20.09.2016

Medienqualitätsrating

Das sind die besten Schweizer Medien

Wie gut sind unsere Zeitungen, Onlineportale, Radio- und TV-Sender? Im am Montag veröffentlichten Ranking brillieren vor allem das Schweizer Radio und Fernsehen sowie die «NZZ» und «NZZaS». Wer fällt sonst weiter auf? Ein Überblick über die 43 untersuchten Titel.
Medienqualitätsrating: Das sind die besten Schweizer Medien
Die «NZZ am Sonntag» gewinnt in der Kategorie Sonntagszeitungen und Magazine. (Keystone/Ennio Leanza)
von Edith Hollenstein

Keine Notenkonferenz wie in der Schule sei das, trotzdem aber brauche es dieses Ranking, sagte Stiftungspräsident Markus Notter am Montag vor rund zwei Dutzend Personen an der Medienorientierung im Landesmuseum Zürich. Ziel des Medienqualitätsrankings (MQR) sei, die Qualität der Medien zu fördern und zu diskutieren.

Wirtschaft braucht gute Medien

Auch die Wirtschaft sei auf qualitativ hochstehende Medien angewiesen, ergänzte Bruno Gehrig. «Wenn die Medienberichterstattung qualitativ hoch ist, hat das einen positiven Einfluss auf die politische Entscheidungsfindung – es werden ausgewogenere, fundiertere Lösungen gefunden». Gehrig, bis vor Kurzem Verwaltungsratspräsident der Swiss, gehört zu den Stiftern des Projektes. Neben der Airline unterstützen neun weitere Firmen das Vorhaben, darunter ABB, Amag oder Denner. Sie zahlen je 10‘000 bis 50‘000 Franken an den Stifterverein Medienqualität, sodass die nötigen 450'000 Franken zusammen kommen.

Inhalt und Publikumserwartungen analysiert

Das am Montag vorgestellte MQR setzt sich aus drei Modulen zusammen:

Zum einen die Qualität der Berichterstattung. Hierzu wurden über 18‘000 redaktionelle Beiträge analysiert und bewertet. Verantwortlich dafür ist das Forschungsinstitut für Öffentlichkeit und Gesellschaft fög von Mark Eisenegger.

Zum anderen wurde die Qualitätswahrnehmung durch die Leser untersucht. Mit einer Umfrage unter 1’600 repräsentativ ausgewählten Personen ermittelten die Forscher von der Universität Fribourg unter der Leitung von Diana Ingenhoff Angaben darüber, wie das Publikum die Qualität der Medien einschätzt.

Dritter Teil fehlt

Vorgesehen gewesen wäre zudem ein dritter Teil, in dem die redaktionsinternen Qualitätssicherungsstrukturen analysiert hätten werden sollen. Da sich einige Verlage und auch der Verband Schweizer Medien quer legten und die Zusammenarbeit verweigerten, konnte dieser Teil nicht fertig gestellt werden. Von den 43 Medientitel haben Vinzenz Wyss und sein Forscherteam von der ZHAW Winterthur bislang erst 10 untersuchen können. «Wir hoffen und sind zuversichtlich, dass die Redaktionen kooperieren, wenn sie erste Auswertungen unserer Arbeit sehen», sagte Wyss am Montag.

Hier ein Überblick über die ausgewerteten Medientitel, gegliedert in vier Gruppen. Die Erstplatzierten werden mit dem «Goldenen Q» ausgezeichnet:

1. Tages- und Onlinemedien: Siegerin «Neue Zürcher Zeitung»/nzz.ch

Die erste Gruppe besteht aus den traditionellen Zeitungen und deren jeweiligen Onlineausgaben. Insgesamt sind es 19 Titel: Aargauer Zeitung, Basler Zeitung,  bazonline.ch, Berner Zeitung, bernerzeitung.ch, Neue Luzerner  Zeitung, luzernerzeitung.ch, Neue Zürcher Zeitung, nzz.ch,  Südostschweiz, Tages-Anzeiger, tagesanzeiger.ch, watson.ch, 24 heures, 24heures.ch, Le Nouvelliste, lenouvelliste.ch, Le Temps und letemps.ch

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Aufgefallen:

  • Watson liegt abgeschlagen am Schluss. Die Forscher erklären dies mit dem «hybriden Charakter» des Mediums, also mit dem bunten Durcheinander von Soft- und Hardnews. Weil sich Watson auch laut Eigendeklaration mit den etablierten Qualitätsmedien messen wolle, hätten die Forscher entschieden, das AZ-Onlineportal mit anderen Tageszeitungen zu vergleichen. «Hätten wir Watson der Gruppe Boulevard und Pendlermedien zugeordnet, hätte das Portal einen Spitenplatz belegt», sagten die Forscher.

