Herr Strehle, wie viele Inserate braucht das Tagi-Magi zum Überleben?
Sicher mehr als in der letzten Ausgabe. Aber zur Zeit sieht es ja auch bei der Konkurrenz schwierig aus, die Branche leidet allgemein. Mich jedenfalls hat das nicht so erschreckt. Zumal der Januar sonst buchungsmässig gut aussieht. Insgesamt haben wir im Vorjahr allerdings 15 bis 20 Prozent weniger Anzeigen verkaufen können.
Die Tamedia spart derzeit rigoros. Machen Sie sich keine Sorgen um das Magazin?
Nein. Die Existenz des Magazins ist in dem Jahr, seit ich hier bin, von der Tamedia in keiner Art und Weise in Frage gestellt worden.
Wie waren denn die Resultate Ihrer Leserbefragung vom vergangenen November?
Das war eine grundsätzliche Bestätigung, wir sind auf dem richtigem Kurs. Allgemein bin ich ja bei längeren Texten mit einer "Einschaltquote" von fünfzig Prozent zufrieden. Zum Teil fand in den abgefragten drei Nummern natürlich auch ein "Minderheitenprogramm" statt, vor allem im Bereich von Kultur- oder Wirtschaftsgeschichten. Über alles gesehen bleiben die LeserInnen hängen, wenn sie bei uns einen langen Text zu lesen beginnen.
Welches sind die Folgen für das Heft? Sie planen dem Vernehmen nach einen Relaunch.
Sehr viel kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Immerhin: Einzelne Rubriken werden angepasst, und wir sind mit neuen AutorInnen im Gespräch. Einen riesigen Umbau wird es aber nicht geben, zumal die gestalterische Anmutung bei der Leserschaft schon heute eine hohe Akzeptanz geniesst.
Man hört immer wieder, das Magazin sei trockener und weniger überraschend geworden. Ist das gewollt?
Mag sein, dass wir ein bisschen ernster geworden sind. Aber das passt in diese Zeit. Glam ist jedoch weiterhin ein Bestandteil des Hefts, und Überraschung halte ich für wichtig. Vermeiden will ich lediglich die leichtfertige Provokation um der Provokation Willen. Denn darunter leidet letztlich die Glaubwürdigkeit.
Bei der Weltwoche gärt es offenbar, weil der Relaunch als Zeitschrift nach dem Übernahmeangebot von Ringier verschoben wurde. Haben Sie Ihre unzufriedenen Ex-Kollegen schon zurückzuholen versucht?
Nicht explizit. Selbstverständlich bleibe ich mit ihnen im Gespräch, schon aufgrund unserer persönlichen Beziehungen. Aber ich plane keine Abwerbungsversuche.
Roger Köppel ist für seine offensive Strategie bei der Personalakquisition bekannt. Wie sieht denn Ihre Politik aus?
Roger macht das gut, ich möchte das auch so handhaben. Man muss für das Optimieren seines Teams unbedingt viel Zeit verwenden und das nötige Geld.
Auch sonst wirkt Köppel einerseits aggressiver, andererseits präsenter. Ist das Absicht?
Wir sind verschiedene Typen. Ich mache das nicht so wie er. Im Magazinbereich finde ich es wichtig, den Leuten ein ruhiges Umfeld zu bieten.
(Interview: Alain Egli).

