30.01.2011

SRG

De Weck gibt Marsch-Richtung vor

SRF-Journalisten sollen Relevantes interessant aufbereiten.

Der neue SRG-Generaldirektor Roger de Weck will mehr Recherchierjournalismus, auch im Internet Werbung schalten und in Kooperation mit Ringier, Tamedia und NZZ die Konkurrenz von Facebook und Google abwehren. In einem Interview mit der "NZZ am Sonntag" skizzierte er seine Vorstellungen über diezukünftige SRG.

Angesprochen auf seine neue Tätigkeit bei der SRG sagt de Weck, dass ihm der neue Job gefalle und dass ihn die Kolleginnen und Kollegen beeindrucken. "Sie identifizieren sich aussergewöhnlich stark mit dem Unternehmen und dem Service-public-Auftrag. Das ist ein enormes Know-how im Dienst des Gemeinwesens." De Weck ist der Meinung. dass die SRG-Journalisten die Polarisierung sachgerecht abbilden, aber nicht aus Lust am Spektakel zusätzlich zur Polarisierung beitragen sollen. Die Aufgabe der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG sei es, die politischen Verhältnisse zu spiegeln - und nicht, sie zu gestalten. Angsprochen auf eine neue "Arena", lanciert von einem Privatsender, antwortet de Weck: "Das würde mich freuen. Ich mag den Wettbewerb, allen tut er gut."

De Weck sieht die Aufgabe der SRG darin, dem breiten Publikum komplexe Zusammenhänge zu vermitteln. Dazu soll nicht nur das Interessante aufgegriffen werden, sondern das Relevante interessant aufbereitet werden. Ausserdem trage die SRG im Land der vier Kulturen zu einem gemeinsamen öffentlichen Raum bei - "eine Daueraufgabe, hier werden wir zulegen", sagte de Weck.

Auch will er trotz Sparauftrag die Tradition des Recherchierjournalismus bei der SRG bestärken und vermehrt in die Geschichte der Schweiz eintauchen: "In Umbruchzeiten interessieren sich viele Schweizerinnen und Schweizer für ihre Wurzeln - für Geschichte. Hier können wir ebenfalls noch stärkere Akzente setzen."

De Weck will auch, dass sich die SRG deutlicher von privaten Anbietern abhebt, und zwar "querbeet durchs Programm", weil sie sonst ihre Legitimation verliere. Die SRG solle volksnah und attraktiv bleiben, beispielsweise, indem erst recht auf Starmoderatoren gesetzt werde.

Die Hauptkonkurrenten seien nicht in der Schweiz, sondern es seien die grossen Sender der Nachbarländer. Und bald kämen Google TV, Apple TV oder Microsoft TV hinzu. Die SRG müsse in der Globalisierung Garantin eines eigenständigen Schweizer Angebots sein.

Im Interview mit der "NZZ am Sonntag" fordert de Weck die privaten Schweizer Medienhäuser dazu auf, über die Zukunft des Medienplatzes Schweiz in der Globalisierung zu debattieren und sich gemeinsam der Konkurrenz von Google und Facebook zu stellen. Weil die Schweiz im globalen Massstab ein Zwerg sei, liege es im Interesse aller schweizerischen Medienhäuser, einander zu stärken, statt zu schwächen. Deshalb brauche es "Coopetition", eine Mischung aus Kooperation und Kompetition, Wettbewerb. "Einerseits Kooperation im beidseitigen Vorteil, etwa bei der Werbung; andererseits Konkurrenz beim Angebot."


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