10.07.2025

Mediapulse

SRF-Sender verlieren, Private profitieren

Die UKW-Abschaltung der SRG Ende 2024 hat die Radiolandschaft verändert: Die SRG-Radiosender verloren markant an Hörerinnen und Hörern, während die Privatradios deutlich zulegten. Dabei kam es auch zu einem Wechsel auf dem Podest der reichweitenstärksten Privatsender.
Mediapulse: SRF-Sender verlieren, Private profitieren
Moderiert bei Radio SRF 1, aber neu für weniger Zuhörende: Adrian Küpfer. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Jetzt liegen belastbare Zahlen schwarz auf weiss vor. Die SRG-Radiosender verloren durch die UKW-Abschaltung Ende 2024 markant an Hörerinnen und Hörern. Alle SRG-Sender zusammen haben im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zur Vorjahresperiode schweizweit 471'400 Hörende verloren. Bei dieser Gesamtzahl sind Doppelhörer bereinigt, wie die Forschungsstelle Mediapulse auf Anfrage bestätigt – die Addition der Verluste einzelner Sender würde einen höheren «Bruttoverlust» ergeben.

Allein in der Deutschschweiz mussten alle SRF-Sender zusammen auf 378'600 tägliche Hörerinnen und Hörer (bereinigt) verzichten und kamen neu auf ein Total von knapp 1,7 Millionen Personen (alle Zahlen von Montag bis Sonntag, Deutschschweiz, ab 15 Jahren). Demgegenüber gewannen die Schweizer Privatradios im gleichen Zeitraum 188'400 Hörende dazu (ebenfalls bereinigt). Dies zeigen die neuesten Halbjahreszahlen von Mediapulse

Erste Zahlen vom Januar bestätigt

Schon im Januar kolportierte der Tages-Anzeiger düstere Zahlen aus den ersten beiden Wochen des Jahres, verglich diese allerdings mit den Zahlen des zweiten Halbjahres 2024. Demnach hätten allein die deutschsprachigen Radiosender SRF 1, SRF 2 Kultur und SRF 3 pro Tag knapp eine halbe Million Hörerinnen und Hörer verloren (persoenlich.com berichtete). Im April veröffentlichte auch die SRG Zahlen aus dem ersten Quartal – diese waren ebenfalls rückläufig.

Nun ist klar: Alle SRG-Sender zusammen kamen im ersten Semester 2025 in der Deutschschweiz auf einen Marktanteil von knapp 53 Prozent, die Schweizer Privatsender auf 44 Prozent. Im ersten Halbjahr 2024 waren es bei der SRG noch knapp 58 Prozent, bei den Privaten 39 Prozent.

Ein Blick auf die SRF-Sender zeigt: Radio SRF 1 verlor im Vorjahresvergleich rund 233'000 Hörerinnen und Hörer – die Millionengrenze wurde mit nur noch 850'600 Hörenden nicht mehr geknackt. Auch SRF 3 verlor markant, ebenso SRF 2 Kultur mit einem signifikanten Rückgang. SRF 4 News hingegen gewann an Hörenden dazu:


Die Schweizer Radiolandschaft zeigt sich trotz der UKW-Abschaltung der SRG zu Jahresbeginn robust: Laut der neuesten Mediapulse-Erhebung für das erste Halbjahr 2025 erreichten die linearen Radioangebote täglich 5,2 Millionen Hörerinnen und Hörer – eine Tagesreichweite von 70 Prozent. Der leichte Rückgang um zwei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr entspricht laut einer Mitteilung dem langfristigen Trend und wurde durch die UKW-Abschaltung «weder beschleunigt noch gebremst», so Mediapulse.

Privatsender profitieren fast durchs Band

Was die Mediapulse-Zahlen auch zeigen: Die Schweizer Privatradios profitierten im ersten Halbjahr fast durchs Band von der UKW-Abschaltung der SRG-Sender. In den von persoenlich.com ausgewerteten Top 20 legten praktisch alle Sender an Reichweite zu. Es kam also zu einer Verschiebung.

An der Spitze bleiben unverändert Radio Pilatus vor Radio 24, beide Sender aus dem Hause CH Media. 240'570 tägliche Hörerinnen und Hörer erreichte der Zentralschweizer Sender Pilatus, ein Plus von über 14'000 Personen. Radio 24 erreichte 20'000 Personen mehr, sprich 237'380 Hörende.

Stadtkonkurrent Energy Zürich legte zwar signifikant zu, um über 29'000 Personen auf neu 211'170 Hörerinnen und Hörer. Doch Radio Zürisee aus Rapperswil-Jona überholte links und verdrängte Energy Zürich vom Podest – 219'040 Hörende schalteten den Seesender täglich ein, ein Plus von fast 42'000 Personen. «Wir haben in den letzten Monaten viel optimiert, mutige Entscheidungen getroffen und haben gemeinsam neue Wege eingeschlagen», so Daniel Merkle, CEO von Radio Zürisee, in einem persoenlich.com-Interview.


Signifikant zugelegt hatten auch FM1, Vintage Radio, Radio Basilisk, Flashback FM, Radio Top und BeO. Signifikante Verluste gab es innerhalb der Top 20 keine.


Newsletter wird abonniert...

Newsletter abonnieren

Wollen Sie Artikel wie diesen in Ihrer Mailbox? Erhalten Sie frühmorgens die relevantesten Branchennews in kompakter Form.

Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Priska Ziegler
14.07.2025 14:12 Uhr
Bei diesen Zahlen müssten die Verantwortlichen handeln. Der Empfang ist nach wie vor nicht flächendeckend gewährleistet. Zum Beispiel in der Surselva ab Trin ist der Empfang von SRF 1 über lange Strecken nicht möglich. Dass vor der Umstellung nicht besser die Abdeckung überprüft wurde, kann ich nicht verstehen. SRG vergisst wahrscheinlich, woher sie das Geld erhalten.
Victor Brunner
11.07.2025 08:21 Uhr
Bei einem Unternehmen das sich am Markt behaupten muss würden alle Alarmlampen aufleuchten wenn so viele Kunden nicht mehr erreichbar sind. Nur ein Unternehmen das vom "Staat bedient" wird kann so wirtschaften!
Beat Sieber
10.07.2025 13:21 Uhr
Heute in den Mittagsnachrichten SRF: Die SRG verlor "im Rahmen Erwartungen" 400 000 Hörer. Kein Wort von den steigenden Hörerzahlen der Privatradios. Nur der Hinweis, dass die Privaten voraussichtlich 2026 UKW abstellen müssen. Das nenne ich unvollständige und parteiische Desinformation. Typisch SRG.
Kommentarfunktion wurde geschlossen

Die Branchennews täglich erhalten!

Jetzt Newsletter abonnieren.