bezeichnet er die Begegnung mit SVP-Politiker Alexander Baumann am Tag der Abwahl Christoph Blochers als sein allerbestes Interview. Nie habe ein Gespräch mit einem Politiker solchen Spass gemacht, und nie habe eines so viele Reaktionen ausgelöst. Ryser schreibt auch über sein offenbar sehr persönliches Gespräch mit FCB-Captain Ivan Ergic, mit dem er über Politik und Fans sprach - vor allem aber über schwere Depressionen, die den Fussballer fast seine Karriere gekostet hätten. Dieses ehrliche, nicht von Mediensprechern bearbeitete Interview machte den Spitzenfussballer nicht nur als Maschine, sondern als Mensch sichtbar. Daraus entstand der Text, welcher Ryser den Zürcher Journalistenpreis 2008 einbrachte.

Generell kritisiert Ryser die rechthaberische Praktik gewisser Leute: "Am liebsten würden diese Menschen auch gleich noch die Fragen umschreiben, und alles, was Farbe ins das Gespräch geben könnte, streichen sie sowieso raus." Er meint damit nicht nur die 'ätzende Pressearmada'. Nein, die schlimmste Gesprächsverfälscherin sei SP-Fraktionschefin Ursula Wyss. "Sie schrieb das ganze Interview um, ersetzte fast jeden Satz durch einen, den sie so nicht gesagt hatte." Und Ryser schreibt, dass später - als sich bürgerliche Medien für ihn zu interessieren begannen und das Gerücht die Runde machte, er gehe zum "SonntagsBlick" - Wyss gegenüber zwei Ringier-Journalisten gesagt habe: "Oh Gott, nein! Bitte nicht! Lasst ihn bei der "Woz" schmoren!" Ryser glaubt den beiden Journalisten. Und ihre Aussage würden einen Blick auf das Spiel werfen, das viele Politiker jeder politischen Farbe beherrschten: Sie mögen den "SonntagsBlick" offiziell eine schlechte Zeitung finden, aber er habe eine riesige Auflage und sei deshalb wichtig.

Zu denen, die sich für ihn interessierten, gehöre auch "Weltwoche-Alleinherrscher" Roger Köppel. "Man kann über Köppel vieles sagen, aber der Mann ist nicht nachtragend: Er versuchte mich später zur 'Weltwoche' zu holen - doch O-Ton-Köppel, 'leider schwimmen Sie lieber bei der WOZ im Medienmainstream mit.' So etwas meint der Mann wirklich ernst."

Schliesslich windet Ryser der "Woz" ein Kränzchen, erklärt warum er ihr den Rücken kehrt und nun zur "Magazin"-Redaktion übertritt. "Ich bin nicht abgeworben worden. Und es ist auch kein Abgang im Streit oder eine Flucht wie damals beim 'St. Galler Tagblatt'. Die "Woz" ist das Beste, was mir als Journalist bisher passiert ist."


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