Neben TeleZüri und TeleBärn erwirbt der Aargauer Verleger Peter Wanner nun auch noch Radio 24 (siehe dazu auch Medienmitteilung von Tamedia. Lange musste er dafür kämpfen, umso mehr freut ihn der gelungene Deal. Im Gespräch mit persoenlich.com erzählt er, was er mit Radio 24 vorhat, warum er nun nach Basel schielt und woher er so viel Geld hat. Zum Interview:

Peter Wanner, herzliche Gratulation, Sie haben den Poker um Radio 24 gewonnen.
Ja, das ist wirklich ein tolles Vorweihnachtsgeschenk. Ich freue mich sehr.
Mussten Sie bis zum Schluss zittern?
Ein bisschen schon. Aber im Laufe der Verhandlungen zeichnete es sich ab, dass wir mit Tamedia eine Lösung finden würden. Gewissheit hat man jedoch immer erst am Schluss, wenn der Vertrag unterschrieben ist.
Wer genau steht hinter der BT-Holding? Wie unterscheidet Sie sich von den AZ Medien?
Die BT Holding gehört mir zu hundert Prozent. Sie hält 80 Prozent der AZ Medien, 100 Prozent von Radio Argovia und nun gehört auch Radio 24 dazu.
TeleZüri wurde von den AZ Medien übernommen. Warum nicht auch von Ihnen allein?
Es war schon immer so, dass das Radio mehrheitlich bei mir lag, die anderen Produkte bei den AZ Medien. Diese Trennung macht Sinn, weil verschiedene operative Führungen dahinter stecken und sie sorgt dafür, dass wir keinen Konzernjournalismus betreiben. Wir glauben nicht an die Konvergenz. Das heisst, die Radios sind unabhängig von den AZ Medien.
Zusammen mit TeleZüri und TeleBärn dürften Sie Tamedia ungefähr 60 Millionen Franken bezahlt haben. Woher haben Sie eigentlich so viel Geld?
Ich habe im Keller eine Gelddruckmaschine, die ich jeweils nachts bediene. (Lacht). Das mit den 60 Millionen stimmt übrigens nicht. Zugegeben: Wir hatten 2009 ein schlechtes Geschäftsjahr, machten aber danach unsere Hausaufgaben. Wir mussten umstrukturieren und die Prozesse optimieren. Bereits 2010 waren wir gut aufgestellt. Dieses Jahr wird es ein gutes Ergebnis geben und deshalb haben wir wieder auf Expansion geschaltet. Zudem haben wir genügend Liquidität, um diese Deals zu finanzieren.
Sie haben also keine unbekannten Gönner im Hintergrund?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin mein eigener Gönner.
Sie beklagten früher, dass die Zürcher Medien immer mehr in den Aargau vordringen, umgekehrt die Aargauer aber auf dem Weg nach Zürich zurück gebunden würden. Nun besitzen ausgerechnet Sie als Aargauer mit Radio 24 und TeleZüri zwei wichtige Zürcher Medien. Ist das nun eine Genugtuung?
Ein bisschen schon. Wobei ich selbst ein halber Zürcher bin. Erstens wohne ich im Limmattal, 300 Meter neben der Grenze und zweitens stammt meine Mutter aus der Zürcher Seidendynastie Emil Stehli. Dass ich nun Radio 24 und TeleZüri besitze, knüpft ein bisschen an diese Zürcher Unternehmenstradition an.
Und wie fühlen Sie sich gegenüber Roger Schawinski? Sein Name fiel in den ganzen Verkaufsverhandlungen um Radio 24 auch immer wieder.
Warum Tamedia das mir verkauft hat, müssen Sie Tamedia fragen. Mit Roger Schawinski hatte ich Kontakt. Schadenfreudig bin ich sicher nicht. Im Gegenteil: Er hat TeleZüri und Radio 24 aufgebaut und damit Grosses geleistet.
Konnten Sie den Preis etwas nach unten drücken, weil die Wirtschaftslage im Moment sehr angespannt ist? Oder mussten Sie mehr bezahlen, als sie ursprünglich wollten, weil das Interesse an Radio 24 sehr gross war?
Ich darf dazu nichts sagen. Es wurde Stillschweigen vereinbart.
Sie besitzen schon Radio Argovia. Wie soll die Zusammenarbeit mit Radio 24 aussehen?
Ich kann mir eine Zusammenarbeit im Werbemarkt vorstellen. Es sind zwei sehr starke, erfolgreiche Radios mit einer grossen Hörerschaft. Diese Achse tönt sehr vielversprechend.
Und redaktionell?
Hier sehe ich höchstens beim Korrespondentennetz eine Zusammenarbeit: Bundeshaus-, Sport- oder Auslandkorrespondenten könnte man teilen. Ansonsten müssen die beiden Radios unabhängig voneinander funktionieren.
Bleibt die ganze Redaktion von Radio 24 in Zürich oder könnten Sie sich eine Aufsplitterung vorstellen?
Nein, sicher nicht. Das ganze Radio 24-Team bleibt in Zürich. Eine Zusammenlegung war nie die Idee und wird auch nicht passieren.
Die beiden Sendegebiete überschneiden sich teilweise. Ist das kein Problem?
Sie überschneiden sich äusserst minim. Das spielt keine Rolle.
Planen Sie noch weitere Käufe?
Mehr Radios darf ich nicht kaufen. Im Gegenteil, ich muss eine Mehrheit an Radio 32 abgeben, damit ich Radio 24 kaufen darf. Nun müssen wir erst verdauen und konsolidieren, was wir eingekauft haben.
Und ein bisschen nach Basel schauen?
Das machen wir immer ein bisschen. Aber dort wird nicht so schnell etwas passieren.
Aber interessiert wären Sie schon an einer Kooperation mit der "BaZ"?
Auf jeden Fall. Aber das müssen beide Seiten wollen. Wir haben keine Berührungsängste.
Was steht als nächstes an?
Heute Abend ein feines Glas Wein mit meiner Familie. Dann hoffen wir, dass uns das Bakom bis Weihnachten das Ok für die Übernahme von TeleBärn gibt. Sobald wird dann auch die Bewilligung für Radio 24 erhalten, können wir mit der Umsetzung unserer Pläne beginnen.
Interview: Christine Schnyder

