27.04.2012

Der Tamedia-Neubau nimmt Form an

Das "Holzhaus", wie das neue Tamedia-Gebäude intern genannt wird, kommt planmässig voran. Schon Anfang 2013 ist der luxuriöse 50-Millionen-Neubau bezugsbereit, für den derzeit an der Werdstrasse lautstark gefräst und gehämmert wird. Wie schützen sich die Tagi-Journalisten vor dem omnipräsenten Baulärm? persoenlich.com erkundigt sich nach dem Stand. Zum Text:
Der Tamedia-Neubau nimmt Form an

Direkt neben dem Tamedia-Hauptgebäude an der Zürcher Werdstrasse entsteht derzeit ein neues Gebäude, es ist das erste Bauwerk des japanischen Stararchitekten Shigeru Ban in der Schweiz. Speziell dabei: Es dominieren zusammengesteckte Holzträger, die gänzlich ohne Schrauben und Nägel auskommen. Daher wird das neu entstehende Gebäude intern gerne als "Holzhaus" bezeichnet - in Abgrenzung zum "Glashaus", dem bereits bestehenden Medienhaus.

Aus Beton sind lediglich das Fundament und das Treppenhaus. Umhüllt werden die Holzelemente von einer Glasfassade, welche sich Richtung Sihl an einigen Stellen öffnen lässt. Wie kommen die Arbeiten voran und womit schützen sich die Tamedia-Mitarbeiter vor dem allgegenwärtigen Baulärm? Unternehmenskommunikationschef Christoph Zimmer beantwortet einige Fragen:

Herr Zimmer, am Donnerstag wurde das erste Holzelement verlegt (vgl. Bilder unten). Warum ist dies ein wichtiger Meilenstein?

Mit der ersten Querachse, einer 18 Tonnen schweren Konstruktion aus 14 vorgefertigten Holz-Elementen, wird schlagartig die Dimension des neuen Gebäudes sichtbar.

Somit kann man sich schon bald ausmalen, wie die fertigen Büroräume aussehen werden.

Ja genau, das kann man schon sehr bald erkennen. Parallel zu den Querachsen werden dann schrittweise auch die fertigen Bodenplatten aus Holz und anschliessend die Fassade aus Aluminium und Glas montiert. Der Holzbau wird Ende Juli bereits abgeschlossen sein und im Herbst sollte die Gebäudehülle dann dicht sein.

Der Neubau wird 300 Arbeitsplätze bieten. Welche Abteilungen dürfen per Februar 2013 einziehen?

Wir gehen im Moment davon aus, dass der "Tages-Anzeiger" und "20 Minuten" in den Neubau ziehen werden. Auf den Zeitpunkt der Fertigstellung des Gebäudes im Frühling 2013 ziehen verschiedene Medien neu auf das Werd-Areal. Wir wollen diese Chance nutzen und auch die Belegung in den bestehenden Gebäuden überprüfen. Viele Redaktionen und Verlage werden deshalb im Verlauf des nächsten Jahres innerhalb des Areals in neue Flächen umziehen. Die grundsätzliche Planung der Belegung steht, in den nächsten Monaten werden nun die Details geklärt.

Gleichzeitig wird bei den Redaktionen und im Verlag gespart. Wie rechtfertigen Sie diese 50-Millionen-Investition?

Dank dem Neubau entsteht Raum für mehrere hundert Arbeitsplätze, dadurch können wir andere Standorte wie beispielsweise die Liegenschaft der "Finanz und Wirtschaft" an der Hallwylstrasse aufgeben. Das spart Geld und gleichzeitig können wir den Mitarbeitenden, die neu auf das Areal ziehen, mit dem Personalrestaurant, der internen Post oder dem rund um die Uhr besetzten Empfang etwas mehr bieten. Der Neubau ist aber vor allem auch eine Investition in gute Architektur auf dem Werd-Areal, auf dem Tamedia seit 110 Jahren zu Hause ist und in eine Liegenschaft, die den Mitarbeitenden hochwertige Arbeitsplätze in offenen Räumen bieten soll.

Welche Arbeitsplätze sind besonders vom Baulärm betroffen?

Der Lärm ist in allen Gebäuden zu hören, die an den Neubau angrenzen, das heisst vor allem beim Newsnet und beim "Tages-Anzeiger". Teilweise strahlen die Bauarbeiten aber auch in andere Gebäude ab.

Wie schützen sich die Journalisten und Verlagsmitarbeitenden vor dem Lärm?

Über die gesamte Bauzeit gesehen wird der Neubau eher weniger Lärm verursachen als der Bau eines konventionellen Gebäudes. Die zentralen Holz- und Fassaden-Elemente sind vorgefertigt und werden auf der Baustelle nur noch montiert. Das erfolgt, wie das Setzen der ersten Querachse zeigte, fast geräuschlos. Die bisherigen Arbeiten waren aber teilweise sehr lärmig. Insbesondere der Abbruch der alten Wohnbauten oder die Beton-Fräsarbeiten angrenzend an die bestehenden Gebäuden waren nicht zu überhören und für die betroffenen Mitarbeitenden eine Belastung. Leider lässt sich das nicht verhindern, es hat auch nichts mit der Art des Neubaus tun.

Haben Sie besonders unkonventionelle Lärmschutz-Strategien angetroffen?

Zu Beginn der Abbrucharbeiten haben wir mehrere hundert Gehörschütze verteilt. Zudem versuchen wir, besonders lärmempfindliche Arbeiten nach Möglichkeit in den frühen Morgenstunden auszuführen, wenn wenige Mitarbeitende arbeiten. Und wir haben allen Mitarbeitenden des obersten Stockwerks im Gebäude des "Tages-Anzeigers" einen temporären Umzug in andere Büros angeboten.

Nahmen die Mitarbeitenden dieses Angebot an?

Nein, nicht alle. Interessanterweise haben es einige aber vorgezogen, trotz des Lärms in ihrem gewohnten Büro zu bleiben, statt in andere Flächen umzuziehen.

Wie geht es nun weiter?

In der Schweiz wurde bisher meines Wissens noch kein ähnlicher Holzrahmenbau über fünf Stockwerke gebaut – und schon gar nicht in der Innenstadt. Wenn die Holzbauarbeiten im Sommer abgeschlossen sind, ist deshalb ein grosser Meilenstein erreicht. Wenn die Arbeiten weiterhin mehr oder weniger im Zeitplan vorangehen, steht dem Bezug im Frühjahr 2013 nichts mehr im Weg.

Text: Edith Hollenstein, Bilder: Andres C. Nitsch


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