An der Förrlibuckstrasse laufen die Vorbereitungen für das neue Heft bereits auf Hochtouren. "Wir sind derzeit daran, die Detailkonzepte auszuarbeiten", erklärt Hosang gegenüber "persoenlich.com". Bereits haben er und Remo Leupin, Leiter Projekte beim "Beobachter", ihre Netze ausgeworfen, um eine schlagkräftige Redaktion aufzubauen. Wie viele Personen für die publizistischen Belange eingestellt werden, ist noch unklar: "Wir haben die Kosten zwar schon budgetiert, die wir für die Redaktion benötigen. Noch nicht entschieden ist jedoch, welchen Anteil der Mittel wir in feste Redaktionsstellen fliessen lassen wollen und welchen Anteil in Honorare." Ein billig produziertes Schnellleseprodukt soll es aber nicht werden: "Die personelle Ausstattung der neuen Redaktion soll gut genug sein, damit sie genau so professionell arbeiten kann wie der 'Beobachter'", so Hosang.
Inhaltlich will das Heft auf die Themen Natur und Umwelt fokussieren. Dabei soll laut Hosang durchaus auch eine bestimmte umweltpolitische Komponente vermittelt werden. Allzu weit aus dem Fenster lehnen will man sich allerdings doch auch wieder nicht "Wir haben nicht vor, ein linkes Kampfblatt zu lancieren", betont Hosang. Dies würde auch aus marktwirtschaftlicher Sicht kaum Sinn machen: Auflagenstarke Publikationen von Greenpreace und WWF decken dieses Feld bereits ab. Eine Nische dagegen besteht in der gemässigten, familienfreundlichen Aufarbeitung von Umweltfragen, ohne den moralischen Mahnfinger allzu hoch zu heben -- zumal keine nationale, unabhängige Zeitschriftentitel in dieser publizitischen Ecke vertrieben werden.
"Bei einer Vororientierung über das publizistische Projekt sind wir bei Axel Springer auf ein positives Echo gestossen, erklärt Hosang. Dass das publizistische Projekt grünes Licht erhält, ist nicht unwahrscheinlich. Mathias Döpfner hat sich stets dem "Beobachter" sehr zugetan gezeigt. So wurde er bereits nach der Übernahme des Jean Frey-Verlags Anfang 2007 nicht müde, vom grossen Potenzial der Marke "Beobachter" zu schwärmen.
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Redaktion einen neuen Titel unter der Dachmarke "Beobachter" zum Thema Familie ins Auge gefasst -- sich schliesslich aber dafür entschieden, das Thema als festen Bestandteil im bestehenden Heft zu integrieren. Den Verdacht, dass der "Beobachter" mit der neuen Publikation bloss auf der grünen Welle mitreiten will, schlägt Hosang in den Wind: "Wir lancieren die Zeitschrift nicht, weil grün nun gerade 'in' ist -- unsere Redaktion denkt nachhaltiger. Schon seit längerer Zeit sind wir daran, im Umfeld des 'Beobachters' Themenbereiche festzulegen, bei welchen man Line Extensions positionieren könnte. Wir haben dazu Leserschaftsforschung betrieben und sind zum Ergebnis gekommen, dass 'Natur und Umwelt' ein Themenbereich ist, den das Publikum aus unserer Küche schätzen würde."
Was die Auflage betrifft, liegen die Zielvorstellungen des Beobachters bei mindestens 50'000 Exemplaren. Nur dann könne eine solche Monatszeitschrift rentabel sein, so Hosang. Dass dieser Zielwert von einem Tag auf den anderen erreicht werden kann, glaubt er nicht: "Wir werden wohl eine Durststrecke durchlaufen müssen, bis wir diese Auflage erreichen." Einen starken Trumpf hat der "Beobachter" freilich in der Hand. Er kann darauf bauen, den Titel in der Anfangsphase den "Beobachter"-Abonnenten kostenlos zukommen zu lassen. Nur eine Beilage des Stammblattes soll die neue Publikation indessen nicht sein -- der grüne "Beobachter" soll als eigenständiger Titel auf den Markt gebracht werden.
(Text: David Vonplon)

