06.05.2004

Peter Uebersax

Darum verliert der Blick seine Leser

"Mit Lammfrömmigkeit gegenüber der Obrigkeit erwirbt man sich keine Lorbeeren."

Der ehemalige Blick-Chefredaktor Peter Uebersax meldet sich in der Weltwoche zu Wort. Er nimmt Stellung zum Thema Auflagesturz des Blicks, der 2003 17'000 Exemplare weniger verkauft hat als noch ein Jahr zuvor. Uebersax sieht unter anderem ein Problem in der Anständigkeit des heutigen Blicks: "Mit Lammfrömmigkeit gegenüber der Obrigkeit erwirbt man sich keine Lorbeeren", urteilt der alte Medienhase.

Aber nicht nur alleine in der neuen Anständigkeit sieht der ehemalige Chefredaktor einen Grund für den Leserschwund. Uebersax nennt noch drei weitere Punkte: Erstens sollte eine Boulvardzeitung, wenn sie erfolgreich sein will, politisch eher rechts stehen. Dies sei mit Blick auf ähnliche Blätter wie zum Beispiel die Kronenzeitung oder Bild nachweisbar. Zudem sei es im "bürgerlichsten" Land Europas mit seiner grössten Partei, der SVP, umso nötiger, sich publizistisch an jene Wählerschaft zu halten.

Einen weiteren Problempunkt ortet der Autor in der "Verzettelung" des Blicks. Dies sei auf den Einfluss von Frank A. Meyer zurückzuführen, der auf einer Aufsplittung des Blicks in in unzählige Ressorts, Sonderseiten und Beilagen setzte. Uebersax ist der Meinung, dass eine Boulevardzeitung äusserlich aus einem Guss sein soll und keine Ressorts kennen dürfte. Weiter müssten die Seiten nach dem Newswert der Storys, mit einem Auge auf die richtige Mischung und Dramaturgie, zusammengestellt sein.

Das dritte Problemfeld sieht Uebersax im "News-Sens" des Blicks. Hier spricht der Autor den jetzigen Chefredaktor Werner De Schepper persönlich an. Dieser sehe und covere "World-Shakers" hervorragend, aber "dann erkennt man bisweilen den Newswert einer Meldung nicht und versenkt sie lieb- und fantasielos in eine schmale Randspalte, antstatt sie kreativ zu optimalem Impakt aufzubauen".

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