
Das Verlagshaus AZ Medien kämpft derzeit an vielen Fronten. Nach der erfolgreichen Lancierung von "Sonntag" wird eine neue Gratiszeitung ins Auge gefasst, am Dienstag nun wurde überdies der Aufbau einer Online-Plattform bekannt gegeben. Wie bewältigt das Wanner-Unternehmen die vielen offenen Baustellen? "Wir wollen die richtigen Schritte zum richtigen Zeitpunkt machen", sagt Ueli Eckstein, COO und Leiter Printmedien bei der AZ Medien, im Interview mit "persoenlich.com".
Herr Eckstein, AZ Medien baut seine Online-Plattform aus. Reagiert das Verlagshaus damit auf den Vorstoss der Tamedia, einerseits mit der Gratiszeitung "News", andererseits aber auch mit der Lancierung des neuen News-Netzwerks?
Nein. Das ist keine direkte Antwort auf die Tamedia. Wir planen den Ausbau der Online-Aktivitäten seit einem Jahr. Die Lancierung von "News" hat diesen Prozess aber zweifellos beschleunigt.
Bleibt die Herausgabe einer eigenen Gratiszeitung ein Thema?
Ja, das ist jedoch ein anderes Thema. Der Ausbau der Online-Plattform kann unabhängig von der Lancierung einer Gratiszeitung realisiert werden.
Wovon hängt ab, ob die neue Gratiszeitung kommt?
Wir prüfen derzeit verschiedene Modelle und wollen herausfinden, was am meisten Sinn macht.
Überlegen Sie sich auch, eine Kooperation mit der Gratiszeitung ".ch" einzugehen?
Wie gesagt: zu den Modellen äussern wir uns nicht.
Wie stark spürt die AZ Medien denn "News" bereits?
Gar nicht. Wir stellen keine Veränderungen fest, weder auf dem Anzeigen- noch auf dem Lesermarkt. Es ist aber auch noch zu früh, ein klares Urteil abzugeben. Wir nehmen die Gratiszeitung grundsätzlich sehr ernst.
Welche Inhalte wollen Sie mit der neuen Online-Plattform anbieten?
Die neue Plattform beinhaltet Angebote des öffentlichen Lebens, darunter in den Bereichen "Suchen & Finden", Gewerbe, Gastronomie und Dienstleistungen. Sie wird zudem Serviceleistungen umfassen, beispielsweise zu den Themen Veranstaltungen und Ausgehen.
Sie betonen die Service-Leistungen. Handelt es sich bei der Online-Plattform also nicht um eine News-Website?
News sind sicherlich ein Teil der Plattform. Aber es geht in der Tat vor allem um Serviceleistungen jeder Couleur.
Wie nahe ist die neue Plattform an die "Aargauer Zeitung" angebunden?
Die neue Plattform hat gar nichts mit der "Aargauer Zeitung" zu tun, sie ist vollkommen selbständig. Natürlich kommt die "Aargauer Zeitung" darin vor, ebenso wie Radio Argovia, Tele M1 und alle anderen Titel der AZ Medien. Alle diese Titel und Sender behalten aber ihren eigenen Auftritt.
Die AZ Medien verfolgt im Verbund mit anderen Zeitungsverlegern ein Metaportal, das Inhalte der verschiedenen Zeitungen bündelt. Wie stark treibt Ihr Verlagshaus das Projekt voran?
Wir sind bei diesem Projekt dabei und werden es weiter mitverfolgen. Denn wir halten die Idee eines gemeinsamen News-Portals für gut, da es unsere Angebote ergänzen würde. Die Sache ist also für uns nicht vom Tisch, wenn auch zunächst die Realisierung der eigenen Plattformen im Vordergrund steht.
AZ Medien macht durch einen unheimlichen Aktivismus auf sich aufmerksam. Es ist noch kein Jahr her seit der Lancierung von "Sonntag", bereits hat man eine neue Gratiszeitung angekündigt, und nun baut man ein neues Online-Portal auf. Besteht da nicht die Gefahr, sich zu verzetteln?
Im Gegenteil: wir wollen die richtigen Schritte zum richtigen Zeitpunkt machen und wägen sehr genau ab, welches Projekt wir wann lancieren. So haben wir uns vor gut einem Jahr für "Sonntag" entschieden und im Herbst eingeführt. Nun haben wir uns für die neue Plattform entschieden und starten damit im kommenden Sommer. Bis alle Bausteine aufeinander liegen, wird es allerdings eine gewisse Zeit dauern.
(Interview: David Vonplon)