  • Bei den meisten untersuchten Titeln korrellieren die Werte aus der Inhaltsanalyse mit denjenigen aus der Publikumsbefragung. Nicht so bei der «Basler Zeitung»: Bei der Publikumsumfrage erreicht die BaZ tiefe Werte, während sie dagegen bei der wissenschaftlichen Analyse der Inhalte höhere Werte schafft.

  • Die «St. Galler Tagblatt» und der «Bund» wurden nicht ins Ranking aufgenommen, weil man sich aus finanziellen Gründen auf 43 Titel habe beschränken müssen – «auf die reichweitenstärksten» .

 

 

2. Sonntagszeitungen und Magazine: Siegerin «NZZ am Sonntag»

Die zweite Gruppe umfasst wöchentlich erscheinende Presseerzeugnisse, insgesamt sechs Medientitel: NZZ am Sonntag,  Schweiz am Sonntag, SonntagsBlick, SonntagsZeitung, Weltwoche und Le Matin Dimanche

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Aufgefallen:

  • Der «Sonntagsblick» rangiert als leserstärkste Sonntagszeitung ganz am Schluss. Positiv könne man anführen, dass der Sobli im Vergleich mit den anderen Boulevardmedien die höchsten Werte erhalte, sagten die Forscher

  • Die linke Wochenzeitung «WOZ» wurde nicht ins Ranking aufgenommen. Der Grund dafür liegt wiederum in der Beschränkung auf 43 Titel.

 

 

3. Boulevard- und Pendlerzeitungen:  Siegerin 20minuten.ch

Die dritte Gruppe besteht aus Boulevard- und Pendlerzeitungen mit ihren Print- und Onlineausgaben. Sie umfasst insgesamt acht Titel: 20 Minuten, 20minuten.ch,  Blick, blick.ch, 20 minutes, 20minutes.ch, Le Matin und lematin.ch

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Aufgefallen:

  • «Blick» und blick.ch schaffen es nicht an die Spitze, sondern liegen hinter 20minuten.ch zurück.

  • Anders als bei den Tageszeitungen liegen bei den Boulevard- und Pendlermedien deren Onlineausgaben punkto Qualität nicht hinter den Printausgaben zurück, sondern es sei teilweise umgekehrt: Online sei die Qualität höher als im Print, heisst es im MQR.

 

 

4: Radio- und Fernsehsendungen: Siegerin «Echo der Zeit»

Die vierte Gruppe umfasst private und öffentliche-rechtliche Radio- und TV-Infosendungen, also insgesamt zehn Titel: SRF Tagesschau,  SRF 10 vor 10, TeleZüri – ZüriNews, SRF Rendez-vous, SRF Echo  der Zeit, srf.ch/news, Léman Bleu – Le Journal, RTS Le Journal,  RTS Le 12h30 und rts.ch/info

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Aufgefallen:

  • srf.ch/news und die SRF-Radio- und -TV-Sendungen liegen relativ nah beieinander, vor allem wenn man die Dimension der Publikumswahrnehmung betrachtet

  • Die Forscher haben sich bei der Auswertung für acht öffentlich-rechtliche Angebote entschieden. Dem stehen nur gerade zwei private gegenüber.


«Echo der Zeit» gewinnt Gesamtrating

Die SRF-Radiosendung «Echo der Zeit» gewinnt nicht nur in seiner Kategorie, sondern schwingt auch im Vergleich mit allen anderen Medien oben aus. Das «Echo» lege den Fokus auf wichtige Ereignisse und relevante Zusammenhänge und pflege gleichzeitig eine vielfältige, einordnende, sachliche und unabhängige Berichterstattung, wie kein anderer Medientitel, heisst es in den Ergebnissen, welche im Detail auf mqr-schweiz.ch nachzulesen sind.

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Mit Blick auf die gesamten Ergebnisse ist laut den Forschern auffällig, wie stark die Wahrnehmung des Publikums mit den Ergebnissen der wissenschaftlichen Inhaltsanalyse übereinstimmen. Fast alle Medientitel, deren Berichterstattung inhaltlich nach demokratie-relevanten Kriterien eine hohe Qualität aufweisen, würden auch von den Befragten als qualitativ hochwertig eingestuft.

Für die Wissenschaftler ist das ein Indiz dafür, dass die von ihnen angewendeten Messkriterien gerechtfertigt sind. (eh)



Anleitung zum Lesen der Grafiken: Die horizontale Dimension zeigt die Berichterstattungsqualität (Inhaltsanalyse, während die vertikale Dimension Angaben über die Qualitätswahrnehmung (Befragung) beim Publikum macht.Das bedeutet beispielsweise für die letzte Grafik: Die Sendung «Echo der Zeit» erzielt sowohl in der Dimension der Berichterstattungsqualität (Inhaltsanalyse) als auch bei der Qualitätswahrnehmung (Befragung) die besten Ergebnisse der 43 Titel.



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