16.04.2013

SWA

"Der heutige Zustand ist eine Zumutung für alle Beteiligten"

Direktor Roland Ehrler nimmt Stellung zum TV-Daten-Debakel.
SWA: "Der heutige Zustand ist eine Zumutung für alle Beteiligten"

Seit Wochen befassen sich die Schweizer Fernsehsender, verschiedene Vermarkter und nun auch Richter mit der Veröffentlichung der neuen TV-Quoten. Es sieht derzeit so aus, dass bald eine einvernehmliche Lösung mit allen Vertretern gefunden wird. So finden in diesen Tagen unter anderen Gespräche zwischen Mediapulse und dem Privatsender 3+ statt. Eine Einigung würde nicht nur Mediapulse-Chef Marco de Stoppani freuen (persoenlich.com berichtete), auch die Werbeauftraggeber haben genug vom ewigen Hin und Her rund um die TV-Daten. Persoenlich.com hat sich mit dem Direktor des Werbe-Auftraggeberverbandes, Roland Ehrler, unterhalten. 

Herr Ehrler, offiziell wartet die Branche seit Januar auf die neuen Fernsehdaten von Mediapulse. Inwiefern beeinträchtigte dies die Entscheide betreffend Media-Aufträge von den SWA-Mitgliedern? Gab es Unterschiede bezüglich Betroffenheit zwischen den verschiedenen Mitgliedern? 

Was die Lieferung der TV-Daten anbelangt, sitzen alle Werbeauftraggeber im gleichen Boot. Die einen SWA-Mitglieder sind vielleicht mehr betroffen als andere, das hängt z.B. von den Saisonalität ab oder wie intensiv TV in der fraglichen Zeit genutzt wurde. Dabei wird ja dieses Jahr nicht gänzlich anderes TV geschaut als im letzten Jahr, es wird nur anders gemessen. So ist das Universum grösser geworden und die Stichprobe entspricht viel mehr der TV-Realität.
 
Wie hat der SWA auf das Datendabakel reagiert? Wie hat der Verband seine Mitglieder beraten?
Der SWA hat schon länger Anpassungen des TV-Panel gefordert. Er hat auch in verschiedenen Kommissionen die Entwicklung des TV-Panel mitgetragen. Dabei haben sich auch einzelne Mitglieder des Verbandes engagiert. Mit verschiedenen Publikationen und Newslettern hat der Verband regelmässig über das neue TV-Panel und die aktuelle Situation informiert.
 
Gewisse Akteure finden die neue Messmethode ungenügend. Insbesondere die Randregionen würden ungenügend erfasst. Ihre Meinung?
Es darf nur eine TV-Währung geben. Während vielen Jahren hat die Branche der alten Telecontrol-Währung vertraut. Nun haben wir ein Messsystem von Kantar Media, welche die TV-Quoten in über 30 Ländern misst. Somit bring es wenig das TV-Panel grundsätzlich in Frage zu stellen. Wie im alten Panel gibt es auch im neuen Panel laufend Optimierungsbedarf.
 
Wie relevant sind die Mediapulse-Zahlen eigentlich tatsächlich für die Werbeauftraggeber?
Nun, solange die Vermarkter die Planung und die Preise auf diesen Zahlen entwickeln, sind diese sehr wichtig. Und auch zur optimalen Mediaplanung werden diese Zahlen vor, während und nach der TV-Kampagne genutzt. Deshalb ist der heutige Zustand auch ein Zumutung für alle Beteiligten.
 
Hat die Verzögerung und das Hick Hack der letzten Wochen der Relevanz der Daten für die Auftraggeber geschadet?
Nein, das glaube ich nicht. Die Zahlen bleiben relevant und die Auftraggeber und Agenturen warten seit dem 1. Januar 2013 auf diese Daten. Wir hoffen, nicht mehr lange.
 
Was sind nebst den TV-Quoten weitere Faktoren, auf welche die Werbeauftraggeber sich stützen können?
Zur Planung und Messung der TV-Medialeistung in der Zielgruppe gibt es nur die besagten Daten von Mediapluse. Die Werbeauftraggeber können aber auch eigene Controllings vornehmen. Der härteste Wert ist dabei der Umsatz oder Absatz der beworbenen Produkte im Zusammenwirken mit anderen Werbemassnahmen. Grössere Mitglieder führen auch eigene Umfragen über die Sichtbarkeit und die Wirkung ihrer Werbekampagnen durch.
 
Interview: Corinne Bauer

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