Um 18 Uhr war mit dem Livebetrieb Schluss. Danach folgten eingespielte Verabschiedungen und Musikwünsche von Mitarbeitenden. Mit den letzten Tönen von Radio Liechtenstein endete am Donnerstagabend «ein bedeutendes Kapitel der Medienlandschaft Liechtensteins», wie der Sender auf seiner Website schreibt.
Der Entscheid zur Einstellung des Sendebetriebs folgt auf eine Volksabstimmung vom Oktober 2024, bei der 55,4 Prozent der Liechtensteiner Bevölkerung für eine Initiative zur Aufhebung des Rundfunkgesetzes stimmten (persoenlich.com berichtete).
Staatliche Finanzierung beenden
Die von der Kleinpartei Demokraten pro Liechtenstein (DPL) lancierte Initiative hatte zum Ziel, die staatliche Finanzierung des Senders zu beenden. Die Initianten störten sich vor allem an den hohen Kosten – zuletzt erhielt der Sender jährlich rund vier Millionen Schweizer Franken an staatlichen Geldern.
Trotz Bemühungen der Geschäftsleitung konnte kein privater Investor für eine Übernahme gefunden werden. Auch der Versuch von Medienministerin Sabine Monauni, eine Fristverlängerung für den Systemwechsel zu erwirken, scheiterte am Widerstand der politischen Parteien.
Der Verwaltungsrat begründete die sofortige Einstellung des Sendebetriebs damit, dass genügend Kapital für die Liquidation des Unternehmens und einen Sozialplan für die 25 Mitarbeitenden gesichert werden müsse.
«Ein Medium zu versenken, finde ich grobfahrlässig»
Geschäftsführerin Doris Quaderer äusserte sich gegenüber dem St. Galler Tagblatt enttäuscht über den fehlenden politischen Rückhalt: «Bei der Privatisierung ging es nie darum abzuschalten. Ein Medium zu versenken, das fast dreissig Jahre bestand, finde ich grobfahrlässig.»
Radio Liechtenstein, ursprünglich Radio L genannt, wurde 1995 gegründet und kämpfte bereits früh mit finanziellen Schwierigkeiten. 2003 wurde der Sender als staatliche Rundfunkanstalt neu aufgestellt, doch die Probleme blieben. Zuletzt kam 2024 Jürg Bachmann, langjähriger Präsident des Schweizer Privatradioverbands VSP, als Verwaltungsratspräsident und Reformer ins Unternehmen. Er arbeitete ein Modell nach Vorbild der Schweizer Lokalradios mit Konzession und Leistungsauftrag aus, das nun aber nicht umgesetzt werden kann.
CH Media hat kein Interesse
Das Medienunternehmen CH Media, das verschiedentlich als möglicher Retter gehandelt wurde, hat keinerlei Interesse, in Liechtenstein einzuspringen. «CH Media fokussiert auf den Schweizer Medienmarkt. Die Frage einer Übernahme stellt sich darum nicht», teilt Nicola Bomio, Leiter Radio von CH Media, auf Anfrage von persoenlich.com mit.
Mit dem Ende von Radio Liechtenstein verliert das Fürstentum seinen letzten öffentlich-rechtlichen Sender. Da Liechtenstein keinen staatlichen Fernsehsender besitzt, beschränkt sich die Medienlandschaft nun auf eine Tageszeitung und einen lokalen privaten Fernsehsender. Bereits im März 2023 hatte die Tageszeitung Volksblatt aus wirtschaftlichen Gründen den Betrieb eingestellt.

