Herr Wanner, trotz Hochkonjunktur ist der Gewinn der AZ Medien im vergangenen Jahr von 14 Mio. auf 10,6 Mio. Franken gefallen. Was ist schiefgelaufen?
Das Ergebnis ist durchzogen, und ich bin damit nicht zufrieden. Für den Rückgang gibt es zwei Erklärungen: Einerseits haben wir in der Gruppe einige Baustellen, anderseits tätigten wir 2007 hohe Investitionen.
Wo drückt der Schuh am heftigsten?
Wir hatten erstens Probleme im Druck, darunter Schwierigkeiten mit Maschinen, was in Aarau zu massiven Verzögerungen bei der Auslieferung geführt hat. Hinzu kamen Schwierigkeiten in der Druckerei von Subingen, die wir derzeit beheben. Zweitens erlitten die elektronischen Medien im nationalen Werbegeschäft einen Rückschlag. Drittens müssen wir unsere neueste Tochtergesellschaft, die Basellandschaftliche Zeitung, auf Vordermann bringen. Die grösste Baustelle ist aber viertens das lokale Anzeigengeschäft.
Hier hapert es mit den Einnahmen.
Genau, und das belastet den Abschluss der AZ Medien massiv. Publicitas vermarktet für uns Inserate. Mit ihrer Verkaufsleistung sind wir aber gar nicht zufrieden. Das betrifft wie gesagt das lokale Geschäft. Landesweit gesehen boomt der Verkauf von Stelleninseraten weiterhin. Hier profitieren wir von der guten Konjunktur.
Was machen Sie, um die Probleme bei den lokalen Anzeigen zu lösen?
Wir führen mit Publicitas intensive Gespräche über unsere Verträge und über weiterführende Lösungen. Die AZ Medien werden im lokalen Anzeigenmarkt aber auf jeden Fall wieder selber aktiv werden. Dafür haben wir die Media Factory gegründet.
Wie steht es mit den Lancierungskosten des "Sonntags"?
Wir haben die Projekt- Kosten für den "Sonntag" direkt abgeschrieben. Die Zeitung läuft sehr gut, sie ist eine Erfolgsgeschichte. Bei den Inseraten stehen wir besser als budgetiert da, und die Redaktion leistet hervorragende Arbeit.
Wie sehen die Leserzahlen aus? Die Abonnenten der MZ bekamen den "Sonntag" dreieinhalb Monate gratis. Wie viele haben sich nun für ein festes Abonnement mit sieben Ausgaben der MZ entschieden?
Rund 95 Prozent.
Die Proteste, weil der "Sonntag" im leicht höheren AZ-Abo-Preis enthalten ist, haben sich inzwischen gelegt?
Ja. Ich gebe aber zu, wir haben einen sanften Zwang ausgeübt. Das mussten wir tun, weil wir von Anfang an eine hohe Auflage brauchten, sonst wäre die Werbung nicht gekommen. Da der "Sonntag" aber wirklich einen Mehrwert darstellt, sind die Proteste verstummt. Immer mehr Leute finden das Angebot attraktiv.
Beim "Sonntag" sind die AZ Medien offen für weitere Partner. Wie weit sind die Verhandlungen?
Mit der "Neuen Luzerner Zeitung" ("NLZ") waren wir fast ins Geschäft gekommen. Die "NZZ", die Muttergesellschaft der "NLZ", hat das Projekt aber gestoppt. Inzwischen sind wir mit der "NLZ" jedoch wieder ins Gespräch gekommen.
Und mit weiteren Partnern?
Gespräche laufen, sie sind aber noch nicht sehr konkret. Grundsätzlich gilt: Unser Modell des "Sonntag" mit den regionalen Bünden ist exportierbar.
Ein weiteres Grossprojekt ist eine Gratiszeitung. Die Lancierung wurde mehrmals verschoben. Warum zögern Sie?
Das Projekt ist entscheidungsreif. Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen verändert. Einerseits scheint sich die Konjunktur abzukühlen. Anderseits zögere ich, weil die Gratiszeitungen ausser "20 Minuten" keinen Erfolg haben. Weder bei den Werbern noch bei den Lesern sind sie gut angekommen. Eine Alternative zu einer neuen Gratiszeitung wäre es deshalb, in die MZ zu investieren. Wir werden noch im ersten Halbjahr dazu einen Entscheid fällen.
Wann käme die Gratiszeitung auf den Markt?
Entweder im Spätherbst oder im Frühling 2009.
Haben die Gratiszeitungen die Inseratepreise oder die Anzeigevolumen unter Druck gebracht?
Die Volumen sind leicht gesunken, wobei wir nicht wissen, ob dafür die Gratiszeitungen verantwortlich sind oder ob es konjunkturelle Gründe gibt. Die Preise der Inserate geraten generell unter Druck, und dies unabhängig davon, dass gewisse Gratiszeitungen teilweise sehr tiefe Inseratepreise offerieren.
Sie haben die Gefahr eines Abschwungs angesprochen. Bereiten sich die AZ Medien auf einen Stellenabbau vor?
Noch gehe ich von einem stabilen Personalbestand aus. Allerdings hängt alles von der Entwicklung der Konjunktur ab. Ich kann einen Stellenabbau nicht ausschliessen, falls es eine Rezession geben sollte.
(Das Interview erschien am Mittwoch 7. Mai in der "Mittelland Zeitung". Interview: Daniel Imwinkelried)

