Herr Schneider, was ist neu bei persoenlich.com?
Konzeptionell und inhaltlich ist persoenlich.com klar eine Erfolgsgeschichte. Aber aus technologischer Sicht ist das Portal der Schweizer Kommunikationsbranche nun ein wenig in die Jahre gekommen. Mich erinnert persoenlich.com an eine solide alte Liegenschaft, die ihre eigene Geschichte hat und mit viel Enthusiasmus aufgebaut und gepflegt wurde. Mit dem rasanten Medienwandel kam der Zeitpunkt, an dem Architekt und Eigentümer entschieden, dass das Haus renoviert und an neue Standards angepasst werden muss. Bei Denon wollen wir Kommunikationslösungen für den Medienwandel bieten. Im Falle von persoenlich.com heisst das, dass wir eine Lösung für die unzähligen internetfähigen Geräte finden mussten, mit denen heute eine Website angeschaut wird. Da gibt es grosse und kleine Smartphones, grosse und kleine Tablets, und auch bei den Laptops oder Monitoren gibt es keine einheitliche Grösse. Das stellte Entwickler und Designer vor eine neue Herausforderung. Den Lesern ist das egal. Sie erwarten heute auf jedem Gerät ein schnelles, einfach strukturiertes und gut lesbares Angebot.
Vor allem die Mobilenutzung hat im Newsbereich sehr viel verändert.
Seit Einführung der "persönlich"-App für das iPhone und der Integration von Augmented Reality im Zusammenspiel mit dem Magazin "persönlich" sind die Mobile-Userzahlen um mehr als fünfzehn Prozent gestiegen.
Nach welchen Kriterien wurde die neue Homepage gestaltet?
Die ersten Gedanken beim Relaunch von persoenlich.com waren: Alles wird neu, alles wird anders. Das Kommunikationsverhalten hat sich ja in den vergangenen zehn Jahren sehr stark verändert. Nach einigen Workshops mit der Redaktion sowie unserem Anzeigenverkauf und Gesprächen mit verschiedenen Lesern haben wir aber einen anderen Weg gewählt. Wir wollten vor allem Bewährtes erhalten. Das bedeutet, wir greifen da ein, wo wir es den Lesern einfacher machen können, und erfinden das Rad nicht neu. Für die Neugestaltung haben wir folgende Ziele definiert: klare Strukturen, einfache Benutzerführung, Optimierung für Smartphones und Tablets, modernes, luftiges Layout und natürlich: aufräumen, aufräumen, aufräumen! Die grössten Änderungen gab es im Hintergrund: Wir haben Pflege und Administration der Website optimiert. Das ist leider nicht ganz so trivial, denn vor allem für die Redaktion ist das vorhandene Content-Management-System (CMS) in seiner Einfachheit unschlagbar schnell und simpel zu bedienen. persoenlich.com ist nun auf einer komplett anderen Plattform aufgebaut, das bedeutet, dass auch das CMS ersetzt werden musste. Aufgrund der vielen aktuellen Meldungen und der Anforderungen an die Geschwindigkeit setzen wir auf das Opensource-System Drupal, das bei einigen grossen Onlineredaktionen im Einsatz ist.
Was ist denn für die Leser neu?
Die Leser von persoenlich.com geniessen denselben Service wie bis anhin, die Rubriken innerhalb der News bleiben bestehen (Werbung, Medien, Marketing, PR / Corporate Communication, Digital und Gesellschaft) und sind weiterhin auf der Startseite und im Newsletter in diesen Paketen geordnet. Die News werden nicht einfach chronologisch geordnet, sondern die Redaktion entscheidet in einer fortwährenden Sondierung über die Gewichtung der einzelnen Meldungen. Die Leser können entspannt zurücklehnen und sich in kurzer Zeit über das Geschehen der Branche ein "persönliches" Bild machen.
Die Meldungen werden auch in neuen Gefässen selektioniert.
Ja, das ist richtig. Da, wo früher das Gefäss "Top 5 News der letzten Woche" stand, gibt es neu vier Rubriken: "Top geklickt" ersetzt das alte "Top 5 News der letzten Woche" und bildet neu acht Top News ab. Unter "Top Aktuell" findet der Leser die neusten Meldungen des Tages. Unter "Empfehlungen" stehen Meldungen, die die Redaktion dem persoenlich.com-Publikum zur Lektüre besonders ans Herzen legen möchte. Spannende Interviews und Geschichten kann die Redaktion so noch etwas länger auf der Hauptseite behalten, bevor sie ins Archiv abwandern, wo sie online aber natürlich immer noch verfügbar sind. Auf "Neu kommentiert" ist ersichtlich, wo die Leser zuletzt ihre Meinung eingebracht haben.
Was gibt es zu den Bildern zu sagen?
Es bietet sich die Möglichkeit, grössere Bilder zu zeigen. Dies ist vor allem bei der Abbildung von Kampagnenbilder unter der Rubrik Werbung sicher ein grosser Vorteil: Die Leser bekommen mehr Bild, können Kampagnen online genauer betrachten. Da sich Interviews mit verschiedenen Persönlichkeiten aus der Kommunikationsbranche auf persoenlich.com besonders etabliert haben, können diese auf den Mainbildern auch visuell besser porträtiert werden.
Gab es technologische Hürden zu bewältigen?
Ja, klar, da gab und gibt es einige. Zu Zeiten von Netscape dachte ich, die Probleme der Browser-Vielfalt nehmen irgendwann ein Ende. Falsch gedacht. Heute gilt es, nicht nur den Browser-Eigenschaften von Internet Explorer, Chrome, Opera, Safari und Firefox gerecht zu werden. Auch die Browser von Smartphones, Tablets wie dem iPad, und nun auch noch der 7-Zoll-Geräte wie iPad Mini und Nexus 7, machen uns Arbeit. Denn natürlich sollen nicht nur die News optimal dargestellt werden. Auch Gefässe wie der "Spot of the Day" mit Filmen aus Creative Society, "Fotogalerien" von der Amiado Group und das "Web-TV" mit Videobeiträgen von Branchenevents müssen auf allen Geräten laufen. Angebote wie Stellenmarkt, Ausbildung und Events haben wir auch stärker gewichtet.
In der Vergangenheit wurde bemängelt, dass die Schrift zu klein sei. Inwiefern ist dies beim Relaunch berücksichtigt worden?
persoenlich.com wird im "Responsive Webdesign" umgesetzt. Das heisst, die Darstellung der Inhalte und die Benutzerführung sind den jeweiligen Ausgabegeräten optimiert angepasst (Desktop, Tablet, Mobile). Zudem bieten es die heutigen Desktop-Bildschirmauflösungen ohnehin schon an, grosszügiger zu gestalten. Die Schriftgrösse sollte also definitiv kein negatives Kriterium mehr sein.
Welches Gefühl haben Sie heute, so kurz nach dem Relaunch?
Ich bin natürlich nervös! Schliesslich habe ich mich jetzt einige Monate mit dieser Seite intensiv beschäftigt. Aber ich freue mich auch sehr, dass sie jetzt endlich online ist. Nun hoffe ich, dass auch die Leser an der neuen Website ihre Freude haben. Und Verständnis - sollte in den ersten Tagen mal etwas nicht auf Anhieb klappen.
Interview: Matthias Ackeret

