05.10.2012

Peter Wanner

"Der grosse Durchbruch steht noch bevor"

Aargauer Verleger feiert mit "Sonntag" Jubiläum.
Peter Wanner: "Der grosse Durchbruch steht noch bevor"

Der "Sonntag" feierte dieses Wochenende sein fünfjähriges Jubiläum. Für Verleger Peter Wanner ist dies eine besondere Genugtuung: Anfänglich wurden seinem Blatt nur wenig Überlebenschancen eingeräumt. Gegenüber "persönlich" äussert er sich zur Weiterentwicklung seiner Zeitung, die Expansionslüste nach Basel und den Radiostreit mit Roger Schawinski, welcher ihm den "Missbrauch seiner marktbeherrschenden Stellung" im Aargau vorwirft. Das Interview:

Herr Wanner, herzliche Gratulation, "Der Sonntag" feierte gestern seinen fünften Geburtstag. Hat das Blatt Ihre Erwartungen vollumfänglich erfüllt?

Ja, wir sind sehr zufrieden. Publizistisch erbringt die Redaktion des "Sonntag" eine Top-Leistung, um die uns manche beneiden. Kommerziell sind wir seit zwei Jahren 'break-even'. Der grosse Durchbruch steht aber noch bevor. Daran arbeiten wir.

Was müssen wir uns unter dem "grossen Durchbruch" vorstellen?

Wir sind mit dem "Sonntag" die klare Nummer eins in der Nordwestschweiz. Wir wollen jetzt aber noch stärker wahrgenommen werden und auch in der übrigen Schweiz verbreitet sein.

Schüchtern gefragt: Wie viel mussten Sie für den "Sonntag" bis anhin drauflegen?

Das hält sich in einem verkraftbaren Rahmen, im einstelligen Millionenbereich.

Chefredaktor Patrik Müller gilt mittlerweile als Kandidat für diverse andere Jobs. Beunruhigt Sie das?

Natürlich beunruhigt uns das. Aber wir hoffen, dass wir ihn halten können. Mit dem "Sonntag" haben wir noch viel vor.

Peter Wanner im Talk mit Viktor Giacobbo am 5-Jahresjubiläum vom "Sonntag".

Planen Sie für Ihre Sonntagsausgabe irgendwelche Erneuerungen?

Nein, die Zeitung kommt so, wie sie ist, sehr gut an. Aber wir werden fortan deutlich mehr ins Marketing investieren.

Könnten Sie diese Marketing-Investitionen noch etwas konkretisieren?

Wir befinden uns mitten in der Budgetphase. Zahlen kann ich keine nennen, aber "Der Sonntag" wird für Marketing und Werbung deutlich mehr Mittel bekommen. Im November starten wir mit einer Werbekampagne von Ruf Lanz.

Momentan sind Sie mit Radiopionier Roger Schawinski im Clinch wegen der Aargauer Radiokonzession. Schawinski unterstellte Ihnen auf persoenlich.com, dass Sie mit der Aargauer Regierung unter einer Decke stecken. Ist diese Nächstenliebe wirklich so gross?

Das ist mit Verlaub Schwachsinn. Schawinski verdreht bewusst die Dinge. Weder besteht 'Filz', wie Schawinski behauptet, noch stecken wir unter einer Decke mit der Aargauer Regierung. Im Gegenteil, wir haben ein sehr kritisches, distanziertes Verhältnis zur Regierung. Gegenseitiger Respekt, ja, aber mehr ist da nicht vorhanden. Zwei Beispiele: Die Chefredaktion hat jüngst die Aargauer Regierung als 'langweilig' bezeichnet. Das würde man nie machen, wenn 'Filz' bestünde. Den Ausdruck empfand ich übrigens als übertrieben, aber es ist die Freiheit der Redaktion, dies so zu schreiben. Zweites Beispiel: Die Regierung hat jährliche Druckaufträge von über 200'000 Franken während einiger Jahre ausserkantonal vergeben. Das hat uns zwar geärgert, doch wir müssen das akzeptieren, weil das Angebotsverfahren korrekt abgelaufen ist. Von 'Filz' ist hinten und vorne keine Spur, das ist einfach eine infame Behauptung.

Regierungssprecher Peter Buri war aber früher AZ-Chefredaktor. Da besteht doch eine gewisse Nähe.

Das ist wieder so eine Unterstellung. Heute kommt es häufig vor, dass Top-Journalisten Regierungssprecher oder Kommunikationsverantwortliche von Grossunternehmen werden. Buri ist Profi genug und überdies sehr integer. Er weiss, dass keine Mauscheleien – auch nicht im kleinsten Ansatz – erlaubt sind. Etwas anderes kann sich ein Regierungssprecher gar nicht erlauben. Seit seinem Seitenwechsel halten wir gegenseitig die erforderliche Distanz ein, beruflich wie persönlich. Buri weiss zwar viel über die AZ Medien, wir wissen aber herzlich wenig über die innere Mechanik der Regierung.

