04.12.2025

Weltwoche

Das machte Roger Köppel bei den Taliban

Der Weltwoche-Chef und Ex-SVP-Nationalrat bereiste während rund zehn Tagen Afghanistan. In der aktuellen Ausgabe schildert er seine Beweggründe.
Weltwoche: Das machte Roger Köppel bei den Taliban
Berichtet aus Kabul: Weltwoche-Chef Roger Köppel. (Bild: Screenshot weltwoche.ch)

Weltwoche-Verleger Roger Köppel berichtete während anderthalb Wochen in seiner täglichen Videosendung aus Afghanistan, das er in dieser Zeit bereiste. Dies, obwohl das EDA auf seiner Homepage von einer solchen Reise abrät. In der aktuellen Ausgabe des Wochenblatts schildert er in einer mehrseitigen Reportage unter dem Titel «Wir beten für Frieden in Europa» das Land, das sich seit 50 Jahren im Kriegszustand befindet und Millionen von Toten zu beklagen hat. Begleitet wurde Köppel auf seiner ungewöhnlichen Reise von Fotograf Caspar Martig, der unter anderem für das DU, das Magazin oder NZZ Folio arbeitet.

In den Gebirgsschluchten des Hindukusch verschleppt

«Ich male mir aus», so Köppel, «was, wenn mich eine verrückt gewordene Islamistengruppe kidnappt? Man stelle sich die Schlagzeilen vor: Ehemaliger Schweizer Nationalrat, Journalist, eingebildeter Kara Ben Nemsi Effendi wird auf den Spuren von Karl May in den Gebirgsschluchten des Hindukusch verschleppt, Gipfel der Dummheit, der Wichtigtuerei und der Verantwortungslosigkeit!» Ausschlaggebend für die Reise sei dann aber die Schilderung eines namentlich nicht genannten Schweizer Unternehmers gewesen, der selbst Afghanistan bereiste und als Hauptsicherheitsrisiko den Strassenverkehr bezeichnete. Inspiriert zu seiner Afghanistan-Reise habe ihn ein im Westen aufgewachsener Deutsch-Afghane, der früher ein aussichtsreicher Fussballjunior in München gewesen sei. Kennengelernt habe er ihn bei einem Fussball-Wohltätigkeitsturnier in Moskau. Dabei habe ihm dieser immer wieder von seinem Heimatland Afghanistan vorgeschwärmt.

Eidgenossen als Afghanen Europas

Köppel gibt zu, dass er anfänglich keine Ahnung von Afghanistan gehabt habe. Er sei völlig «ergebnisoffen» in das Land eingereist, das «bei uns ja eine denkbar schlechte Presse» habe. So gälten die regierenden Taliban «als mittelalterliche Finsterlinge mit Bart, als Frauenunterdrücker und Sponsoren des Terrorismus. Mal sehen, was herauskommt, wenn wir die Schlagzeilen mit der Wirklichkeit konfrontieren», so der Weltwoche-Chefredaktor. Via Istanbul reiste Köppel in die Millionenstadt Kabul und damit in ein Land, das ihn als Binnenland an die Schweiz erinnert. Sein erstes Fazit: Vor Hunderten von Jahren seien die Eidgenossen die Afghanen Europas gewesen. «Guerillakrieger, Meister der asymmetrischen Taktik, bärtige, Hellebarden schwingende Freiheitshooligans, unter sich zerstritten, aber geeint, wenn mächtigere Nachbarn, Könige, Kaiser, Eroberer ins Land und auf die begehrten Alpenpässe drängten. Ihre einzigen Verbündeten waren Gott und ein für Eindringlinge feindseliges Gelände», so der Weltwoche-Chef.

Bei seiner Reise habe er auch verschiedene Exponenten des Regimes getroffen, wie beispielsweise den Kultusminister oder den Chefspion der Taliban, die ihm einen Einblick in das Land gaben. «Ich bin etwas verwirrt. Ist es möglich, dass wir im Westen, in der Schweiz so falschliegen? Vielleicht. Afghanistan, so viel habe ich bis jetzt begriffen, ist ein kompliziertes, vielschichtiges Land. Hüten wir uns davor zu glauben, wir würden, wir könnten es verstehen. Es gibt viele Wahrheiten. Und immer stimmt wohl auch das Gegenteil. Den Afghanen traue ich zu, dass sie besser wissen als wir, was gut ist für Afghanistan.» Köppel rät, die westliche Brille wegzulegen.

Lindt-Schokolade, Kellogg's Cornflakes und Gesundheitsprobleme

Viele seiner Daily-Sendungen, so Köppel, habe er aus dem Inneren von Supermärkten aufgezeichnet, in denen man alles bekomme. In einem Shop für Gutbetuchte gebe es sogar zu sehr erhöhten Preisen Lindt-Schokolade, Kellogg's Cornflakes, Gillette-Rasierer, Nutella und vieles mehr. Günstiger sei das Einkaufen hingegen an einer der vielen Geschäftsstrassen, an denen sich Laden an Laden reihe. Trotzdem sei die Gesundheitslage im Land katastrophal. Im ersten Teil schildert der Weltwoche-Verleger vor allem seine Gespräche mit den Exponenten des Regimes, ohne eine weitere Wertung vorzunehmen.

Im zweiten Teil seiner Reportage, die nächste Woche erscheint, will er über seine Fahrt ins Pandschir-Tal sowie Scharia und Frauenrechte berichten. Wichtig, so Köppels erstes Learning, sei es gewesen, den Afghanen niemals direkt in die Augen zu schauen. (ma)

 


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KOMMENTARE

Peter Eberhard
05.12.2025 09:29 Uhr
Ich bin mir nicht so sicher, ob ein Kidnapping von Köppel bei uns Schlazeilen zur Folge gehabt hätte. Aber immerhin wissen wir jetzt, dass man in Afghanistan Lindt-Schoggi kaufen kann. Also kann die Situation in diesem Land doch nicht so schlimm sein.
Peter Jaeggi
05.12.2025 08:02 Uhr
"Mal sehen, was herauskommt, wenn wir die Schlagzeilen mit der Wirklichkeit konfrontieren...»: Aha, in zehn Tagen findet er`s heraus! Chapeau! Das nennt man Journalismus.
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