Welchen Wert hat Ringier für die Miss-Schweiz-Organisation?
Einen sehr grossen Wert. Auch für mich persönlich. Ringier hat uns immer sehr unterstützt und uns zu dem gemacht, was wir heute sind.
Wäre der heutige enorme Stellenwert der Missen ohne Ringiers Medien überhaupt möglich?
Nein, ich glaube nicht. Die anderen Verlagshäuser wären zu kritisch gewesen.
Wie eng ist die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Ringier?
Die Schweizer Illustrierte ist unser Mediensponsor und hat bei den Geschichten weitgehende Exklusivität. Sie sind die ersten, die die Kandidatinnen mit Porträts vorstellen. Und sie haben die neue Miss Schweiz als Erste auf dem Cover.
Wieso die Schweizer Illustrierte und nicht zum Beispiel der Blick?
Wir können natürlich den Blick nicht stoppen, wenn er am Freitag was bringt, und die SI erst am Montag drauf. Da muss man dann versuchen, etwas aneinander vorbeizukommen. Der interne Konkurrenzkampf bei Ringier ist wahnsinnig gross. Da würde ich mir manchmal mehr Kompromissbereitschaft wünschen.
Welche Pflichten haben Sie?
Unsere Pflicht ist es eigentlich, jede gute Geschichte Ringier bzw. der Schweizer Illustrierten anzubieten. Nur sind die besten Geschichten meistens diejenigen, die ich nicht erzählen darf (lacht). Falls es doch rauskommt, hoffen wir, dass Ringier die Sache in einem positiven Licht darstellt. Aber dazu sind sie nicht etwa verpflichtet.
Sie wissen natürlich geheime Dinge über Ihre Schützlinge, die nie an die Öffentlichkeit gelangen.
(Schmunzelt) Teilweise schon, ja.
Sie kehren also gewisse Skandale unter den Teppich?
Zuerst mal kläre ich ab, wie gross die Gefahr ist, dass die Geschichte öffentlich wird. Wenn diese Gefahr besteht, bespreche ich mich mit der betroffenen Frau, damit wir gegenüber der Presse am gleichen Strick ziehen.
Sie sprechen sich also mit ihr ab.
Ja. Ich sage ihr, worauf sie aufpassen muss. Und mache ihr bewusst, was ein Medienbericht für Konsequenzen hätte. Und dann kommts natürlich drauf an, wie lange man die Sache geheimhalten kann. Ich selbst plaudere eine Geschichte nie aus. Sobald ich aber merke, dass es kritisch wird, sage ich den Reportern, sie sollen mit der Frau direkt reden.
Wie boulevard-tauglich muss eine Miss sein? Eine Homestory darf sie ja zum Beispiel kaum ablehnen.
Eine Miss Schweiz muss offen für Boulevardthemen sein. Wenn sie das ablehnt, geht das nicht. Sie darf auch nie etwas sagen, was sie nicht gedruckt sehen will.
Inwieweit ist Boulevardtauglichkeit auch ein Kriterium bei der Wahl?
Missen sollten allgemein medientauglich sein, sich rhetorisch austauschen können. Aber da gab es auch schon Missen, die das nicht beherrschten.
Erkennen Sie diese Fähigkeit schon vor der Wahl?
Ich merke schnell, ob eine Kandidatin offen ist für verschiedene Sachen. Ein komplizierter Mensch ist sicher kein geeigneter Charakterzug für eine Miss Schweiz. Aber eine Miss darf auch mal nein sagen. Sie muss nicht immer alles machen, was die Presse will, sonst wird sie irgendwann zur Marionette.
Gab es schon Ringier-Schlagzeilen, die den Missen Mühe machten?
Nicht nur von Ringier. Wir nerven uns immer wieder über Titel und Schlagzeilen, die sehr zweideutig sind. Und es gibt Missen und Ex-Missen, die mit gewissen Journalisten nicht mehr zusammenarbeiten wollen. Man muss sich immer bewusst sein: Medien können einen kaputt machen.
Welche Ringier-Schlagzeile über Ihre Schützlinge hat Sie am meisten geärgert?
Die Bezeichnung "Miss Schwips" über Nadine Vinzenz. Da hatte ich das Gefühl, dass man Nadine reingelegt hat. Mir kam das so vor, als sei die ganze Geschichte organisiert worden.
Von den Medien organisiert?
Nein, aber die Medien haben dann gleich mitgezogen. Und nicht so gut recherchiert. Die abgedruckte Promilleanzahl war zum Beispiel falsch. Dass die Medien über sowas berichten, verstehe ich natürlich. Aber den Titel "Miss Schwips" fand ich billig.
Sie haben die Missen in der Schweiz etabliert, in Deutschland haben die Schönheitsköniginnen dagegen kaum einen Stellenwert. Woran liegt das eigentlich?
Die Miss Germany wird mit grossem Tamtam gewählt und versinkt dann ein Jahr lang in der Versenkung. Das ist ein Fehler. Mich würde es sehr reizen auszuprobieren, ob in Deutschland das Gleiche möglich wäre wie hier. Ich bin davon überzeugt, denn dort hat es einen gigantischen Markt mit Mitteln, von denen wir hier nur träumen. Wenn mich RTL anfragen würde -- warum nicht?

