18.07.2019

SRF

«Der Entscheid gärte schon länger in mir»

Im März ist Schluss: Warum tritt Katja Stauber nach 27 Jahren ausgerechnet jetzt als «Tagesschau»-Moderatorin ab? Ein Gespräch über Gleichberechtigung bei Bildschirmpräsenz und ihre Pläne als Produzentin.
SRF: «Der Entscheid gärte schon länger in mir»
Katja Stauber moderiert bei SRF nicht nur die «Tagesschau», sondern wirkt diesen Sommer auch bei «Talk am Grill» mit. (Bild: SRF)
von Edith Hollenstein

Frau Stauber, wann werden Sie das letzte Mal und definitiv «Uf Wiederluege» sagen?
Vorgesehen ist März 2020, das genaue Datum steht noch nicht fest.

Gab es tatsächlich keine einzige «Tagesschau» ohne diesen Schluss?
Bei etwa 2'500 Sendungen, die ich moderiert habe, habe ich wirklich jedes Mal «Uf Wiederluege» gesagt. Einmal habe ich versucht, es wegzulassen, worauf ich so viel bedauernde Mails erhalten habe, dass ich es wieder eingeführt habe. Irgendwie gehört das offenbar einfach zu Katja Stauber…

Welches war die schwierigste Sendung, die Sie in den 27 Jahren moderiert hatten?
Es gab über diese lange Zeit natürlich immer wieder sehr schwierige Sendungen. Ich hatte aber wirklich das Glück über die ganzen Jahre nie mit grossen Pannen zu tun zu haben.

Und welches ist die lustige Episode aus dieser langen Zeit?
Ich weiss, es klingt langweilig, aber ich kann Ihnen da spontan wirklich nichts nennen.

«Der Entscheid hat überhaupt nichts mit Frau oder Mann zu tun»

Keine Frau hat diesen Job nur annährend so lange gemacht wie Sie: Warum treten Sie ausgerechnet jetzt kürzer?
Der Entscheid mich verändern zu wollen und nochmals etwas Neues anzupacken, vor allem auch einen Job mit Führungsaufgaben zu übernehmen, gärte schon länger in mir. Dann ergab eins das andere. Das Puzzle setzte sich perfekt zusammen, so dass es heute für mich stimmt, die Perspektive zu wechseln, heisst: hinter die Kamera zu treten.

Hätten Sie diese Entscheidung auch dann getroffen, wenn Sie ein Mann wären?
Der Entscheid hat überhaupt nichts mit Frau oder Mann zu tun. Nur mit der langen Zeit, in der ich diesen Job gemacht habe.

Fühlen Sie sich am Arbeitsplatz gleichberechtigt?
Bei SRF pflegen wir schon lange eine Kultur der Gleichberechtigung, in der «Tagesschau» sowieso. Die Leitung der «Tagesschau» hat mit Regula Messerli übrigens eine Frau.

Inwiefern spürten Sie Druck von aussen, etwa von SRF-intern, dem Publikum, den Medien, vor der Kamera kürzer zu treten?
Es gab weder von innen noch von aussen irgendwelchen Druck. Der Entscheid war ausschliesslich mein eigener.

«Alles muss schliesslich aus einem Guss kommen um 19.30 Uhr»

Was ist Ihre neue Aufgabe als Produzentin?
Man könnte sagen: Als Produzentin bin ich quasi die Dirigentin eines Orchesters. Jedes einzelne Instrument muss sitzen und mit den anderen harmonieren. Im Falle der «Tagesschau» heisst das: Vom Reporter über Korrespondenten – Berichte, Gespräche, Bilder, Grafiken, alles muss schliesslich aus einem Guss kommen um 19.30 Uhr. Für diesen Guss bin ich verantwortlich.

Wie können und wollen Sie in dieser neuen Funktion Schwerpunkte setzen und Kreativität einbringen?
Die «Tagesschau» steht für Glaubwürdigkeit, Seriosität und Fakten. Da wird es mit mir keine neue «Tagesschau» geben, kein Infotainment. Das würden die Zuschauer auch nicht wollen. Wir bleiben bei den gut recherchierten, politisch, gesellschaftlich und kulturell relevanten Fakten. Aber natürlich müssen wir am Puls der Zeit bleiben, noch zuschauerfreundlicher werden. Aber gerade die Konstanz ist es, die die Zuschauerinnen und Zuschauer schätzen.

Was würden Sie Ihrem Nachfolger oder Ihrer Nachfolgerin für einen Tipp auf den Weg geben wollen?
Meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger braucht keine Tipps von mir, man muss seinen eigenen Weg gehen.

 

 *Das Interview wurde schriftlich geführt.



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