Die Schlacht um die UKW-Abstellung spitzt sich zu. In der kommenden Herbstsession wird der Nationalrat über die Verlängerung von UKW diskutieren, nachdem der Bundesrat bereits an den Abschaltplänen für 2026 festgehalten hat. Nach den massiven Hörerverlusten bei der SRG (persoenlich.com berichtete) hat nun auch der Verband Schweizer Lokalradios (VSP) seine Position geändert und fordert eine Beibehaltung von UKW.
Das Geschäft ist politisch umstritten: Während sich Links- und Mitte-links-Politiker eher auf die SRG fokussieren und den UKW-Ausstieg befürworten, stellen sich die bürgerlichen Parteien mehrheitlich dagegen. Um mit dem Vorhaben durchzukommen, muss sich aber eine Mehrheit der 200 Nationalrätinnen und Nationalräte gegen die UKW-Abschaltung stellen. Der VSP befürchtet, dass ein Reichweitenverlust wie bei den SRG-Programmen für die Privatsender «existentiell bedrohlich» wäre.
In einer gemeinsamen Aktion fordert der VSP die einzelnen Privatradios auf, Parlamentarierinnen und Parlamentarier zu kontaktieren, um sie für ein gesprochenes Statement zu gewinnen, wie aus einem internen Dokument hervorgeht, das persoenlich.com vorliegt.
Die Nationalrätinnen und Nationalräte Yvonne Bürgin, Martin Bäumle, Nina Fehr Düsel, Benjamin Fischer, Patrick Hässig, Alfred Heer, Philipp Kutter, Thomas Matter, Mauro Tuena und Beat Walti haben bereits Radiotrailers aufgenommen, in denen sie die Anliegen der Privatradios mit Nachdruck unterstützen. Ihr gemeinsames Ziel: Die UKW-Frequenzen sollen über das Jahr 2026 hinaus nutzbar bleiben – für alle Sender, sowohl private als auch öffentliche. Ihre Bedenken sind, dass die UKW-Abschaltung zu früh, zu riskant und zu realitätsfern sei. Die drastischen Reichweitenverluste der SRG – teilweise über 40 Prozent – seit der bisherigen Teilabschaltung belegten deutlich, dass ein Grossteil der Hörerschaft noch nicht bereit sei für einen vollständigen Umstieg auf DAB+.
Besonders SRF 3 habe stark an Reichweite verloren, wird argumentiert, während ausländische UKW-Sender deutlich zulegen konnten. Gerade grenznahe Sender fühlen sich dadurch zusätzlich bedroht und befürchten massive Hörerverluste, sollten ihre UKW-Sender in anderthalb Jahren definitiv abgestellt werden. Vor vier Jahren hatte Medienpionier Roger Schawinski im Alleingang eine Petition mit über 60’000 Unterschriften gegen die Abschaltung des UKW-Netzes lanciert. Nach den massiven Hörerverlusten der SRG-Sender sieht sich der Radio-1-Chef in seinem Anliegen bestätigt. Mittlerweile werden seine Bedenken von den anderen kommerziellen Privatradios geteilt und auch mitgetragen. (ma)

