03.01.2011

"Die Branche steht vor einem fundamentalen Wandel"

Was bringt das Jahr 2011 für die Medien- und Kommunikationsbranche? "persoenlich.com" hat die Experten gebeten, einen Blick in die Kristallkugel zu werfen. Weshalb Werber, Medienprofis und Vermarkter der Zukunft fast einstimmig optimistisch entgegen schauen, zeigt die Umfrage:
"Die Branche steht vor einem fundamentalen Wandel"

Klaus Kappeler, CEO Goldbach Group

"Im 2011 wird noch mehr Werbegeld in die privaten, elektronischen und interaktiven Medien fliessen. Grosse Social Networks werden an ihre Grenzen stossen und kleinere, interessenspezifische werden bedeutender. Für die Werbung werden Online-Netzwerke erfolgskritisch und der klassische Radiohörer und Fernsehzuschauer ändert seine Gewohnheiten doch nicht. Bei Goldbach wird sich die konsequente Ausrichtung der Organisation auf die Business-Lines und somit auf die Kundenbedürfnisse auszahlen und wir schauen zuversichtlich ins neue Jahr."

Dominique von Matt, CEO Jung von Matt/Limmat

Dominique von Matt, CEO Jung von Matt/Limmat

"Die Angst der Rezession wird der Skepsis weichen. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Die Kommunikation wird intensiviert werden, weil viele Marken in den letzen zwei Jahren wenig präsent waren und jetzt ihre Position zurückerobern wollen. Neue Produkte und Dienstleistungen werden wieder vermehrt lanciert. Der tiefe Euro wird in vielen Branchen den Wettbewerb weiter verschärfen und damit auch zu verstärkten Investitionen in die Kommunikation führen. Diesen Blick in die Kristallkugel kann man also durchaus geniessen - allerdings mit der notwendigen Skepsis."

Manfred Strobel, CEO OMD

"Wir sehen prinzipiell gute Vorzeichen für 2011 aufgrund der aktuellen Nachfragesituation, die sich leider auch hier und da bereits in einer Verknappung des medialen Angebotes abzeichnet (z.B. ist TV schon recht gut eingebucht). Auch sehen wir weiteren Bedarf unserer Kunden in Richtung digitaler Touchpoints und damit einhergehend auch ein verstärktes Einfordern von Media-ROI. Wir denken aber auch, dass Entscheidungen häufig noch kurzfristiger getroffen werden als bisher und werden möglicherweise die "Kluft" erleben zwischen Wunsch und Wirklichkeit, d.h. schnelles, flexibles Handeln und limitierter Verfügbarkeit von geeigneten Werbeträgern. Es wird also ein spannendes 2011 mit einem positiven Start."

Beat Roeschlin, CEO Publicitas

Beat Roeschlin, CEO Publicitas

"Ich rechne mit einem konjunkturellen Aufwind, welcher der Branche Drive geben wird, um die Herausforderungen des digitalen Medienzeitalters als Chance nutzen zu können."

Albert Polo Stäheli, CEO "NZZ"

"2011 lebt die Branche wohl und wagt sich vor auf neues Terrain"

Martin Schneider, Direktor publisuisse

Martin Schneider, Direktor publisuisse

"Nach einem starken Aufschwung unserer Branche im Jahr 2010 gehen wir davon aus, dass sich das Wachstum 2011 fortsetzt, wenn auch eine Verlangsamung eintreten wird. Unsicherheitsfaktoren, welche die Erholung unserer Branche beeinträchtigen könnten sind die Entwicklungen in der Eurozone. Wir schauen dem Jahr aber 2011 mit Zuversicht entgegen."

Sandro Rüegger, Geschäftsführer "Die Weltwoche"

"Der Blick in die Kristallkugel weist für die Verlagsbranche auf ein - verhalten - positives neues Jahr hin. Im Herbst 2010 hat der Rückenwind eingesetzt. Keine Verschlechterung der wirtschaftlichen Grosswetterlage vorausgesetzt gehen wir davon aus, dass er auch 2011 anhält und der Branche zu weiterhin steigenden Erträgen verhilft. Die Weltwoche ist gut unterwegs, konnte Marktanteile und Neukunden gewinnen. Wir werden auch im neuen Jahr alles daran setzen, den Medienmarkt mit hart recherchierten, überraschenden und provokativen Geschichten auf Trab zu halten."

Hanspeter Lebrument, Verleger Südostschweiz und Verlegerpräsident

Hanspeter Lebrument, Verleger Südostschweiz und Verlegerpräsident

"Das Jahr 2011 wird für die Medien- und Kommunikationsbranche ein gutes Jahr. Fast alle Zeichen stehen auf grün. Presse und Fernsehen haben sich im Jahre 2010 gut von der Finanzmarktkrise erholt und die wesentlichsten Kooperationen und Konzentrationen sind im Jahr 2010 erfolgt und werden im Jahr 2011 umgesetzt. Eine Gefahr bedeutet die Währungskrise um den Euro nur wenn es in diesem Bereich zu schweren Verwerfungen kommt. Dann nämlich könnte das Gute schweizerische Klima nachhaltig gestört werden."

Frank Bodin, Chairman und CEO Euro RSCG Schweiz

"Wer voraus schaut, darf positiv ins 2011 blicken."

