18.10.2011

SRG

De Weck rechnet mit schwarzer Null

Kritik an "Weltwoche" und Boulevard-Medien.

"Wir werden dieses Jahr eine schwarze Null schaffen", sagte Roger de Weck, SRG-Generaldirektor, am Montag anlässlich eines Podiums im Kaufleuten in Zürich. Falls es nicht zu einem heftigen Konjunktureinbruch komme, sei dieses Ziel 2011 zu schaffen. Nach fünf aufeinanderfolgenden Verlustjahren sollte der beim Amtsantritt angekündigte Überschuss demnach erreicht werden.

Im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo, nun seinerseits Chefredakteur von "Die Zeit", ging es vor allem um drei Themen: den Service-Public-Auftrag, den Quotendruck und den generellen Zustand des Journalismus. Das Gespräch verlief ruhig und sehr authentisch, ohne in Nebensächlichkeiten oder sinnleerer persönlicher Profilierung auszuufern.

Service-Public vs. Quoten

Im Zusammenhang mit dem Service-Public erläuterte de Weck nochmals seine Definition und verdeutlichte, dass auch Unterhaltung Teil des Auftrags sei. Dabei solle die SRG intelligente Unterhaltung bieten - mit Wissensvermittlung oder Wortwitz Vergnügen bereiten. Angesprochen auf die Absetzung der Miss-Schweiz-Wahlen erklärte er: "Dass diese Show tatsächlich so beliebt ist, folgt einer Legende." Mit Blick auf die Quoten sehe man, dass der Schönheitswettbewerb vor allem die Deutschschweiz beschäftige, während sich die lateinische Schweiz kaum dafür interessiere. "Solche Rankings sind eine germanische Sache", bilanzierte de Weck. Die SRG-Programme sollten möglichst keine "billige Kopie der privaten Sender sein", sondern Dinge tun, die der Quote nicht unbedingt förderlich seien. In diesem Bestreben habe man zum Beispiel die Sendung "Kulturplatz" auf einen früheren Sendeplatz verlegt. Trotzdem müsse das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen aber eine möglichst breite Bevölkerungsschicht ansprechen. Als Beispiele für hochstehende, volksnahe Unterhaltung nannte der SRG-Chef "SF bi de Lüüt" und die Satiresendung "Giaccobo/Müller".

Konfrontativer Stil in den Medien

Konfrontiert mit einem "Weltwoche"-Titelbild, aufdem verschiedene Schweizer als Verbrecher abgebildet waren, sagt de Weck: "Solche Sachen sind Ausdruck einer Verrohung politischer Sitten. Dieses Land war stolz auf seine politische Kultur, diese wird beschädigt." Das Blatt von Roger Köppel und die Boulevardmedien bedienten sich des Schlagabtausches, statt dem erkenntnisorientierten Dialog. Damit werde der politischen Kultur irreparablen Schaden zugefügt, der nicht so rasch wieder herzustellen sei. Die politisch-mediale Debatte solle sich nicht zu einem offenen Disput entwickeln, sondern die Akteure sollten lösungsorientiert zusammenarbeiten. De Weck rief in Erinnerung, dass Medien "Kinder der Aufklärung" seien und daher Debatten versachlichen sollten, statt ihrerseits agressive Töne anzuschlagen. (eh)


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