Schawinski behauptet auch, dass die Berichterstattung der Wanner-Medien zu diesem Thema "unlauter" gewesen sei. Wie viel Objektivität verträgt es im Aargau?

Das ist ebenfalls Quatsch. Nicht unsere Berichterstattung ist unlauter, sondern die Methode von Schawinski. Er hat Prognos beauftragt, im Aargau Opinion Leaders über das angebliche 'Meinungsmonopol' zu befragen. Prognos gab vor, dies im Auftrag des Bakoms zu machen – ob im Auftrag von Schawinski oder aus eigenem Antrieb, bleibt dahingestellt. Das war eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Bei einer Umfrage muss immer der Auftraggeber transparent gemacht werden. Sonst ist das nicht ehrlich. Jeder, der schon mit Meinungsumfragen zu tun gehabt hat, weiss, dass man die Fragen manipulieren kann, damit die gewünschten Antworten eintreffen. Deshalb ist es so wichtig für den Befragten zu wissen, wer der Auftraggeber ist. In Tat und Wahrheit hat Schawinski mit der Prognos-Befragung ein Eigengoal geschossen. Wenn er dabei behauptet, es bestünde im Aargau eine "schwarze Liste" und die Leute hätten Angst, die Wahrheit zu sagen, dann ist das eine weitere haltlose und bösartige Unterstellung.

Gibt es aus Ihrer Sicht eine Möglichkeit zu einer friedlichen Beilegung dieses Konflikts?

Nein, die gibt es leider nicht mehr. Schawinski hat diesen unnötigen Streit angezettelt. Er schiesst aus vollen Rohren und wirft mit Dreck um sich, nach der Methode 'es bleibt immer etwas hängen'. Wir erwarten noch eine Tonne Dreck, das heisst unwahre Behauptungen und Unterstellungen, die wir dann einzeln widerlegen müssen. Das ist zwar mühsam, aber wir legen alles transparent auf den Tisch, weil wir nichts zu verbergen haben.

Steht der Abgang von Patrik Müller als Radio-1-Kolumnist in Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit Roger Schawinski?

Nein, das war eine rein persönliche Entscheidung von Patrik Müller.

Wie verläuft der Fight um Radio Argovia weiter? Können Sie Ihr Radio behalten?

Nachdem die WEKO in einem Gutachten in drei von acht Teilmärkten eine Marktbeherrschung der AZ Medien/BT Holding festgestellt hat – übrigens ziehen wir den Inhalt dieses Gutachtens stark in Zweifel, weil es methodisch fehlerhaft und unwissenschaftlich ist –, geht es jetzt darum zu untersuchen, ob ein allfälliger Missbrauch dieser marktbeherrschenden Stellung vorliegt. Da wir eine weisse Weste haben, kann man nur mit abenteuerlichen Behauptungen und unwahren Unterstellungen etwas konstruieren, um einen nicht vorhandenen Missbrauch darzulegen. Das Verfahren wird noch eine Weile dauern. Ich hoffe aber, dass es vor dem Verschwinden der Tageszeitungen zum Abschluss kommt.

Denn das ist ja das Paradoxe: Die WEKO kommt in einer rein vergangenheitsorientierten Analyse zum Schluss, dass die "Aargauer Zeitung" marktbeherrschend sei, obwohl dieser Titel in ein paar Jahren vielleicht nur noch online erhältlich ist. Im übrigen darf man nicht vergessen, dass wir das bessere Gesuch eingereicht und die Konzession für Radio Argovia erhalten haben. Schawinski ging leer aus, weil sein Gesuch ungenügend war. Auch das Bundesverwaltungsgericht hat unser Gesuch als deutlich besser eingestuft. Trotzdem hat es die Beschwerde gutgeheissen, weil es bemängelt hatte, das Bakom habe versäumt, die allgemeinen Konzessionsvoraussetzungen näher abzuklären. Dies wird nun nachgeholt – in Graubünden übrigens auch. Wenn Schawinski wider Erwarten gewinnen würde, gäbe es im Aargau einen Volksaufstand. Denn Radio Argovia ist ausgesprochen populär, dagegen will im Aargau fast niemand Schawinskis Radio 1 hören, obwohl der Sender weitgehend im ganzen Kanton zu empfangen ist.

Interessant ist auch die Entwicklung in Basel: Mit Rolf Bollmann wurde ein langjähriger Tamedia-Mann Chef der Basler Zeitung. Hat dies Auswirkungen auf die Stellung der AZ Medien?

Bollmann kenne ich aus früheren Tagen gut, aber er hat natürlich auch gute Beziehungen zu anderen Verlagshäusern, insbesondere zu Tamedia. Ich schätze ihn ganz besonders auch als Fussballer, da haben wir immer spannende Diskussionen. Mal sehen, was daraus wird.

Wie feierten Sie das 5-Jahres-Jubiläum des "Sonntag"?

Mit einem kleinen Fest in der Stanzerei in Baden.

Lesen Sie im Zusammenhang mit dem "Aargauer Radiostreit" auch das Interview mit Roger Schawinski auf personlich.com.

Interview: Matthias Ackeret


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