Markus Ruf, Creative Director und Mitinhaber Ruf Lanz

Markus Ruf, Creative Director und Mitinhaber Ruf Lanz

"Ich bin kein Hellseher, aber eines ist sicher: 2011 wird die Informationsflut weiter zunehmen. Zehntausend Botschaften sollen es bereits heute vom Erwachen bis zum Gutenacht-Kuss sein, sagen Kommunikationswissenschaftler. Werbetreibende, die ihre Botschaft da nicht überraschend vermitteln, werden vom Publikum schlicht nicht mehr wahrgenommen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Hätten die VBZ ihr dichtes Haltestellennetz ohne zündende Idee beworben, hätte sich kein Mensch dafür interessiert. Es brauchte den Einfall, Herrn Mörgeli neben Herrn Jositsch ins Tram zu setzen, damit es - weit über den bezahlten Werberaum hinaus - zum Thema wurde. Wir sind überzeugt, dass solch verblüffende Dramatisierungen in Zukunft entscheidender denn je sind. Das gilt natürlich auch für die neuen Medien. Ich teile die Ansicht des bekannten holländischen Kreativen Erik Kessels, der im letzten Lürzers Archiv sinngemäss gesagt hat: Es ist ein Problem, dass die Menschen den neuen Technologien mehr Begeisterung entgegenbringen als den Inhalten, die sie damit vermitteln wollen. Das führt dazu, dass momentan jeder eine App machen möchte, ohne an eine sinnvolle Lösung zu denken, die sie enthalten soll."

Peter Felser, CEO Spillmann/Felser/Leo Burnett

"Die Branche steht vor einem fundamentalen Wandel. Der Wettbewerb wird härter. Die Geschwindigkeit der Veränderung nimmt rasant zu. Für die Agenturen ist dies positiv: Neue, innovative Wege mit Menschen zu kommunizieren werden möglich, die zunehmende Komplexität erfordert mehr Cleverness, die Bedeutung der Kreativität nimmt weiter zu. Doch ebenso wichtig wie die Frage, was sich alles verändert, ist die, was sich nicht verändert. Bei Spillmann/Felser/Leo Burnett werden wir beide Fragen im Auge behalten. Wir freuen uns auf die Veränderungen im 2011, werden aber nicht alle Grundsätze über Bord werfen."

Norbert Neininger, Verleger und Chefredaktor "Schaffhauser Nachrichten"

Norbert Neininger, Verleger und Chefredaktor "Schaffhauser Nachrichten"

"Nach einem Jahr voller Überraschungen wird man vorsichtig, wenn es um Prophezeiungen geht. Bleiben wir also auf der sicheren Seite und sagen voraus, dass es auch im kommenden Jahr noch (gedruckte) Medien und ihren Verband geben wird, dass die Thurgauer Zeitung den Besitzer nicht wechselt und Markus Somm eine spannende Zeitung in Basel machen wird. Und dass sich die Medienwissenschaften noch weiter von der Realität entfernen dürften. Gesetzt bleiben iPhone und iPad (und ihre zahlreichen Nachahmer) und, wenn nicht alles täuscht, dürften die Verlage – wenigstens im Netz – Geld für ihre Inhalte verlangen, wofür ja auch höchste Zeit ist. Das Schweizer Fernsehen wird (etwas) mainstreamiger, der Kampf um die Aufmerksamkeit am Sonntag führt zu (noch) mehr Geschichten, die man zwar liest aber sofort wieder vergisst. Der “Blick” und der “Sonntagsblick” werden germano-, Tamedia hingegen frankophiler. Und wer wen kauft, wage ich nicht vorauszusagen, einzig: Teleblocher bekommt keiner. Und die Schaffhauser Nachrichten feiern, womit wir wieder auf sicherem Boden sind, ihr 150 jähriges Bestehen. Gegen Ende Jahr kommt es dann zur Gründung von Medialeaks.ch (wer wird es erfinden?), worauf wir uns alle sehr freuen."

Marcel Kohler, Geschäftsführer 20 Minuten

"Die jüngere Vergangenheit hat uns gelehrt, wie unsicher Prognosen sind. Daher ist man grundsätzlich gut beraten, eine gewisse Vorsicht walten zu lassen. Dies gilt für den Medienverbund 20 Minuten auch für das Jahr 2011. Wir starten jedoch, und das ist sicher ein Privileg, aus einer starken Position heraus in das neue Jahr. Unsere Pendlerzeitungen in der Deutsch- und Westschweiz haben sich nach der Marktbereinigung und dank der konjunkturellen Erholung im 2010 deutlich über dem Markt entwickelt und auch 20 Minuten Friday verzeichnete ein starkes Wachstum. Wir glauben, dass wir 2011 unsere Stellung weiter werden ausbauen können. Auch bei 20 Minuten Online sehen wir weiteres Potential. Um die hohen Ziele 2011 zu erreichen, werden wir zusätzliche Mittel in den Ausbau von 20 Minuten Online investieren und mit tilllate.com die Nightlife-Berichterstattung erweitern. Weiter an Bedeutung gewinnt der mobile Zugriff auf unsere Online-Angebote. Mit 20 Minute Mobile, der TV-Screen-App und Soundshack sind wir gut gerüstet. Unter der Voraussetzung, dass der Euro nicht auf 50 Rappen fällt und wir von Terroranschlägen und grossen Naturkatastrophen verschont bleiben, sind wir bei 20 Minuten deshalb sehr zuversichtlich, dass 2011 ein erfolgreiches und gefreutes Jahr werden wird."

(Umfrage: Corinne Bauer)


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