Wie jedes Jahr versammelte sich am Dienstag die Schweizer Medienbranche zur Dreikönigstagung im World Trade Center. Nach Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument und Gabriele Siegert, Direktorin am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ), trat der neue SRG-Chef Roger De Weck ans Rednerpult: "Ich sehe es als meine Pflicht an der Spitze eines Unternehmens des Service Public, das vom Schweizer Volk finanziert wird, ein paar Gedanken anzustellen, was wir mit diesem Unternehmen im Jahr 2011 anstellen wollen", begann der frischgebackene Generaldirektor.
Klarere Strategie dank Veränderungen in der Führungsetage
In ungewissen Zeiten müsse man umso genauer wissen, wo man hin wolle und wie man die Chancen eines Umbruchs in der Medienbranche nutzen könne. Zu diesem Zweck habe man in der Generaldirektion und der Geschäftsleitung einiges geändert. "Namentlich haben wir ein Generalsekretariat unter der Leitung von Walter Bachmann aufgebaut, das die Fähigkeit zur Strategieentwicklung als Input zuhanden der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrat massiv stärken wird". Weitere Massnahmen, die er ergriffen hat, um den hohen Wellen zu begegnen, sind eine mit neu sieben Mitglieder kleinere Geschäftsleitung sowie der Entscheid, dass die Regionaldirektoren neu auch mit nationalen Aufgaben betraut werden ("persoenlich.com" berichtete). Neu geschaffen worden ist zudem die Stelle eines operativen Chefs (COO).
Entwicklung einer neuen Angebotsstrategie als oberste Priorität
Erste Priorität räumt De Weck der Entwicklung einer neuen Angebotsstrategie ein. Der Rest leite sich gewissermassen daraus ab. "Denn ein gutes Angebot ist wahrlich die raison d'être der SRG". Mittelpunkt dabei seien die Erwartungen der Gebührenzahlenden. Bei der Strategieentwicklung müssen verschiedene Herausforderungen in Angriff genommen werden. So nannte er einerseits die Wettbewerber aus dem In- und Ausland, andererseits insbesondere das neue Medienverhalten der Konsumenten.
Das Umfeld verändere sich rasch und nachhaltig. Finanzstarke ausländische TV-Stationen seien präsent. Neue Anbieter wie Apple, Google und nun auch Microsoft drängten in den TV-Markt. Weiter stelle die technologische Entwicklung die SRG vor grosse Herausforderungen. Die Einführung des hochauflösenden Fernsehens (HDTV) stehe bevor. Und mit dem hybriden Fernsehen (TV und Internet integriert) kündige sich die nächste Generation bereits an. Die SRG müsse jedoch trotz all diesen Entwicklungen Marktführerin im TV-Markt bleiben und sich diesen technologischen Herausforderungen stellen.
Qualität für die Masse
Als weitere wichtige Priorität nannte De Weck das Programm. "Das Lösungswort hier ist "qualité populaire". Das Ziel ist es, einem breiten Publikum Qualität zu bieten". Hier sei es keineswegs so, dass nur das Seichte hohe Einschaltquoten ermögliche. Als Gegenbeispiele nannte er die "Tagesschau" oder die Doku-Soap "Üsi Badi". An dieser Stelle gratulierte der SRG-Generaldirektor dem ehemaligen Chefredaktor Ueli Haldimann für seinen Mut, diese Serie im letzten Sommer zu lancieren.
Es solle weiterhin einzelne Angebote im Programm geben, die auf ein intellektuelles Publikum zugeschnitten sind, doch sei es die Kernaufgabe, jede Schweizerin und jeden Schweizer zu erreichen. Inspiration für das Programm will De Weck künftig vermehrt auch aus den anderen Landesteilen gewinnen.
Diplomatisches Statement zur Frage der Online-Werbung
Zurückhaltend gab sich der Generaldirektor, als er von Moderatin Josefa Haas, Leiterin Medieninstitut, auf die brisante Thematik der Online-Werbung angesprochen wurde. Die privaten Verleger wehren sich dagegen, dass die SRG online Werbung schalten darf. De Wecks Statement: "Der Bundesrat hat die Verleger und die SRG dazu aufgerufen, zusammen zu sitzen und nach Lösungen zu suchen. Deshalb sollten wir das auch tun, aber unter uns und nicht in aller Öffentlichkeit".
(Text: Corinne Bauer und sda)

