23.04.2008

"Der erste Windstoss in Deutschland wird mich nicht umhauen"

Nach Roger Schawinski als Senderchef und Nik Niethammer als Chefredaktor vertraut Sat.1 für eine leitende Position ein weiteres Mal auf einen Schweizer. Christoph Bürge zieht von Bukarest nach Berlin und wird ab Mitte August Unterhaltungschef beim deutschen Privatsender. "persoenlich.com" hatte Gelegenheit, mit Bürge über seine neuen Aufgaben zu sprechen. Das Interview:
"Der erste Windstoss in Deutschland wird mich nicht umhauen"

Herr Bürge, wie ist es zum Stellenwechsel gekommen?

Das Mandat als CEO von SBS Broadcasting Romania ist auf drei Jahre befristet und läuft diesen Sommer aus. Ich hatte die Möglichkeit, den Vertrag zu verlängern, hatte aber Lust auf Neues. Innerhalb der Gruppe wurden mir dann verschiedene Optionen eröffnet und nach diversen Gesprächen hat sich die Anstellung als Entertainmentchef bei Sat.1 ergeben.

Hatten Sie genug von Rumänien?

Nein, ich hatte in Bukarest eine sehr interessante Zeit. Allerdings mit einer Intensität, die ich bisher noch nie erlebt habe. Für meinen Entscheid ausschlaggebend waren private Gründe. Ich wollte wieder näher bei meiner Familie sein.

Welche Aufträge für den neuen Entertainmentchef hat Sat.1 Ihnen gegenüber formuliert?

Es ist noch zu früh, um von konkreten Aufgaben zu sprechen. Ich arbeite noch in Rumänien. Es wird aber sicher einiges zu tun geben.

Das Herbstprogramm ist für jeden Sender sehr wichtig. Sie nehmen die Arbeit für Sat.1 erst Mitte August auf. Ist das nicht viel zu spät, um als Entertaimentchef noch Einfluss auf die Programmplanung zu nehmen?

Es ist klar, der Planungshorizont bei einem grossen Sender ist nicht kurzfristig. Natürlich stehe ich jetzt schon eng mit Matthias Alberti in Kontakt und bin über die strategischen Überlegungen informiert. Aber operativ werde ich erst im August für den Sender tätig.

Sie kennen nun die Fernsehmärkte der Schweiz, von Ungarn und Rumänien. Mit Deutschland wartet nun ein ganz hartes TV-Pflaster.

Heute sind alle TV-Märkte kompetitiv, die einen vielleicht etwas mehr als die anderen. Gerade was den Wettbewerb angeht, bläst in Rumänien mit 40 Fernsehsendern ein sehr rauher Wind. Ich glaube also nicht, dass mich der erste Windstoss in Deutschland gleich umhauen wird.

Der letzte Schweizer mit einem Chefposten bei Sat.1 war Nik Niethammer. Er konnte sich allerdings nur zwei Monate als Chefredaktor halten. Begeben Sie sich auf einen Schleudersitz?

Ich nehme Sat.1 als Arbeitgeber wahr, der auf grosse Kontinuität setzt. Viele Mitarbeiter sind schon sehr lange beim Sender.

Sie sind bei Roger Schawinski Aargauer Radioprojekt als Verwaltungsrat vorgesehen. Der ehemalige Senderchef von Sat.1 ist nach der Veröffentlichung eines Buches über seine Zeit in Berlin beim Sender nicht mehr bei allen gleich beliebt. Gab es deswegen keine Vorbehalte Ihnen gegenüber?

Meine Sympathien für Schawinskis Radioprojekt im Aargau liegen in meiner Herkunft begründet. Ich komme aus Baden. Zudem gefällt mir das Medienmonopol der AZ Medien in der Region nicht. Darum habe ich die Konzessionseingabe unterstützt. Falls Radio AG die Konzession erhält, was ich sehr hoffe, werde ich für den Radiosender aber weder operativ noch als Verwaltungsrat tätig sein, sondern mich vom Projekt zurückziehen. Mein zukünftiger Job schliesst es aus, dass ich ein Mandat in einem anderen Medienunternehmen wahrnehme. Eine geschäftliche Verbindung mit Roger Schawinski wird es also in Zukunft nicht geben.

Sie werden bei Roger Schawinski auch keine Ratschläge für Ihre künftige Tätigkeit einholen?

Ich werde mich an den Mitarbeitern orientieren, die jetzt beim Sender arbeiten.

(Interview: Stefan Wyss)


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